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Behavioral Finance (7) : Übermut tut dem Portfolio selten gut

  • -Aktualisiert am

„Wir sind die Coolsten” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Menschen neigen zu einer zu optimistischen Beurteilung ihrer eigenen Fähigkeiten. An der Börse geht das oft genug schlecht aus. Vor allem Viel-Trader schaden sich selbst.

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          Es war ein einfaches Experiment: Man bat die Teilnehmer einer Studie, eine Wette abzuschließen. Sie sollten gegen einen Mitspieler wetten, wer von beiden die höhere Karte von einem Stapel zieht. Den Einsatz sollten sie dem Versuchsleiter vor dem Aufdecken der Karte mitteilen.

          Was die Teilnehmer des Experiments nicht wussten: Der Zweite war kein Mitspieler, sondern von den Versuchsleitern instruiert, einmal als Trottel aufzutreten und einmal als sportlicher und gewitzter Zeitgenosse. Und dieses Benehmen machte den Unterschied: Spielten die Versuchspersonen gegen den vermeintlichen Trottel, so waren ihre Wetteinsätze höher als bei den Wetten gegen den intelligenten Gegenspieler. Obwohl der Ausgang der Wette unabhängig war von der Persönlichkeit des Gegenspielers, glaubten die Probanden, dass ihre Wettchancen besser seien, wenn sie gegen einen ihnen unterlegenen Gegner spielen, und wetteten höhere Einsätze.

          Herrscher der Welt

          Andere Experimente zeigen noch schrägere Ergebnisse: So glaubten Versuchspersonen, dass sie durch Konzentration das Ergebnis eines Münzwurfs beeinflussen konnten oder dass sie Lotterien ein Schnippchen schlagen können. Unter dem Strich blieb bei solchen Experimenten stets der gleiche Eindruck hängen: Menschen glauben, dass sie auf rein zufallsbedingte Ereignisse einen Einfluss haben.

          Wenn wir aber schon glauben, dass wir einen Einfluss auf zufällige Ereignisse haben, wie sieht es dann erst aus mit Ereignissen, bei denen wir tatsächlich handelnde, aktiv beeinflussende Personen sind? Genau: So wie Spieler glauben, dass sie den Würfel kontrollieren oder die richtigen Lose aussuchen können, so glauben auch Unternehmensführer, dass sie ein Projekt im Griff haben, glauben Investoren, dass sie den Märkten ein Schnippchen schlagen können, glauben Anwälte, dass sie Prozesse gewinnen können. Kontrollillusion nennen Wissenschaftler dieses Phänomen - wir glauben, dass wir viel mehr Kontrolle über unser Leben haben, als es tatsächlich der Fall ist.

          Der Blitz trifft immer die anderen

          Ein enger Verwandter der Kontrollillusion ist der sogenannte Überoptimismus, aus dem sich letztlich die Kontrollillusion speist: Die Mehrheit der Menschen schätzt ihre Fähigkeiten auf welchem Gebiet auch immer als überdurchschnittlich ein - was sich nicht mit den Gesetzen der Statistik verträgt.

          So glauben Studenten in Befragungen, dass sie höhere Gehälter als ihre Kommilitonen verdienen werden oder dass ihr Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, geringer ist als bei ihren Mitstudenten. Andere Befragungen bringen ähnliche Ergebnisse: Gute Ereignisse stoßen uns in unserer Einschätzung häufiger zu als anderen Menschen, von schlechten Ereignissen fühlen wir uns unterdurchschnittlich bedroht.

          Ähnlich überoptimistische Einschätzungen finden sich auch für die Wahrscheinlichkeit von Autounfällen, Lungenkrebs bei Rauchern und die Wahrscheinlichkeit, nicht geschieden zu werden. Wo immer der Blitz einschlägt - in unseren Erwartungen ist es immer das Nachbarshäuschen, nie unser eigenes.

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