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Kapitalmarktgeschäft : Gegenwind für Investmentbanken

Monsanto-Treibhaus in Bangalore: Bayer erwarb den Saatguthersteller für 64 Milliarden. Bild: dpa

Die goldenen Zeiten im Kapitalmarktgeschäft sind endgültig vorbei. Banken kämpfen mit Ertragseinbußen. Der Markt schrumpft. Die Nummer eins aber bleibt – JP Morgan.

          Die im Kapitalmarktgeschäft tätigen Banken kämpfen mit Ertragseinbußen. Wie aus den endgültigen Zahlen des britischen Finanzdatenanbieters Dealogic hervorgeht, sind die Einnahmen der Investmentbanken im vergangenen Jahr in der Beratung für Unternehmensfusionen und -übernahmen sowie der Plazierung von Anleihen oder Aktien um 5 Prozent auf 73,6 Milliarden Dollar gesunken. Es war das zweite Jahr mit einem Rückgang in Folge. Das schmerzt umso mehr, da das Jahr 2016 geprägt war von einem Rekordvolumen an Anleiheemissionen, wodurch die Einnahmen der mit Plazierung betrauten Banken gestiegen sind.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Laut Dealogic wurden im vergangenen Jahr von Staaten, Banken und Unternehmen Schuldtitel über 6,7 Billionen Dollar emittiert. Das waren 9 Prozent mehr als noch im Jahr 2015. Jedoch fiel das Minus bei Aktienplazierungen deutlich höher aus als der Zugewinn im Anleihegeschäft der Banken.

          Mit Gebühren von 23,8 Milliarden Dollar war das Geschäft mit Unternehmensfusionen und -übernahmen (Mergers&Acquisitions; M&A) für die Banken zwar nicht schlecht, aber im Vorjahr war der Ertragskuchen mit 24,3 Milliarden Dollar noch etwas größer ausgefallen. Das Jahr 2016 war das Jahr mit den dritthöchsten M&A-Einnahmen seit 2006. Vor allem in Deutschland gab es Rekordtransaktionen: Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer übernimmt den amerikanischen Saatgutkonzern Monsanto für 64 Milliarden Dollar. Das ist die bislang größte Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland. Der Zusammenschluss des deutschen Industriegasekonzerns Linde mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair weist mit 60 Milliarden Euro ebenfalls ein beeindruckendes Volumen auf.

          Geschäfte in der Königsdisziplin

          Die Nummer eins unter den Investmentbanken blieb die amerikanische Großbank JP Morgan, die auch im Filial- und Privatkundengeschäft in ihrem Heimatmarkt eine führende Rolle spielt. Die gemessen an der Bilanzsumme von 2,5 Billionen Dollar größte Bank der Vereinigten Staaten hat im Investmentbanking Gebühren über 5,9 Milliarden Dollar verdient. Damit baute JP Morgan den Marktanteil binnen Jahresfrist von 7,9 auf 8,1 Prozent aus. Dagegen verlor Goldman Sachs, das Flaggschiff der Wall Street, an Bedeutung. Zwar belegte die klassische Investmentbank mit Einnahmen von 4,9 Milliarden Dollar den zweiten Rang, aber ihr Marktanteil schrumpfte laut Dealogic von 7,2 auf 6,6 Prozent.

          Die Deutsche Bank landete auf dem achten Platz mit Einnahmen von 2,7 Milliarden Dollar. Ihr Marktanteil verringerte sich von 4,4 auf 3,6 Prozent. Im Vergleich mit dem Jahr 2015 fiel sie vom sechsten auf den achten Rang zurück. Vor der Deutschen Bank liegen Bank of America (4,5 Milliarden Dollar), Morgan Stanley (4,2), Citi (3,6), Credit Suisse (3,1) und Barclays (3,1). Unter den europäischen Investmentbanken belegt die Deutsche Bank somit den dritten Platz, da der Credit Suisse aus der Schweiz und die britische Barclays höhere Einnahmen erzielt haben. Nimmt man den europäischen Ertragspool, dann war auch hier JP Morgan mit 1,2 Milliarden Dollar die Nummer eins vor Goldman Sachs mit 982 Millionen Dollar. Die Deutsche Bank kommt mit 842 Millionen Dollar auf den dritten Platz.

          Die Ranglisten spiegeln aber nur eine Seite des Investmentbankings: das Geschäft in der Königsdisziplin M&A-Beratung sowie der Plazierung von Anleihen und Aktien. Aber noch wichtiger für die Profitabilität des Investmentbankings ist der Wertpapierhandel. Doch auch hier sind die Erträge rückläufig. Die Ratingagentur Moody’s hat die Handelserträge für JP Morgan, Goldman Sachs, Bank of America, Morgan Stanley, Citi, Barclays, Credit Suisse, Deutsche Bank und UBS in den vergangenen Jahren verglichen, und das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Verdienten die neun führenden Investmentbanken im ersten Quartal 2009 im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen noch 136 Milliarden Dollar, waren es im dritten Quartal 2016 nur noch 63 Milliarden Dollar. Im Aktienhandel schrumpften die Erträge in diesem Zeitraum von 47 Milliarden auf 39 Milliarden Dollar.

          Gerade der Wertpapierhandel steht nach der Finanzkrise unter verschärfter Beobachtung der Aufsichtsbehörden, die ihre Kapitalanforderungen dafür deutlich angehoben haben. Das macht das Handelsgeschäft weniger profitabel – mit der Folge, dass sich Banken wie UBS oder Barclays aus dem Anleihehandel zurückziehen. Jedoch gibt es hier wieder einen Lichtblick, wenn man auf die Zahlen des auf das Kapitalmarktgeschäft spezialisierten Analysehauses Coalition blickt. Demnach dürften die Erträge der zwölf größten Investmentbanken im Anleihehandel im vergangenen Jahr erstmals seit dem Jahr 2012 wieder gestiegen sein: um 5 Prozent auf 73,4 Milliarden Dollar.

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