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Anleihemarkt : Pimcos Wette gegen Staatsanleihen geht nicht auf

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Fondsmanager Bill Gross befindet sich in diesem Jahr nur noch im Mittelfeld der Branche - doch er zeigt sich zufrieden mit der Leistung von Pimco. Es wäre nicht das erste Mal, dass Gross Kursverluste erfolgreich ausgleichen könnte.

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          Die große Wette des prominenten Fondsmanagers Bill Gross gegen amerikanische Staatsanleihen geht bislang nicht auf. Gross hatte im Februar alle amerikanischen Staatspapiere im Pimco Total Return Fonds, dem größten Rentenfonds der Welt, verkauft und damit an der Wall Street für hohe Aufmerksamkeit gesorgt. Die Staatsanleihen im Wert von 28 Milliarden Dollar entsprachen damals rund 12 Prozent des gesamten Anlagevolumens. Gross beließ es nicht bei der simplen Trennung von den Papieren. Er ging danach auch Positionen ein, mit denen er auf fallende Preise setzte. Deren Anteil hat er zuletzt auf 4 Prozent seines Portfolios erhöht.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die Preise amerikanischer Staatsanleihen sind seit Beginn der Wette allerdings deutlich gestiegen. Die Rendite von Papieren mit einer Laufzeit von zehn Jahren, die sich gegensätzlich zum Preis entwickelt, beträgt derzeit 3 Prozent. Im Februar hatte sie noch bei 3,8 Prozent gelegen.

          Nur noch im Mittelfeld

          Für den Total Return Fonds der Rentenfondsgesellschaft, die zum Münchner Versicherer Allianz gehört, resultierte das zuletzt in ungewöhnlich schwachen Ergebnissen. Im Mai war der Anteilspreis des Fonds nach Angaben des Informationsdienstes Morningstar nur um 0,56 Prozent gestiegen. Damit befand sich der Fonds im schwächsten Zehntel seiner vergleichbaren Konkurrenten, deren Anteilspreise durchschnittlich um 1 Prozent geklettert waren. Seit Anfang des Jahres befindet sich der Pimco Total Return nur im Mittelfeld der Branche. Langfristig, auf Sicht von 5 bis 15 Jahren, zählt der Pimco Total Return aber weiterhin zu den besten der Branche.

          Gross, den Morningstar jüngst zum besten „Rentenfondsmanager des Jahrzehnts“ gekürt hatte, erwartet seit geraumer Zeit, dass nervöse Marktteilnehmer wegen der amerikanischen Staatsverschuldung massiv Anleihen verkaufen werden. Zudem wird Ende Juni ein Stützungsprogramm der Notenbank Fed auslaufen. Die Fed hatte amerikanische Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar gekauft, um die Zinsen niedrig zu halten. Gross hält die Preise für Anleihen wegen des Kaufprogramms für künstlich überhöht. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen war in der vergangenen Woche nach unerwartet schwachen amerikanischen Konjunkturdaten zeitweise unter 3 Prozent gerutscht. Der Häusermarkt, der im Zentrum der jüngsten Finanzkrise stand, präsentiert sich fortgesetzt schwach, und zudem war im Mai die Arbeitslosenquote wieder gestiegen.

          Für Gross wäre aber nur eine neuerliche Rezession ein möglicher Anlass, seine negative Haltung zu Staatsanleihen zu revidieren. „Vielleicht die einzige Rechtfertigung für eine weitere Markterholung wäre ein schwaches Wirtschaftswachstum oder eine zukünftige Rezession, was die Inflation oder Inflationserwartungen deutlich senken würde“, hatte Gross vor einem Monat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters gesagt. Damals lag die Rendite zehnjähriger Anleihen bei rund 3,15 Prozent. In seinem Anfang Juni veröffentlichten Marktbericht deutete Gross jedoch keine Meinungsänderung an. Die Preise von Staatsanleihen befänden sich nahe dem „Siedepunkt“, schrieb Gross.

          Geringe Chancen - „aber es ist möglich“

          Andere Fondsmanager halten einen weiteren Preisanstieg bei Staatsanleihen wegen der konjunkturellen Schwächephase allerdings nicht für ausgeschlossen. Dan Fuss, Rentenfondsmanager beim großen Vermögensverwalter Loomis Sayles, schließt einen Renditerückgang bei zehnjährigen Papieren bis auf 2,5 Prozent nicht aus - das wären 0,5 Prozentpunkte unterhalb des aktuellen Niveaus. „Ich betone, dass ich dem geringe Chancen einräume, aber es ist möglich“, sagte Fuss. Fondsmanager Bret Barker von der kalifornischen Fondsgesellschaft TCW hält eine Rendite um 2,75 Prozent für plausibler. Ein Renditeniveau um die 2,5 Prozent habe es zuletzt vor den Anleihekäufen der Fed im Oktober 2010 gegeben, als der Markt ein abermalige Rezession und Deflation, also einen Preisverfall für Waren und Dienstleistungen, fürchtete. „Wir halten Deflation und eine Rezession mit zwei Talsohlen aber für wenig wahrscheinlich“, sagte Barker gegenüber Reuters.

          Gross äußerte sich in seinem jüngsten Marktbericht trotz der Untergewichtung von amerikanischen Staatsanleihen zufrieden mit der Leistung von Pimco in diesem Jahr. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass Gross Kursverluste erfolgreich ausgleichen könnte. Pimco hatte nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ mehr als 3,4 Milliarden Dollar Verlust mit Anleihen der im Jahr 2008 zusammengebrochenen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers gemacht. Der Total Return gehörte im Krisenjahr 2008 dennoch zu den besten Fonds - die Gewinne machte Gross damals hauptsächlich mit Wetten auf steigende Preise amerikanischer Staatsanleihen.

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