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Belastung der Anleger : Fondsgesellschaften erhöhen Gebühren

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Heimlich, aber nicht still und leise: Das Gebäude der Union Investment in Frankfurt bei Nachteinbruch Bild: Cunitz, Sebastian

Die Union Investment berechnet für viele ihrer Produkte höhere Gebühren. Damit ist sie nicht allein. Sollen Anleger dies hinnehmen oder ausweichen?

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          Die Gebühren, mit denen Fondsgesellschaften ihre Anleger belasten, sorgen für neuen Ärger. Ali Masarwah, Chefredakteur und Analyst der Fondsratingagentur Morningstar, hat nun die Union Investment frontal angegriffen. „Heimlich, still und leise hat die Fondsgesellschaft Union Investment die Gebühren etlicher Fonds offenbar zum Teil deutlich erhöht“, lautet Masarwahs Kritik. Darauf entgegnet ein Sprecher der Fondsgesellschaft, die den deutschen Volks- und Raiffeisenbanken gehört: „Still und leise stimmt nicht“, sagt dieser. „Wir haben alle Anleger angeschrieben und sie über die Kostenänderung informiert.“

          Die Gebühren von Investmentfonds sind ein Thema, das Anleger und Fondsgesellschaften seit langem entzweit. Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung, Ongoing Charges oder auch erfolgsabhängige Performance Fees – die Verantwortlichen der Fondsbranche haben sich vieles einfallen lassen, um die Anleger zu belasten oder um sich selbst etwas von den Gewinnen des Fonds abzuschneiden. Dass sie ihre Gebühren für viele Fonds erhöht haben, bestreiten die Verantwortlichen der Union Investment nicht.

          Erhebung von Performance Fees

          Allerdings verweisen sie auf die Finanzaufsicht Bafin. Diese habe beispielsweise auf die Erhebung von Performance Fees gedrängt, bei denen sich die Fondsgesellschaft etwas von den Gewinnen des Fonds abschneidet, wenn der Fondsmanager das Geld der Anleger besonders gut angelegt haben sollte. Wenn jedoch ein Fondsmanager das Vermögen der Anleger mindert, beteiligt er sich an den Verlusten nicht. Besonders ärgerlich ist jedoch die Einführung von Pauschalgebühren, mit denen Fondsgesellschaften die Anleger unabhängig von der Höhe der tatsächlich entstandenen Kosten belasten.

          Richtig ist, dass im Zuge der neuen Fondsregulierung in der Europäischen Union – Ucits IV im Fachjargon genannt – eine neue Kennzahl, eingeführt worden ist. Sie heißt „Ongoing Charges“ oder „laufende Kosten“. Diese soll irgendwann die bisherige Kennzahl Total Expense Ratio (TER) oder Gesamtkostenquote, ablösen. Der Unterschied zwischen den beiden Konzepten ist gering. Neu ist, dass in die laufenden Kosten – anders als bei der Gesamtkostenquote – auch die Kosten für Drittfonds einfließen, die der Fondsmanager unter Umständen einsetzt.

          „Ein weiterer Aspekt, der zu höheren laufenden Kosten führt, sind laufend gestiegene Aufwendungen in den vergangenen Jahren, die der Union Investment von Dritten in Rechnung gestellt werden, beispielsweise die Kosten der Übermittlung einer Anlegerinformation auf dauerhaftem Datenträger durch die depotführenden Stellen“, heißt es weiter bei der Union Investment. Und schließlich beeinflusst das Fondsvolumen die Rechnung: „Eine Veränderung der prozentualen laufenden Kosten kann aber auch hervorgerufen werden, wenn die Kosten gleich bleiben und sich das Fondsvermögen aufgrund von Kapitalmarkt- oder Nettomittelbewegungen verändert“, heißt es schließlich bei der Fondsgesellschaft.

          Davon unabhängig habe die Union Investment im vergangenen Jahr eine Pauschalgebühr eingeführt, „in der diverse Kostenpositionen gebündelt werden, welche bis dahin gesondert belastet wurden“. Diese neue Pauschalgebühr sei zudem „mit betriebswirtschaftlichen Aufschlägen versehen, die einen Anstieg einzelner Kostenbestandteile in der Zukunft berücksichtigen“, führt die Union Investment weiter aus. Mit anderen Worten: Die neue Gebührenpolitik der Union Investment führt – wie bei vielen anderen Fondsgesellschaften im Übrigen auch – nicht zu größerer Klarheit über ihre Berechnung.

          Dass die Union Investment eine neue Gebührenrunde in der Fondsbranche einleitet, bestreitet der Sprecher der Fondsgesellschaft. Vielmehr ziehe die Union im Wettbewerb mit den anderen nach. Die Hauptkonkurrenten – Deka, Allianz Global Investors und DWS – hätten schon vor Jahren ihre Gebühren angehoben. Dies räumt auch Morningstar-Analyst Masarwah ein: Der international anlegende Aktienfonds Uni Global zum Beispiel sei mit einer Gesamtkostenquote von 1,3 bis 1,39 Prozent in den vergangenen Jahren relativ günstig gewesen im Vergleich zu den entsprechenden Fonds der Konkurrenz. Doch mit laufenden Kosten von 1,58 Prozent nähere sich der Uni Global nun dem Niveau anderer Fondsgesellschaften an. Auf die Fonds anderer Gesellschaften auszuweichen dürfte somit in den meisten Fällen keine Alternative sein.

          Anscheinend ist sich die Branche darin einig, die Kosten für ihre Produkte hoch zu halten. Um zum Beispiel eine Alternative zum Uni Global zu finden, könnte der Anleger auf den Aktienfonds DWS Global Growth ausweichen, der auf laufende Kosten von 1,46 Prozent jährlich kommt. Einem Anleger, der diese hohen Gebühren nicht mittragen und dennoch in breit anlegende Finanzprodukte investieren will, bleiben nur Indexfonds, auch als ETF bekannt. So kann er einen weltweiten Aktien-Indexfonds wie den DB X-Trackers MSCI World Index Ucits ETF wählen, für den die Deutsche Bank eine Gesamtkostenquote von 0,45 Prozent im Jahr erhebt.

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