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Asienfonds : Threadneedle setzt auf chinesische Nebenwerte

  • Aktualisiert am
Gigi Chan: „Es ist Detektivarbeit, Unternehmenszahlen zu überprüfen”
          4 Min.

          Die chinesischen Börsen sind in den vergangenen Jahren prima gelaufen. Alle Welt spricht von einer Spekulationsblase an den Börsen in Schanghai und Shenzhen. Es scheint also keine gute Zeit zu sein für einen neuen China-Fonds.

          Doch die Investmentgesellschaft Threadneedle, gerade von Feri als bestes Fondshaus ausgezeichnet (siehe
          Die besten Fondshäuser) sieht das anders: Der „Treadneedle China Opportunities Fund“ soll Anfang Juli in Deutschland zum Vertrieb zugelassen werden. In Großbritannien hat der Fonds inzwischen 23,6 Millionen Pfund eingesammelt.

          Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen

          „Es gibt gar nicht so viele reine China-Fonds in Europa“, sagte Fondsmanagerin Gigi Chan in dieser Woche bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Viele Fonds setzen auf 'Greater China', also neben Festland-China auch auf Taiwan und Hongkong.“

          Bild: Threadneedle

          Der „China Opportunities Fund“ macht einiges anders: Zum einen orientiert sich Chan an Investmentthemen. Der steigende Konsum spielt eine wichtige Rolle, außerdem die Infrastruktur, die Verstädterung oder der Trend zu mehr Outsourcing. Zum anderen setzt die gebürtige Hongkong-Chinesin stark auf kleine und mittelgroße Unternehmen des Festlandes - hier gibt es eine klare Übergewichtung im Vergleich zum MSCI China (siehe erste Grafik).

          „Viele Nebenwerte mit Bewertungsabschlag“

          Bei der Rally 2006 hätten vor allem die Standardwerte profitiert, weil internationale Investoren in erster Linie großkapitalisierte Werte gekauft hätten. „Viele Nebenwerte weisen deshalb einen Bewertungsabschlag auf“, ist Chan überzeugt. In diesem Segment gebe es noch viele „unentdeckte Unternehmen“. Besonders interessant findet sie Unternehmen, die Nischen gefunden haben, um nicht im starken Wettbewerb zerrieben zu werden.

          Nun weisen einige chinesische Aktien bekanntlich extrem hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) auf, besonders die A-Aktien an den Festlandsbörsen. Doch von einer generellen Überbewertung will Chan nicht sprechen: „Ein Blick auf das hohe Gewinnwachstum zeigt, dass die Bewertung nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis bei ausgewählten Nebenwerten noch nicht zu hoch ist. Wenn das KGV aber von 25 auf 50 hochschießt, weil der Kurs so stark gestiegen ist, verkaufe ich die Aktie sofort.“

          Profitabel mit geringstem Absatz

          Weitere Gründe sprechen ihrer Meinung nach für chinesische Nebenwerte. In etablierten Märkten gebe es viele kleine und mittlere Unternehmen schlechter Qualität. „Die sind aus gutem Grund nicht groß geworden“, sagt Chan. „Wenn sie besser wären, wären sie stärker gewachsen und keine 'Mid Caps' mehr.“ In China aber biete sich vielen zum ersten Mal die Chance, zu investieren. Die Small und Mid Caps seien noch klein, weil das Wachstum erst begonnen habe.

          Ein Beispiel sei Ports Design, eine Luxuskleidermarke, die bereits von Hollywoodstars getragen würde. Das KGV beträgt zwar stolze 28, was bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 30 Prozent jedoch vertretbar erscheint. Das Unternehmen sei sehr profitabel, obwohl es jeden Tag im Schnitt erst drei Kleidungsstücke pro Filiale verkaufe.

          Kleinanleger setzen auf „Rubbish“

          Viele chinesische Kleinanleger, die den jüngsten Börsenboom angefacht hätten, machten den Fehler, auf Unternehmen schlechter Qualität zu setzen, die Verluste erwirtschafteten. So sei auch zu erklären, dass diese Aktien in den vergangenen Monaten überproportional gewonnen hätten.

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