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Anleihen und Zertifikate : Sicherer als Aktien

Schwein hat man mit Aktien nicht immer. Wer auf Nummer Sicherer gehen will, kauft Anleihen und Zertifikate Bild: dpa

Die Märkte sind nervös, die Fachleute ratlos wie selten. Jetzt ist es Zeit für Strategien, mit denen das Vermögen geschützt wird. Und die trotzdem Rendite bringen.

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          So uneinig waren sich die Börsenkenner selten: Fallen die Aktienkurse bald weiter oder ziehen sie wieder nach oben? Was macht die Weltkonjunktur, bricht sie zusammen oder erweist sie sich als stabiler, als alle erwarten? Die Anleger kommen derzeit zu keiner klaren Einschätzung, es gibt nicht mal eine deutliche Mehrheit für eine Prognose.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Chef-Analyst Claus Vogt von der Quirin Bank zum Beispiel ist davon überzeugt, dass die Vereinigten Staaten gerade auf eine Rezession zusteuern. Baugenehmigungen, Arbeitslosigkeit, Verbraucherstimmung - viele wichtige Konjunkturdaten deuteten schon auf schlechte Zeiten in der Zukunft hin. Dann machen die Firmen kleinere Gewinne, und die Börsenkurse sinken. Und zwar vermutlich nicht nur in Amerika, sondern auch in vielen Ländern. Zwar gehe es den Schwellenländern wie China noch gut. "Aber Chinas Wirtschaft ist gerade mal so groß wie die von Deutschland. Und es erwartet ja auch niemand von Deutschland, dass es die Weltwirtschaft rettet."

          Nur Optimisten erwarten 8.600 Dax-Punkte

          Aber die amerikanische Zentralbank werde gegensteuern, erwartet dagegen Anlagestratege Hans-Jürgen Delp bei der Commerzbank. Sie werde rechtzeitig die Leitzinsen senken. Das bringt billigeres Geld als Schmierstoff der Wirtschaft auf den Markt. "Kurzfristig ist es schwer zu sagen, welche Tendenz die Aktienmärkte einnehmen", sagt Delp. "Unser Basisszenario ist, dass wir die Rezession knapp vermeiden und darum wieder steigende Aktienkurse sehen." Im ersten oder zweiten Quartal 2008 könne es so weit sein. Große Optimisten wie Gertrud Traud bei der Landesbank Hessen-Thüringen halten im kommenden Jahr trotz Risiken einen neuen Dax-Rekord von 8600 Punkten für möglich.

          Dass die Anleger unsicher sind, spiegelt sich in den Kursen wider: Seit Juli geht es mal runter, mal wieder hoch und dann wieder ein Stück nach unten. Der Trend, der eigentlich der Freund des Anlegers sein sollte, ist verschwunden.

          Abwarten, bis die Richtung klarer wird

          Da bleibt dem Privatanleger nur abzuwarten, bis die Richtung klarer wird: mit Geldanlagen, die das Kapital weitgehend schützen, wenn die Kurse in die Knie gehen, aber trotzdem noch größere Chancen auf Rendite versprechen als das Tagesgeldkonto.

          Bonuszertifikate seien dafür zum Beispiel gut geeignet, findet Zertifikate-Fachmann Dirk Heß von der Investmentbank Goldman Sachs. Diese Wertpapiere beziehen sich immer auf einen sogenannten "Basiswert", zum Beispiel auf eine einzelne Unternehmensaktie oder auf einen Index. Anleger bekommen die volle Kurssteigerung dieses Basiswerts. Und wenn dessen Kurs fällt, ist das nicht gleich dramatisch. Denn zum Ende der Laufzeit gibt es für das Zertifikat einen garantierten Mindestbetrag und damit eine garantierte "Bonusrendite" - vorausgesetzt, der Basiswert ist die ganze Zeit über einer bestimmten Schwelle geblieben. Wenn der Kurs diesen Puffer nur einmal ausschöpft, ist der garantierte Mindestbetrag dahin und das Bonuszertifikat entwickelt sich genauso weiter wie der Basiswert.

          Große Puffer für unsichere Zeiten

          In unsicheren Zeiten sind dabei besonders große Puffer wichtig. Mit 40 bis 50 Prozent Luft nach unten können Anleger sich ihres Bonus aber einigermaßen sicher sein, glaubt zum Beispiel Hans-Jürgen Delp von der Commerzbank: "Wir erwarten nicht, dass Dax oder Euro Stoxx mehr als die Hälfte verlieren."

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