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Anlegestratege Asoka Wöhrmann : „Wir sehen derzeit keine Deflationsgefahr“

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Chefanlagestratege Asoka Wöhrmann: Keine Deflationsgefahr. Bild: Schmitt, Felix

Der Anlagestratege der Deutschen Asset & Wealth Management über den Ölpreis, die Schweizer Notenbank und die Vorfreude auf Staatsanleihekäufe durch die EZB.

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          Herr Wöhrmann, an den Märkten gibt es derzeit viel Gesprächsstoff unter anderem wegen des Schweizer Franken und den geplanten Anleihekäufen der Europäischen Zentralbank. Ändert sich dadurch Ihre Sicht auf das Jahr 2015?

          Nein. Wir gehen unverändert von einer moderaten Aufwärtsbewegung der Weltkonjunktur und der Finanzmärkte aus. Wir haben schon vor einiger Zeit für 2015 eine größere Volatilität an den Finanzmärkten prognostiziert. Diese Volatilität sehen wir nun.

          Was bedeutet der Paukenschlag der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von letzter Woche?

          Es hat sich gezeigt, dass auch eine Institution wie die SNB in einem Umfeld hoher geopolitischer Nervosität und angesichts einer möglichen Abwertung des Euro in ihren geldpolitischen Entscheidungen zunehmend fremdbestimmt wurde. Der überraschende Schritt, den Wechselkurs wieder dem Markt zu überlassen, ist ein Befreiungsschlag, allerdings mit einem hohen Preis: Die Vorgehensweise war alles andere als elegant, das Vertrauen in die Nationalbank wurde erschüttert. Zudem könnte das Prinzip der „forward guidance“ der anderen großen Zentralbanken in Zukunft angezweifelt werden.

          Eine der auffälligsten Entwicklungen der vergangenen Monate ist der dramatische Verfall des Ölpreises. Wie lässt er sich erklären?

          Die Ölproduzenten mit den niedrigsten Kosten, allen voran Saudi-Arabien, zeigen angesichts der starken Zunahme der amerikanischen Ölproduktion jetzt ihre Überlegenheit in puncto Produktionskosten. Das hat viel von einem ölpolitischen Machtspiel. Man hat fast den Eindruck, die Vereinigten Staaten gehen in ihren zweiten Unabhängigkeitskampf – die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten vom arabischen Öl. Bei aller Kritik der amerikanischen Ölproduzenten darf man aber nicht vergessen: Erst jetzt wird der Ölmarkt von Angebot und Nachfrage bestimmt, was er nicht ist, wenn die Opec ihre Fördermengen künstlich niedrig hält.

          Welche Konsequenzen hat der sinkende Ölpreis?

          Der sinkende Ölpreis ist die beste Nachricht für die Konsumenten in der Welt, gerade auch für die Konsumenten in den Vereinigten Staaten und in den Schwellenländern. In Europa hingegen sorgt die hohe Mineralölsteuer dafür, dass die Benzinpreise nicht ganz so stark sinken. Auf der anderen Seite drohen aber auch Risiken, und zwar dadurch, dass die Einnahmeverluste in den finanziell und politisch labileren ölexportierenden Ländern zu gesellschaftlichen Unruhen führen könnten.

          Welche Bedeutung hat der sinkende Ölpreis und die dadurch weiter sinkende Inflationsrate für die Geldpolitik?

          In den Vereinigten Staaten wird diese Entwicklung als ein großes Problem für die Eurozone gesehen, weil man dort sinkende Preise mit Deflation und Depression verbindet. Nach unserer Ansicht dürfte die Inflationsrate zwar weiter sinken und mehrere Monate negativ bleiben. Wir sehen derzeit aber keine wirkliche Deflationsgefahr in Europa. Richtig ist: Inflation ist derzeit rund um den Globus kein Thema. Das gibt den Zentralbanken zusätzliche Möglichkeiten.

          Was sollte die Europäische Zentralbank tun?

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