https://www.faz.net/-gv6-86g0h

John Paulson : Der Abstieg eines Krisenpropheten

John Paulson Bild: dpa

Seine Spekukationen vor der Finanzkrise machten John Paulson zur Legende. Doch jetzt verbietet eine Bank ihren Finanzberatern, Geld bei Paulson anzulegen.

          2 Min.

          An der Börse sind Propheten besonders beliebt. Schließlich wollen alle Anleger wissen, was die Kurse morgen machen. Den größten Ruhm ernten dabei jene Auguren, die einen Kurssturz korrekt vorausgesehen haben. Schließlich ist die Angst vor Verlusten das stärkste Gefühl an der Börse. Entsprechenden Heldenstatus erreichen die Crash-Gurus. Sicherlich eine der bekanntesten Spezies dieser Art ist der New Yorker Hedgefonds-Manager John Paulson. Seine Spekulation auf fallende Immobilienpreise vor Ausbruch der Finanzkrise haben ihn zur Legende und gleichzeitig zu einem mehrfachen Milliardär gemacht.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch seither werden Paulsons seherische Fähigkeiten angezweifelt. Die Bank of America hat nun ihren Finanzberatern sogar ausdrücklich untersagt, weiter Geld in den Fonds von Paulson anzulegen. Anlass zu Kritik bot Paulson zu Genüge. Wer sich mit der Aura eines Wahrsagers umgibt, hat es aber an der Börse auch besonders schwer. Während seine Hellseherkollegen, die sich bezüglich künftiger Lebensentwicklungen eher allgemein äußern und dabei oft einen Teil der Wahrheit treffen, kennt der Kurs einer Aktie, Anleihe oder Währung keine Gnade.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Zunächst tat sich Paulson, exklusiv beraten von Alan Greenspan, dem legendären Präsidenten der Notenbank Fed, damit hervor, den Untergang des Euros vorherzusehen. Paulson hatte die Rechnung jedoch ohne den Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi gemacht. Der Hedgefondsmanager hatte auf den Niedergang der Kurse der europäischen Peripherieanleihen und des Euros gesetzt. Die Kurse stiegen aber kräftig, seit Draghi im Juli 2012 sagte, er werde alles für den Erhalt des Euros tun. Später schwenkte Paulson um, engagierte sich in griechischen Aktien und Staatsanleihen und spekulierte auf eine Rettung. Die Rettung ist noch im Gange, doch die Kurse griechischer Aktien liegen dennoch darnieder. Ein weiterer Hoffnungsträger des 59 Jahre alten Börsenstars war Puerto Rico. Doch auch das Land konnte das Vertrauen noch nicht rechtfertigen und blieb nun die Rückzahlung einer fälligen Anleihe schuldig.

          Paulsons Fonds sind hochspekulative Geldanlagen geworden

          Die Anlagevehikel seiner Gesellschaft Paulson&Co. seien wegen zahlreicher Wetten auf illiquide Investments zu risikoreich geworden, zieht die Bank of America einen Schlussstrich unter die abenteuerlichen Anlagen von Paulson. Dass nicht alles schiefgehen muss, zeigte zwar das Jahr 2013, als Paulson erfolgreich auf eine Konsolidierung der Telekommunikations-, Pharma- und Biotechnologiebranche spekulierte. Er gehörte mit einem Jahressalär von 2,3 Milliarden Dollar nochmals zu den Bestverdienern auf dieser Welt. Doch längst sind seine Fonds zur hochspekulativen Geldanlage geworden und haben Anlegern immer wieder erhebliche Verluste beschert. Neben Griechenland und Puerto Rico gingen zuletzt auch Spekulationen in der Ölbranche schief. Paulson hatte auf Übernahmen gesetzt, doch der fallende Ölpreis verhagelte die Rendite. Ähnlich unglücklich waren Engagements in Goldminenaktien wie Anglo Gold.

          Arm ist der auf einem großen Anwesen auf Long Island lebende Paulson trotz seiner zahlreichen Fehlspekulationen aber längst noch nicht. Erst kürzlich spendete er 400 Millionen Dollar an die Eliteuniversität Harvard, an deren Business School er einst studierte. Die Kraft der Weissagung hat er dort aber offenbar doch nicht erlangt. Die Musikszene spräche womöglich von einem One-Hit-Wonder.

          Weitere Themen

          Alle Macht dem Dax

          Reform an der Börse : Alle Macht dem Dax

          Die Deutsche Börse wagt den großen Wurf: Nach 33 Jahren soll der Dax von 30 auf 40 Mitglieder vergrößert werden. Was steckt dahinter – und wie kann ein Fall wie Wirecard künftig verhindert werden? Eine Analyse.

          Topmeldungen

          Der Kurs soll steigen: Kurve an der Deutschen Börse in Frankfurt.

          Reform an der Börse : Alle Macht dem Dax

          Die Deutsche Börse wagt den großen Wurf: Nach 33 Jahren soll der Dax von 30 auf 40 Mitglieder vergrößert werden. Was steckt dahinter – und wie kann ein Fall wie Wirecard künftig verhindert werden? Eine Analyse.

          Weihnachten, Silvester, Schule : Darauf haben sich die Länder geeinigt

          Die Ministerpräsidenten haben sich auf einheitliche Kontaktregeln zur Bekämpfung der noch immer zu hohen Corona-Infektionszahlen verständigt. Bis Weihnachten sollen strengere Regeln gelten, zu den Feiertagen werden sie dann gelockert.

          Machtwechsel in Amerika : Trumps kalkuliertes Ende

          Der scheidende Präsident kapituliert scheibchenweise. Es geht ihm um seinen künftigen Einfluss – und um viel Geld. Scheitert sein diabolischer Plan nun an der dilettantischen Ausführung?

          Messerschärfer im Test : Einfach mal schleifen lassen

          Messer müssen regelmäßig geschärft werden. Dabei müssen einige Regeln beachtet werden. Wem die Handarbeit zu mühsam ist, lässt sich am besten von elektrischen Messerschärfern helfen. Wie etwa dem von Wüsthof.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.