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John Paulson : Der Abstieg eines Krisenpropheten

John Paulson Bild: dpa

Seine Spekukationen vor der Finanzkrise machten John Paulson zur Legende. Doch jetzt verbietet eine Bank ihren Finanzberatern, Geld bei Paulson anzulegen.

          An der Börse sind Propheten besonders beliebt. Schließlich wollen alle Anleger wissen, was die Kurse morgen machen. Den größten Ruhm ernten dabei jene Auguren, die einen Kurssturz korrekt vorausgesehen haben. Schließlich ist die Angst vor Verlusten das stärkste Gefühl an der Börse. Entsprechenden Heldenstatus erreichen die Crash-Gurus. Sicherlich eine der bekanntesten Spezies dieser Art ist der New Yorker Hedgefonds-Manager John Paulson. Seine Spekulation auf fallende Immobilienpreise vor Ausbruch der Finanzkrise haben ihn zur Legende und gleichzeitig zu einem mehrfachen Milliardär gemacht.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Doch seither werden Paulsons seherische Fähigkeiten angezweifelt. Die Bank of America hat nun ihren Finanzberatern sogar ausdrücklich untersagt, weiter Geld in den Fonds von Paulson anzulegen. Anlass zu Kritik bot Paulson zu Genüge. Wer sich mit der Aura eines Wahrsagers umgibt, hat es aber an der Börse auch besonders schwer. Während seine Hellseherkollegen, die sich bezüglich künftiger Lebensentwicklungen eher allgemein äußern und dabei oft einen Teil der Wahrheit treffen, kennt der Kurs einer Aktie, Anleihe oder Währung keine Gnade.

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          Zunächst tat sich Paulson, exklusiv beraten von Alan Greenspan, dem legendären Präsidenten der Notenbank Fed, damit hervor, den Untergang des Euros vorherzusehen. Paulson hatte die Rechnung jedoch ohne den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi gemacht. Der Hedgefondsmanager hatte auf den Niedergang der Kurse der europäischen Peripherieanleihen und des Euros gesetzt. Die Kurse stiegen aber kräftig, seit Draghi im Juli 2012 sagte, er werde alles für den Erhalt des Euros tun. Später schwenkte Paulson um, engagierte sich in griechischen Aktien und Staatsanleihen und spekulierte auf eine Rettung. Die Rettung ist noch im Gange, doch die Kurse griechischer Aktien liegen dennoch darnieder. Ein weiterer Hoffnungsträger des 59 Jahre alten Börsenstars war Puerto Rico. Doch auch das Land konnte das Vertrauen noch nicht rechtfertigen und blieb nun die Rückzahlung einer fälligen Anleihe schuldig.

          Paulsons Fonds sind hochspekulative Geldanlagen geworden

          Die Anlagevehikel seiner Gesellschaft Paulson&Co. seien wegen zahlreicher Wetten auf illiquide Investments zu risikoreich geworden, zieht die Bank of America einen Schlussstrich unter die abenteuerlichen Anlagen von Paulson. Dass nicht alles schiefgehen muss, zeigte zwar das Jahr 2013, als Paulson erfolgreich auf eine Konsolidierung der Telekommunikations-, Pharma- und Biotechnologiebranche spekulierte. Er gehörte mit einem Jahressalär von 2,3 Milliarden Dollar nochmals zu den Bestverdienern auf dieser Welt. Doch längst sind seine Fonds zur hochspekulativen Geldanlage geworden und haben Anlegern immer wieder erhebliche Verluste beschert. Neben Griechenland und Puerto Rico gingen zuletzt auch Spekulationen in der Ölbranche schief. Paulson hatte auf Übernahmen gesetzt, doch der fallende Ölpreis verhagelte die Rendite. Ähnlich unglücklich waren Engagements in Goldminenaktien wie Anglo Gold.

          Arm ist der auf einem großen Anwesen auf Long Island lebende Paulson trotz seiner zahlreichen Fehlspekulationen aber längst noch nicht. Erst kürzlich spendete er 400 Millionen Dollar an die Eliteuniversität Harvard, an deren Business School er einst studierte. Die Kraft der Weissagung hat er dort aber offenbar doch nicht erlangt. Die Musikszene spräche womöglich von einem One-Hit-Wonder.

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