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Aufstieg der Entsorgerbranche : Der Müll der Welt als Geschäftsmodell

  • -Aktualisiert am

Wachsender Müllberg: Die Entsorgungswirtschaft profitiert Bild: dpa

Die Menschheit produziert immer mehr Müll. Dieser muss auch entsorgt werden, die Entsorgerbranche steht vor einem unaufhaltsamen Aufstieg. Davon können auch Investoren profitieren.

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          Müll gibt es immer - auch in Zeiten von Finanzkrisen und Rezession. Und je mehr sich die Konjunktur wieder erholt und je mehr der Lebensstandard in den Schwellenländern steigt, desto mehr Müll wird produziert, eingesammelt, sortiert, verwertet oder verbrannt. Der unaufhaltsame Zuzug der Bevölkerung in die riesigen Ballungszentren der Schwellenländer stellt die Regierungen dort vor die Herausforderung der Zukunft: Abfallbeseitigung und Verwertung, Versorgung mit sauberem Wasser, Entsorgung des elektronischen Mülls, Gewinnung von Sekundärrohstoffen und letztlich die Drosselung von Verpackung und Müll. Für Anleger wird die Branche immer interessanter, da sich der Staat die Müllentsorgung immer weniger leisten kann und die Dienste sukzessive privatisiert werden.

          Wer zum Beispiel in Deutschland die international vorbildliche Müllentsorgung erlebt, kann kaum erahnen, was für eine gigantische Aufgabe den Schwellenländern bevorsteht. Noch konsumiert die Bevölkerung der OECD-Länder am meisten auf der Welt, und noch fällt in den OECD-Ländern der meiste Müll an. Aber in 15 Jahren wird sich das Bild dramatisch verändert haben. Nach Daten der Weltbank und der Bank of America Merrill Lynch fielen im Jahr 2010 weltweit etwa 3,5 Millionen Tonnen Müll am Tag an, davon allein in den OECD-Ländern 1,56 Millionen Tonnen. Im Jahr 2025 wird sich der täglich produzierte Müllberg auf 6 Millionen Tonnen fast verdoppelt haben, weil sich der Abfall der rasant wachsenden Metropolen in den Schwellenländern in dieser Zeit verdoppeln, teilweise gar verdreifachen wird.

          Investoren müssen sorgfältig auswählen

          Weltweit werden derzeit nur 25 Prozent des Mülls verwertet, und zwar nur 7 Prozent des Industriemülls, 10 Prozent des Abfalls der Kommunen und 15 Prozent des elektronischen E-Mülls. Dabei steckt in der Verwertung von Müll im Zweifel viel Geld: Im vergangenen Jahr hat die Menschheit nach einer Datensammlung von Merrill Lynch 404 Millionen Computer, 103 Millionen Tablets, 254 Millionen Fernseher und knapp 1,6 Milliarden Mobiltelefone gekauft. Das Recycling einer Million Mobiltelefone kann etwa 24 Kilogramm Gold, 250 Kilogramm Silber, 9 Kilogramm Palladium und 9 Tonnen Kupfer produzieren. Jährlich werden indessen etwa 20 bis 50 Millionen Tonnen E-Müll weggeworfen.

          Wer als Investor von dem langfristigen Wachstumspotential der Branche profitieren will, muss freilich sorgfältig auswählen: die Branche ist sehr abhängig vom Zusammenspiel des Staatssektors mit dem Privatsektor, von Konzessionen, die Branche ist sehr fragmentiert, der Erfolg der Unternehmen hängt stark von technischer Expertise ab, die rechtlichen Vorschriften sind komplex und regionale Präsenz der Unternehmen ist mehr als in vielen anderen Branchen gefragt. Zudem gibt es in dieser Branche sehr erfolgreiche Unternehmen wie die deutsche Remondis AG & Co KG aus Lünen, die ein Privatunternehmen ist und nicht an der Börse notiert ist. Gleichzeitig gibt es Private-Equity-Gesellschaften, welche die große Zukunft der Branche erkannt haben: So übernimmt die Private-Equity-Gesellschaft Triton Partners in diesen Tagen für 1 Milliarde Euro gerade die Tochtergesellschaft Befesa von dem spanischen Industriekonzern Abengoa. Befesa ist auf die Entsorgung von Industriemüll, vor allem Stahl- und Aluminiumresten spezialisiert.

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