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Geldanlagen : Was taugen Mischfonds?

Die Mischung machts Bild: Illustration: Getty

Fonds, die gleichzeitig auf Aktien wie Anleihen setzen, versprechen Anlegern Schutz in turbulenten Zeiten. Wir haben uns die größten Fonds vorgenommen.

          4 Min.

          Neulich waren sie beim Fondsverband BVI allerbester Laune. Der Branchenverband gab Zahlen für das vergangene Jahr bekannt und konnte einen Rekord verkünden: 2600 Milliarden Euro verwalten die Fondsgesellschaften in Deutschland – so viel Geld wie noch nie. Vor allem eine Fondsart erfreut sich unter Anlegern größter Beliebtheit: Mischfonds, die sowohl in Aktien als auch in Anleihen investieren und deren Manager frei darüber entscheiden können, wie sie das Geld ihrer Kunden auf diese beiden Anlagearten aufteilen. Unterm Strich haben die Deutschen 2015 neue Gelder in Höhe von mehr als 38Milliarden Euro in solche Fonds investiert.

          Dennis Kremer
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ob dies wirklich eine gute Entscheidung war, muss sich in diesen Tagen erstmals unter harten Bedingungen erweisen: An der Börse geht es ruppig zu, allein im Januar hat der Dax 8,8 Prozent verloren – es ist einer der schwächsten Jahresstarts seiner Geschichte. Damit herrscht genau das Umfeld, in dem Mischfonds eigentlich ihre Stärken ausspielen sollten.

          Paradiesische Zeiten für Geldverwalter

          Denn ihr zentrales Versprechen lautet: Wenn die Börsenkurse heftig fallen, sind Mischfonds davon nur schwach betroffen, weil die Fondsmanager (anders als bei Aktienfonds) rechtzeitig von Aktien in Anleihen umschichten können. Ist das Börsengewitter dann vorüber, haben die Mischfonds kaum Verluste gemacht und können nun fröhlich wieder von steigenden Aktienkursen profitieren, während alle anderen Anleger erst einmal wieder aus ihrem Minus herausfinden müssen. So geht die Marketing-Story.

          Blöd nur, dass die Sache in der Realität so selten hinhaut. Das Analysehaus Morningstar hat für diese Zeitung die Wertentwicklung großer und beliebter Mischfonds im Detail untersucht (siehe Tabelle). Das Resultat ist durchwachsen. Zwar ist anzuerkennen, dass kein Fonds während der Turbulenzen im Januar so heftige Verluste hinnehmen musste wie die großen Aktienmärkte der Welt. Zu guter Laune besteht für die Anleger dennoch kein Anlass.

          Notenbanker und Weltkonjunktur

          In den vergangenen Jahren war dies durchaus schon einmal anders. Eine Zeitlang haben Mischfonds wunderbar von der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken profitiert. Auf der einen Seite führte das billige Geld nämlich zu steigenden Aktienkursen auf der ganzen Welt. Und auf der anderen Seite zu fallenden Anleihezinsen, was bei Anleihen automatisch mit steigenden Kursen einhergeht. Anders ausgedrückt: Aktien- und Anleihekurse stiegen im Gleichschritt und wie von selbst – die Fondsmanager brauchten dafür so gut wie gar nichts zu tun. Paradiesische Zeiten für Geldverwalter.

          Nun hat sich die Lage dramatisch verändert. Nur einem der untersuchten Fonds ist es gelungen, während der jüngsten Börsenturbulenzen nicht ins Minus zu rutschen: Der Fonds „Nordea Stable Return“ schaffte das Kunststück, in den vergangenen Wochen eine minimal positive Wertentwicklung zu erzielen. Sicher ist der Einwand berechtigt, dass ein so kurzer Zeitraum allein noch nicht für eine abschließende Bewertung ausreicht.

          Bild: F.A.Z.

          Der Nordea-Fonds ist aber auch in anderer Hinsicht die große Ausnahme. Seine Wertentwicklung ist auch über einen längeren Zeitraum von drei Jahren in Ordnung, doch fast noch wichtiger ist: Fondsmanager Claus Vorm hat seinen Kunden nicht ein einziges Mal höhere Verluste zugemutet. Wer in den vergangenen drei Jahren zum ungünstigsten Zeitpunkt Nordea-Fondsanteile gekauft und sie ebenfalls zum ungünstigsten Zeitpunkt wieder verkauft hat, musste ein Minus von nicht einmal drei Prozent hinnehmen. Dies ist im Vergleich zu allen Konkurrenten eine Spitzenleistung.

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