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Anleihemarkt : Pimco trennt sich von amerikanischen Staatsanleihen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Total Return Fund der kalifornischen Gesellschaft Pimco, der größte Rentenfonds der Welt, hat sich von allen Beteiligungen an amerikanischen Staatsanleihen getrennt. Auch Chinesen sollen angeblich keine Bonds mehr kaufen.

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          Der größte Rentenfonds der Welt, der Total Return Fund der kalifornischen Gesellschaft Pimco, hat sich von allen Beteiligungen an amerikanischen Staatsanleihen getrennt. Das berichten amerikanische Medien. Auch die Chinesen sollten aufhören, amerikanische Staatsanleihen zu kaufen, forderte Yu Yongding, ein früherer wichtiger Berater der chinesischen Zentralbank. „Vielleicht ist es zu spät, etwas an den Beständen zu verändern, ohne ernsthafte politische und finanzielle Rückschläge in Kauf nehmen zu müssen“, schrieb Yu in einem am Donnerstag veröffentlichten Marktkommentar. Aber China sollte wenigstens aufhören, neue Positionen aufzubauen. Wären die Vereinigten Staaten in der Euro-Zone, hätten sie schon eine Staatspleite oder Rettung durch die anderen Mitgliedstaaten hinter sich, hieß es. Nach der amerikanischen Zentralbank Fed ist China der größte Gläubiger Amerikas.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Pimco, die zum Münchner Allianz-Konzern gehört, hielt zuletzt amerikanische Staatsanleihen im Wert von 28 Milliarden Dollar. Das entsprach rund 12 Prozent des gesamten Anlagevolumens von 237 Milliarden Dollar im Total Return Fund. Fondsmanager Bill Gross reagiert damit auf das von ihm erwartete Ende staatlicher Stützungsprogramme. Die Notenbank Fed wollte mit dem laufenden Ankauf von Staatsanleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar die Zinsen niedrig halten, um einen Konjunkturaufschwung zu beflügeln. Dieses Programm läuft im Juni aus. Die Fed wird wahrscheinlich beim nächsten Treffen des Offenmarktausschusses, der die Zinspolitik festlegt, eine mögliche Verlängerung des Kaufprogramms debattieren.

          Stützungsfaktor für den Markt

          Gross wettet nun darauf, dass die Renditen der Staatsanleihen steigen werden, wenn die Fed keine Papiere mehr erwirbt. Da sich die Preise von Anleihen gegenläufig zu den Renditen bewegen, wären Kursverluste die Folge. Am Anleihemarkt, wo die Strategien von Pimco stark beachtet werden, gab es allerdings keine negative Reaktion auf die Nachrichten aus Kalifornien. Im Gegenteil: Die Preise von Staatsanleihen stiegen. Derzeit rentierten staatliche Papiere mit einer Laufzeit von 10 Jahren bei 3,45 Prozent. Die Renditen haben seit vergangenem Oktober angesichts der konjunkturellen Erholung schon um mehr als einen Prozentpunkt zugelegt.

          Als Stützungsfaktor für den Markt galt in dieser Woche eine robuste Nachfrage bei der Auktion zehnjähriger Staatsanleihen. Das Finanzministerium versteigerte Anleihen verschiedener Laufzeiten im Volumen von rund 108 Milliarden Dollar.

          Am Anleihemarkt war ohnehin mit einem Verkauf von Staatsanleihen durch Pimco gerechnet worden, weil Gross das seit Monaten angekündigt hatte. Bei einem Treffen des Anlageausschusses von Pimco im Januar stimmten die Fondsmanager überein, dass nervöse Marktteilnehmer wegen der wachsenden Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten massiv Anleihen verkaufen werden, sobald das ein stärkeres Thema in den Medien würde. „Investoren wie wir verkaufen schon jetzt“, sagte Gross damals einer Nachrichtenagentur. Gross bezeichnete die Preise für Anleihen wegen der Kaufprogramme als künstlich überhöht. Er schätzt, dass die Renditen ohne den Eingriff der Fed um bis zu 1,5 Prozentpunkte höher liegen würden.

          Andere große Investoren haben in den vergangenen Monaten eine andere Strategie als Gross bei Staatsanleihen verfolgt. „Wir haben zuletzt bei nachgebenden Preisen gekauft“, sagte kürzlich Rick Rieder, der die Anlage in festverzinslichen Papieren beim großen Pimco-Konkurrenten Blackrock verantwortet. „Ich glaube nicht, dass es einen starken Anstieg der Renditen von Staatsanleihen geben wird, da wir nicht das gleiche Inflationsniveau in Amerika erwarten wie in vielen anderen Industriestaaten“, sagte Rieder. Auch der Vorstandsvorsitzende des großen Rückversicherers Munich Re, Nikolaus von Bomhard, äußerte sich gelassen. „Wir haben keine Sorge, dass die Renditen der Staatsanleihen steigen werden. Wir werden nicht reagieren“, sagte von Bomhard am Rande der Bilanzkonferenz der Munich Re. Der Rückversicherer hält amerikanische Staatsanleihen im Volumen von 13 Milliarden Euro.

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