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Anselm Grün: Mönch und Vermögensverwalter : "Zehn Prozent Rendite sollten schon rausspringen"

  • Aktualisiert am

Erliegen Sie nie dem Reiz der Börse, werden übermütig, gierig?

Nein. Man braucht eine innere Distanz zum Geld, sonst macht man Fehler. Das kann ich mir nicht erlauben. Allein von dem, was unsere Hände erwirtschaften - also Bäckerei, Schmuckatelier, Verlag und Landwirtschaft - können wir nicht leben. Wenn ich Fehler mache, prügeln hier alle auf mich ein: Wie konntest du bloß? Das schmerzt, ist aber in Ordnung.

Was sind Ihre Vorgaben für die Rendite?

Ich habe keine Vorgabe. Eine Rendite von sechs bis zehn Prozent sollte allerdings herausspringen.

Sehr ehrgeizig, schaffen Sie das?

In der Regel, ja. Aber wie gesagt, es gibt Ausnahmen.

Wo investieren Sie derzeit?

Vor allem im deutschsprachigen Raum und einen Teil in den Bric-Staaten, Brasilien, Russland, China, Indien. Ich splitte - 60 Prozent Anleihen, 40 Prozent Unternehmensaktien, teils über Fonds. Zudem Rohstoffe jeglicher Art.

Sie horten Goldbarren?

Nein, echtes Gold haben wir nur ein paar uralte, stille Reserven, ich weiß gar nicht, von wann. Die werden wir nie verkaufen. Aber über Fonds investiere ich in Edelmetalle, in Agrarrohstoffe, Industriemetalle und Energie.

Erneuerbare Energien?

Da wäre ich vorsichtig. Viele Unternehmen gehen mit den Prädikaten hausieren, können aber nicht sinnvoll mit Geld umgehen, da werde ich fuchsig. Ich habe mit einem Klimawandel-Fonds viel Geld verloren. Auch bei den Ökofonds überzeugt mich vieles nicht.

Der Dax ist rasant gestiegen. Kann man jetzt noch einsteigen?

Am besten sucht man sich überzeugende Einzelwerte heraus.

Was springt Sie gerade an?

Qiagen. Der Pharmahersteller ist, glaube ich, sehr interessant.

Vermeintlich sichere Staatsanleihen meiden Sie, nach Ihrem Argentinien-Fiasko?

Generell ja, nur bei Griechenland bin ich kürzlich eingestiegen. Die Anleihe läuft bis 2013, bis dahin ist das Geld durch den Rettungsschirm garantiert.

„Sie Spekulant!“, werden jetzt einige rufen.

Vermutlich, ja. Aber ich spekuliere nicht auf den Bankrott des Landes. Das würde ich nie tun. Ich halte mich an ethische Standards, investiere nicht in Rüstungsanleihen. Aber Purist kann man angesichts der Verflechtungen, die es weltweit gibt, nicht sein. Natürlich habe ich Siemens im Portfolio, BASF und Daimler. Ebenso chinesische Firmen, obwohl ich sehe, dass dort in Sachen Menschenrechte Nachholbedarf besteht.

China ist auch für Sie spannend?

Sehr, ich setze allerdings nur auf Fonds. Einzelwerte traue ich mir in Asien nicht zu, dazu kenne ich mich nicht gut genug aus. Obwohl, es gibt eine Ausnahme: Ich habe Aktien einer Fluggesellschaft: Cathay Pacific in Hongkong.

Warum das?

Das war ein Glücksgriff. Ich bin mit denen nach Taiwan geflogen zu einer Vortragsreise - 18 Vorträge in acht Tagen. Die Fluggesellschaft erschien mir topp. Kurz darauf wurde sie in meinem Börsenbrief empfohlen.

Und?

Die Aktie hat sich traumhaft entwickelt.

Sie sind ein gefragter Redner, haben 18 Millionen Bücher verkauft. Wann kommt Ihr neues?

Im Februar. „Ich bin müde“ heißt es.

Sie sind müde?

Nein, ich kenne nur eine gesunde Müdigkeit, wenn ich nachts nach einem Vortrag ins Kloster zurückkehre. Ich schreibe über eine andere Müdigkeit. Die der Manager, wenn sie meinen, nichts mehr bewegen zu können, und die der Jungen, die schon matt sind, bevor sie etwas geleistet haben.

Womit verdienen Sie mehr Geld: mit Geldanlage oder Büchern?

Ich sage es nur ungern: Natürlich mit der Geldanlage.

Der Mönch als Investor

Pater Anselm Grün wurde am 14. Januar 1945 geboren. Wilhelm Grün, so sein bürgerlicher Name, trat nach dem Abitur dem Benediktinerorden in der Abtei Münsterschwarzach bei. Der promovierte Theologe, der auch Philosophie und Wirtschaft studiert hat, führt seit 1977 die Betriebe des Klosters. Er hat 300 Bücher geschrieben und ist einer der meistgelesenen christlichen Autoren der Gegenwart.

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