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Behavioral Finance : Die sieben Todsünden bei Anlageentscheidungen

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Die menschliche Psyche hindert viele Anleger daran, die richtigen Anlageentscheidungen zu treffen. In einer Studie benennen die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein die Fehler, die oft auch von Profis begangen werden.

          Wie der auf die Verhaltenslehre der Anleger spezialisierte Zweig Behavioral Finance in zahlreichen Studien eindrucksvoll nachgewiesen hat, verleitet die menschliche Psyche die meisten Anleger dazu, schwerwiegende Fehler zu begehen. Selbst Anlageprofis sind vor diesen typischen Fehlern nicht gefeit.

          Was dabei selbst beim Fondsmanagement immer wieder falsch gemacht wird, haben die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein in einer neuen Studie herausgearbeitet. Die dabei gefundenen Erkenntnisse haben nach Einschätzung der Autoren das Zeug dazu, selbst sehr tief verwurzelte Anlagegrundsätze zu erschüttern.

          Konkret identifiziert wurden im Rahmen der Untersuchung sieben Todsünden der Geldanlage. Nachfolgend werden diese Fehler aufgezählt:

          1. Sehr häufig stehen Prognosen im Mittelpunkt eines Investmentprozesses. Dabei zeigt die Erfahrung, daß die meisten Marktteilnehmer mit dem Erstellen punktgenauer und zutreffender Prognosen völlig überfordert sind. Stimmt diese These, bedeutet das aber im Umkehrschluß nichts anderes, als „sich selbst schon vor dem Start eine Hand auf den Rücken zu binden“, wie Mitautor James Montier es formuliert.

          2. Investoren scheinen besessen davon zu sein, so viele Informationen wie möglich zu bekommen. Anstatt sich auf einige wirklich wichtige Daten wie die Bewertung und die Ergebnisqualität zu konzentrieren, verwenden viele Anleger Stunden damit, in jeder Hinsicht Expertenwissen anzuhäufen. Dabei lehrt die Erfahrung, daß ein Übermaß an Informationen nur zur Selbstüberschätzung verleitet, ohne daß dadurch die Anlageentscheidungen selbst besser werden.

          3. Viele Marktteilnehmer verwenden unzählige Stunden für Gespräche mit den Vorständen der Unternehmen. Psychologisch betrachtet erscheint dieses Verhalten den Analysten bei Dresdner Kleinwort Wasserstein aber mehr als bizarr, weil der Mensch typischerweise nicht so gestrickt ist, daß er bei solchen Treffen vornehmlich nach Punkten sucht, welche die eigene vorgefaßte Meinung eines Besseren belehren. Zusätzlich entwertet werden Meetings dieser Art auch dadurch, daß die meisten Menschen nicht gerade gut darin sind, Lügner zu identifizieren.

          4. Viele Anleger verbringen ihre Zeit mit Versuchen, Positionen möglichst auf dem Kurstiefpunkt einzugehen und beim Kurshoch zu verkaufen. Sie glauben also, schlauer sein zu können als der Markt. Doch wie die negativen Erfahrungen mit dieser Vorgehensweise lehren, scheint dieses Ansinnen ziemlich anmaßend zu sein.

          5. Viele Investoren agieren mit einem sehr kurzfristigen Anlagehorizont und neigen deshalb dazu, zu viele Käufe und Verkäufe zu tätigen. So beträgt die durchschnittliche Haltedauer einer Aktie an der New York Stock Exchange gerade einmal elf Monate. Nach Ansicht der Autoren der Studie hat das nichts mit einem Investment zu tun, sondern ist nichts anderes als reine Spekulation.

          6. Die meisten Marktteilnehmer scheinen stark auf gut klingende Stories fixiert zu sein und alles zu glauben, was sie von den Medien vorgesetzt bekommen. Doch diese Informationen können bekanntlich oft sehr irreführend sein. Laut Montier wäre die Anleger aber besser beraten, „nur auf die Fakten zu achten, anstatt auf Stories, die sich oft als Märchengeschichten entpuppen.“

          7. Viele Anlageentscheidungen resultieren aus einer im Konsens gefundenen Gruppenmeinung. Dabei ist diese Vorgehensweise alles andere als ein Allheilmittel. Vielmehr machen Gruppendiskussionen eine Urteilsbildung oft komplizierter als sie zu erleichtern. Verhaltensforschern zufolge sind Gruppenurteile zudem oft von schlechter Qualität.

          Alle diese sieben Punkte zusammengenommen, stellen nach Einschätzung der Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein selbst auferlegte Handicaps beim Versuch dar, besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Deshalb erscheint es ihnen sehr wichtig, die psychologischen Fehler zu identifizieren, die typischerweise den normalen Investmentprozessen innewohnen. Denn nur so bestehe die Chance, am Ende eines Selbstfindungsprozesses zu einer Anlagephilosophie zu gelangen, die besser gegen die menschlichen Verhaltensfehler gefeit ist, die normalerweise bei Anlageentscheidungen auftauchen.

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