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Bankenregulierung : Wie Banken Risiken handhaben sollten

  • -Aktualisiert am

Künftig an der Leine: Banker in London Bild: Fricke, Helmut

Alleine können sie es nicht. Es bedarf einer Aufsicht mit Zugang zu Unternehmensdaten auf Mikroebene, um das Ausmaß systemweiter Risiken besser erkennen und Problempunkte identifizieren zu können.

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          Anlässlich des Jahrestages der Insolvenz von Lehman Brothers forderte Präsident Obama die Wall-Street-Akteure zu einer grundsätzlichen Verhaltensänderung auf. „Anstatt die Lehren aus dem Lehman-Vorfall und der Krise zu ziehen, von der wir uns noch immer erholen, ziehen sie es vor, diese zu ignorieren“, sagte er am 14. September in einer Rede in New York.

          Teil seines ehrgeizigen Plans zur Reform des Finanzsystems ist ein neuer „Rat für Finanzaufsicht“, um aufkeimende Systemrisiken zu identifizieren und die Koordination zwischen verschiedenen Behörden wie der Zentralbank (Fed), der Börsenaufsicht (SEC) und dem staatlichen Einlagensicherungsfonds (FDIC) zu verbessern.

          Gefragt ist der ganzheitliche Risikoansatz

          Der Lehman-Kollaps und die hierdurch ausgelöste weltweite Kreditkrise machte klar, dass ein Risikomanagement auf Ebene der einzelnen Banken allein nicht ausreicht. Risiken müssen systemweit überwacht werden, wobei auch die Konzentration der Spekulation als solcher in bestimmten Vermögenswerten zu berücksichtigen ist, die häufig zu Marktblasen führt. Banken müssen ermitteln, in welchem Umfang sie an anderen Märkten engagiert sind, die beim Platzen von Blasen in eine Abwärtsspirale geraten könnten.

          Mit einem ganzheitlicheren Risikoansatz könnten sich Finanzinstitute besser darauf konzentrieren, welche Arten von Risken in welchen Bereichen aufträten und inwieweit einzelne Risikoarten möglicherweise Einfluss auf andere nähmen, sagt Rob Mochwart, Risikoberater und ehemaliger Leiter des Risiko- und Kreditmanagements einer zwischenzeitlich erloschenen Tochtergesellschaft des Finanzkonzerns Popular.

          Kleinere Börsenmakler würden ihre Risikoanalysen traditionell auf sehr große Kunden mit Kreditkonten beschränken, bei denen im Falle einbrechender Vermögenspreise ein Kollaps der Konten drohe, sagt Gregg Berman, Leiter des Risikomanagements bei der New Yorker Beratungsgesellschaft Riskmetrics. Nach den Turbulenzen des vergangenen Jahres gingen die Makler inzwischen jedoch vorausschauender vor, indem sie nun analysierten, in welchem Ausmaß ihre Kunden den Risiken eines bestimmten Unternehmens oder einer bestimmten Branche ausgesetzt seien.

          Risiko verstehen, nicht Entwicklungen prognostizieren

          „Bei einer großen Anzahl von Konten ist diese Detailtiefe zwar eine Herausforderung, entwickelt sich jedoch zu einem wesentlichen Bestandteil der Geschäftspraxis, so dass sich im Voraus erkennen lässt, welcher Teil der Kunden in welchem Umfang einem bestimmten Unternehmen, einer bestimmten Risikokategorie, einem bestimmten Abschnitt der Renditekurve oder einem bestimmten Sektor ausgesetzt ist“, so Berman. „Wenn viele Kunden am kurzen Ende der Renditekurve positioniert wären und eine Versteilung der Kurve eintreten sollte, dann würde es alle meine Konten treffen.“

          Um mit dieser Möglichkeit umzugehen, empfiehlt Riskmetrics, dass Unternehmen ihre Kunden mit derart konzentrierten Positionen wenigstens informieren und eine Neuausrichtung ihrer Positionen oder eine Absicherung ihrer bestehenden Engagements vorschlagen. „Der erste Schritt eines jeden Risikomanagementprogramms besteht darin, zu verstehen, was mit Ihrem Portfolio geschehen kann und nicht darin, zu prognostizieren, was geschehen wird“, so Berman.

          Schuld ist die Nachlässigkeit, nicht das Modell

          Hedge-Fonds hätten ihre Lehren aus dem raschen Versiegen ihrer Finanzierungsquellen infolge des Kreditvergabestopps der Investmentbanken im vergangenen Jahr gezogen; ihre Finanzierung würden sie seither auf mehrere erstklassige Investmenthäuser verteilen und sich auf Handelsaktivitäten konzentrieren, die weniger stark finanzierungsabhängig seien, sagt Berman.

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