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Fondsgesellschaften : Die unheimliche Macht der ETF-Fonds

Da die Fondsgesellschaften aber an allen Unternehmen der Branche beteiligt sind, müssten sie eigentlich ein Interesse daran haben, dass es allen Firmen gut geht. Dies funktioniert, so folgern die Ökonomen, aber nur, wenn die Unternehmen nicht in den härtesten Wettbewerb miteinander treten, sondern sich gegenseitig höhere Preise zugestehen. Wer dann leidet, steht aber auch fest: Es sind die Kunden, die zu hohe Preise zahlen. Also im Zweifel wir alle.

Wettbewerbsdruck ist noch aus einem weiteren Grund mit ETF geringer

Das Fatale an dieser Konstellation ist, dass Absprachen zwischen den einzelnen Fondsgesellschaften und den Unternehmen gar nicht nötig sind, um das unerwünschte Resultat für die Kunden herbeizuführen. Denn da die Manager der Unternehmen ja um diese Eigentümerstruktur wissen, kann es sein, dass sie von vornherein weniger aggressiv gegenüber Konkurrenten auftreten.Und aus dem gleichen Interesse heraus werden die Fondsgesellschaften sie dazu auch nicht ermuntern. Es passt an dieser Stelle, dass ETF-Investoren oft als passive Anleger bezeichnet werden. „Wir stehen vor einem Problem struktureller Natur“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Ockenfels.

Der Wettbewerbsdruck ist noch aus einem weiteren Grund geringer, wenn ETF im Spiel sind. Anders als traditionelle Fonds dürfen sie eine Aktie ja selbst dann nicht verkaufen, wenn sie mit deren Wertentwicklung unzufrieden sind. Denn per definitionem müssen die ETF sich an allen Firmen beteiligen, die zu einem Börsenindex dazugehören. Damit fehlt ihnen ein klassisches Druckmittel: Der Vorstand einer Aktiengesellschaft ist so weniger in Gefahr, durch fallende Aktienkurse unter Druck zu geraten. Er muss sich höchstens dann Sorgen machen, wenn seine Firma einen Börsenindex aus welchen Gründen auch immer verlassen muss. Denn dann müssen die ETF ihre Anteile verkaufen.

Es gibt allerdings auch ein Gegenargument gegen die Annahme, dass Fondsgesellschaften an Wettbewerb eigentlich kein Interesse haben dürften. Lässt ein Unternehmen alle Konkurrenten so weit hinter sich, dass es alleine für einen höheren Anstieg des Index sorgt als zuvor alle anderen zusammen, ist dies im Interesse der Fonds. Denn letztlich ist es ja ihr Ziel, dass der Börsenindex insgesamt sich vorteilhaft entwickelt – in welcher Form die einzelnen Unternehmen des Index dazu beitragen, kann den Fonds dabei egal sein. Darum heißt es bei Blackrock: „Die Sorgen der ökonomischen Studien teilen wir nicht. Unsere Kunden haben uns Geld anvertraut, damit wir es in einen Index investieren, und nicht, damit wir für sie aktive Anlageentscheidungen treffen.“

Die neuen Bedenken gegenüber den ETF lassen sich damit alleine noch nicht ausräumen. Zumal die Welt der Indexfonds eine besondere Pointe parat hält. Da die Gesellschaften oft selbst an der Börse notieren, sind andere Indexfonds dazu verpflichtet, sich an ihnen zu beteiligen. Zu den wichtigsten Anteilseignern von Blackrock zählen State Street und Vanguard. Auch das dürfte aus Sicht von Wettbewerbsbehörden nicht gerade eine optimale Konstellation ein.

So sinnvoll ETF für den einzelnen Anleger auch sind: Dass sie auch für die Allgemeinheit von Nutzen sind, ist darum längst noch nicht ausgemacht.

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