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Fondsmanager : Arm geboren, bessere Rendite

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Nicht aus der Armut aber aus soliden Verhältnissen zum Multimilliardär. Warren Buffett. Bild: dpa

Eine Studie untersucht den Zusammenhang von sozioökonomischer Herkunft und Anlageerfolg. Für Privatanleger könnte das wichtige Zusatzinformationen bieten.

          Warren Buffett ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung. Der 86 Jahre alte Starinvestor aus Omaha hat mit seinen Aktienanlagen und dem Kauf ganzer Unternehmen über einen langen Zeitraum besser abgeschnitten als der amerikanische Aktienindex S&P 500. Das gelingt den meisten Fondsmanagern an der Wall Street bekanntlich nicht. Buffett wurde auf diese Weise zum drittreichsten Mann der Welt und machte auch die frühen Anteilseigner seiner Anlagegesellschaft Berkshire Hathaway zu Millionären.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Eine erfolgreiche Karriere in der Finanzbranche schien vorgezeichnet. Denn Buffett stammt aus finanziell soliden Verhältnissen, auch wenn er als Kind Zeitungen austrug oder im Lebensmittelladen seines Großvaters aushalf. Buffetts Vater war Broker, selbständiger Anlageberater für Wertpapiere, hatte einen Universitätsabschluss und wurde viermal als Abgeordneter in das amerikanische Repräsentantenhaus gewählt. Damit gehörte die Familie Buffett klar zur oberen Mittelschicht des ländlich geprägten Bundesstaates Nebraska.

          Der Anlageerfolg eines Mannes mit einem sozioökonomischen Hintergrund wie Buffett ist aber dennoch ungewöhnlich. Nach einer aktuellen akademischen Studie schneiden Fondsmanager, die aus vermögendem Elternhaus stammen, nämlich insgesamt deutlich schlechter ab als Kollegen, die in ärmlichen Verhältnissen groß geworden sind. Der Grund: „Manager, die arm geboren wurden, sind in der Vermögensverwaltungsbranche mit größeren Einstiegshürden konfrontiert, und nur die Qualifiziertesten haben Erfolg“, schreiben Oleg Chuprinin von der australischen University of New South Wales und Denis Sosyura von der amerikanischen University of Michigan.

          Entsprechend würden reich geborene Fondsmanager eher befördert. Konkurrenten aus armen Verhältnissen kämen dagegen nur weiter, wenn sie mehr leisteten. In anderen Worten: Wer aus einem reichen Elternhaus stammt, profitiert von seinem ererbten Status, dem vorhandenen Vermögen, der guten Ausbildung in privaten Schulen und Universitäten sowie den daraus resultierenden beruflichen Netzwerken. Wer sich dagegen in schlechten öffentlichen Schulen durchbeißen muss und auf Stipendien angewiesen ist, muss früh Höchstleistungen erbringen, um überhaupt eine Karrierechance zu bekommen.

          Die meisten in der Studie untersuchten Fondsmanager stammten erwartungsgemäß aus vermögenderen und gebildeten Schichten. Die durchschnittlichen Einkommen der Väter lagen nahezu im obersten Zehntel der allgemeinen Einkommensverteilung der amerikanischen Bevölkerung. Die Väter gingen dazu länger auf die Universität, und die Häuser der Eltern waren oft viel mehr wert als andere Immobilien in der gleichen Region.

          "Familiäre Abstammung als Signal von Managementqualität"

          Das Ergebnis der Studie war für die Sprösslinge dieser Elite dennoch ernüchternd. Die von Fondsmanagern aus dem vermögendsten Fünftel erzielten Ergebnisse lagen auf Basis des Alphafaktors um mehr als 2 Prozentpunkte im Jahr unter denen des ärmsten Fünftels. Der Alphafaktor misst die Über- oder Minderrendite einer Anlage gegenüber einem Vergleichswert.

          Für die 51-Seiten-Studie mit dem Titel „Familiäre Abstammung als Signal von Managementqualität: Belege von Investmentfonds“ untersuchten die beiden Wissenschaftler Daten amerikanischer Fondsmanager von 1975 bis 2012, darunter deren Ausbildung und Karriereschritte. Diese Daten, die von verschiedenen Informationsdiensten wie Morningstar stammen, wurden schließlich mit Informationen zum familiären Hintergrund der Fondsmanager aus der alle zehn Jahre stattfindenden amerikanischen Volkszählung angereichert. Dazu gehören das Haushaltseinkommen der Familie, der Wert des Elternhauses, die Bildung der Eltern, alles Informationen, die sozialen und wirtschaftlichen Status bestimmen.

          Da persönliche Daten aus den Volkszählungen erst nach 72 Jahren veröffentlicht werden, stammten die aktuellsten Informationen aus der Volkszählung von 1940. Die Studie beschränkt sich daher auf Fondsmanager, die vor 1946 geboren sind. Das mag veraltet scheinen, aber immerhin ist auch Buffett Jahrgang 1930. Letztlich kamen für die Studie 267 Fondsmanager in Frage, die jeweils allein für 482 einzelne Investmentfonds zuständig waren. Untersucht wurden zudem nur Aktienfonds, die über die Zeitspanne der Studie mehr als 10 Millionen Dollar verwalteten.

          Die Studie könnte Privatanlegern, die sich nicht mit Fonds bescheiden wollen, die einfach einen Index abbilden, Hilfestellung bei der Auswahl von Fondsmanagern geben. Allerdings stellt sich das Problem, dass Informationen über den familiären Hintergrund von Fondsmanagern in der Regel nicht bekannt sind. So gibt es, abgesehen von ihrer Ausbildung und ihrer beruflichen Laufbahn, auch nur wenig persönliche Informationen über die zwei ehemaligen Hedgefondsmanager Todd Combs und Ted Weschler, die Buffett als Chefanleger von Berkshire Hathaway nachfolgen sollen.

          Über das Elternhaus der beiden und auch das der meisten anderen Fondsmanager ist nichts öffentlich bekannt. Aber möglicherweise ändert sich das, falls die Studie von Chuprinin und Sosyura an der Wall Street auf Interesse stößt. Dann werden die Marketingfachleute von Fondsgesellschaften vielleicht nicht mehr nur mit den Renditen der Vergangenheit werben, die sowieso keinen Erfolg in der Zukunft garantieren. Möglicherweise steht im Lebenslauf von vereinzelten Fondsmanagern irgendwann nicht mehr nur der Abschluss einer Eliteuniversität, sondern auch „geboren in der Bronx“.

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