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Geldanlage : Die Negativzinsen erreichen die Investmentfonds

Das Eurozeichen vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank Bild: dpa

Nach Unternehmen müssen nun auch Fonds dafür zahlen, wenn sie auf Bankkonten Geld parken. Das schmälert die Rendite für die Anleger. Doch der Negativzins wird nur auf den Kassenbestand eines Fonds erhoben.

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          Die Strafzinsen auf Bankeinlagen weiten sich aus. Immer mehr Banken reichen die negativen Zinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) an Großkunden wie Fonds oder Unternehmen weiter. Noch schwören Banken, Sparkassen und Volksbanken, dass Privatkunden verschont bleiben. Doch so ganz lässt sich das nicht ausschließen. Das räumte in dieser Woche Jürgen Fitschen, Ko-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank und Präsident des Bankenverbandes, ein. Doch auch die kleinen Sparer sind betroffen, wenn Fonds oder Versicherer für ihre Kassenbestände negative Zinsen zahlen müssen. Denn diese Kosten verringern den Ertrag dieser Anlageformen, am Ende bleibt für den Kunden weniger übrig.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von Strafzinsen sind derzeit vor allem Fondsgesellschaften betroffen. Sie lassen ihre Anlagen von sogenannten Depotbanken verwalten. Darunter sind Dienstleister zu verstehen, die für die Fonds die Wertpapiere verwahren und verwalten. „Einzelne Depotbanken geben den Negativzins der EZB für das Halten von Bankeinlagen weiter“, sagte eine Sprecherin des Fondsverbandes BVI. Die größte Depotbank in Deutschland ist BNP Paribas mit einem verwahrten Vermögen von 228 Milliarden Euro. Zumindest hier sind keine negativen Zinsen geplant, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte.

          Kunden der DZ Privatbank müssen Negativzins zahlen

          Anders sieht es bei den beiden amerikanischen Wertpapierverwahrern State Street und Bank of New York Mellon aus. State Street, die Nummer zwei in Deutschland unter den Depotbanken, hat beschlossen, Strafzinsen für in Euro lautende Depots zu erheben. „Ähnlich wie viele andere Banken im Verwahrgeschäft planen wir, den Zinsschritt im weiteren Verlauf des Quartals durchzuführen“ sagte ein Sprecher. Nicht nur State Street erwartet, dass die aktuelle Zinssituation in Europa auf absehbare Zeit eine Herausforderung bleibt. Zumindest die Kunden im Depotbankenbereich von Bank of New York Mellon (BNY) sind noch nicht mit negativen Zinsen konfrontiert. Aber alle anderen institutionellen Kunden, die Kassenbestände auf Konten des Instituts parken, müssen seit dem 1. Oktober auf Einlagen in Euro einen Strafzins von 0,2 Prozent zahlen. Wie ein BNY-Sprecher mitteilte, spiegelt diese Gebühr die gegenwärtigen Marktbedingungen für die Euro-Währung wider.

          Die Depotbank-Kunden von BNY können sich noch nicht zurücklehnen, denn die Bank behält sich auch hier entsprechende Schritte vor, sollte dies erforderlich sein. Einen solchen hat nun die DZ Privatbank gemacht. Das in Luxemburg ansässige Institut ist eine Tochtergesellschaft der DZ Bank, der Zentralbank für 900 Volks- und Raiffeisenbanken. Wie eine Sprecherin mitteilte, müssen institutionelle Kunden einen negativen Zins von 0,25 Prozent zahlen. Diese gelte aber nicht für Privatkunden, für die – ganz auf der Linie des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) – keine Strafzinsen geplant sind.

          Die DZ Bank, drittgrößte Geschäftsbank Deutschlands und die fünftgrößte Verwahrstelle für Fonds, kann negative Zinsen nicht gänzlich ausschließen. Die Konditionen seien allgemein Gegenstand individueller Verhandlungen. „Unter Berücksichtigung der jeweiligen Kundenbeziehung versuchen wir, negative Zinsen zu vermeiden“, sagte eine Sprecherin der DZ Bank. Das bedeutet: Verdient die Bank durch den Kunden über andere Produkte und Dienstleistungen ausreichend, dann muss er keine Strafzinsen auf seine Kassenbestände befürchten.

          Negativzins wird nur auf den Kassenbestand eines Fonds erhoben

          Die Fondsbranche haben die negativen Zinsen noch nicht in Aufruhr versetzt. Für überschaubar hält die BVI-Sprecherin die Auswirkungen. Denn der Negativzins werde nur auf den Kassenbestand eines Fonds erhoben. Das sind nach ihren Angaben in der Regel wenige Prozent am gesamten Fondsvermögen. Zudem verweist sie auf den Handlungsspielraum der Fonds. Sie können den Bargeldbestand senken und in geldmarktnahe Anlagen oder Festgeld umschichten. Schließlich können sie zu Banken mit günstigeren Konditionen wechseln. Eine Sprecherin der Deutschen Asset and Wealth Management, der Vermögensverwaltungseinheit der Deutschen Bank mit den DWS-Fonds, veranschlagt die Belastung durch die negativen Zinsen zum Beispiel für Aktienfonds und deren Wertentwicklung im Promillebereich. Denn der Anteil von Kassenbeständen in Wertpapierfonds liege im unteren einstelligen Prozentbereich. Ein Sprecher von Union Investment, Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, hält den Beitrag der Liquidität zum Gesamtergebnis eines Fonds für gering oder vernachlässigbar. Die Deka-Bank ist für die meisten ihrer Fonds zugleich Depotbank. Es überrascht daher nicht, dass die Fondsgesellschaft der Sparkassen keine Negativzinsen plant.

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