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Anlegerstudien : Bankberatung bringt nichts außer Kosten

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Bild: ddp

Die Deutschen gehen lieber zum Zahnarzt als zum Bankberater. Das muss aber nicht schlecht sein. Eine Untersuchung zeigt, dass Anleger, die sich beraten lassen, nicht mehr Rendite erzielen, als die, die sich nicht beraten lassen.

          Die Deutschen gehen lieber zum Zahnarzt als zu ihrem Bankberater. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kam der Fondsbranchenverband BVI in einer repräsentativen Umfrage, die er vor wenigen Tagen veröffentlichte. 88 Prozent der Befragten vereinbaren demnach regelmäßig einen Termin beim Zahnarzt, dagegen gerade einmal elf Prozent bei ihrem Bank- oder Finanzberater.

          Das hört sich dramatisch an, muss allerdings nicht schlecht sein. Denn eine Untersuchung von Forschern der Goethe-Universität Frankfurt am Main gemeinsam mit der Universität Neapel liefert verblüffende Erkenntnisse über den Nutzen von herkömmlichen Beratungsangeboten für private Anleger.

          Anlageberater korrigieren keine Fehler und sorgen für hohe Kosten

          Die Professoren Andreas Hackethal, Michael Haliassos und Tullio Jappelli fanden heraus, dass sich die Werte der Depots von Anlegern, die professionelle Beratung in Anspruch nahmen, nicht besser entwickelten als die vergleichbarer Anleger, welche sich nicht beraten ließen und die ihre Gelder auf eigene Faust investierten. Sie haben dazu in einer umfangreichen Studie Kundendaten von einer großen deutschen Bank sowie einem großen Online-Broker mit angeschlossenen unabhängigen Finanzberatern untersucht.

          „Die Ergebnisse lassen sich darauf zurückführen, dass die Berater die systematischen Anlagefehler ihrer Kunden nicht ausreichend korrigieren und häufig auch höhere Kosten produzieren“, erklärt Hackethal. Die Studie identifiziert als Hauptursache für die Ergebnisse eine falsche Anreizstruktur. Für Anlageberater steht der Kundennutzen nicht an oberster Stelle. Vielmehr ist es für sie attraktiver, durch den Verkauf von Anlageprodukten an den damit verbundenen Provisionen zu verdienen. So zeigt die Untersuchung zum Beispiel, dass Kunden nach einer Beratung deutlich mehr Umschichtungen an ihrem Depot vornehmen - mit entsprechenden Verwaltungskosten - als Kunden, die ihr Depot selbst verwalten. Ein anderes Forschungspapier aus dem House of Finance belegt, dass Anleger, die sich eng an die Empfehlungen ihrer Bankberater halten, der entsprechenden Filiale zu 20 Prozent höheren Einnahmen verhelfen.

          Die Mehrheit der Privatanleger meidet die Anlageberatung

          Ob eine staatliche Regulierung der Anlageberatung Privatanlegern zu mehr Rendite in ihren Depots verhülfe, ist fragwürdig. Denn ein weiteres Forschungspapier aus dem House of Finance zeigt, dass viele Kunden selbst qualifizierte Beratungsangebote meiden und lieber auf ihr eigenes, im Durchschnitt aber mäßiges Anlagegeschick vertrauen. Die Studie zeigt, dass 95 Prozent aller Anleger das Angebot einer kostenlosen, unabhängigen und konfliktfreien Anlageberatung - der Berater hatte hier keinen finanziellen Anreiz, bestimmte Produkte zu empfehlen - nicht wahrnehmen. Von den restlichen fünf Prozent setzt nur etwa die Hälfte die gegebenen Empfehlungen um, obwohl sie zu einer verbesserten Renditeentwicklung geführt hätten.

          Eine Regulierung, die ausschließlich auf der Angebotsseite von Anlageberatung ansetzt, ohne die beschriebenen Probleme auf der Nachfrageseite zu berücksichtigen - wie etwa die ab Juli einzuführenden Produktinformationsblätter -, könnte damit ihr Ziel verfehlen, heißt es weiter. Die Untersuchungen zeigten zudem, dass überwiegend ältere, wohlhabendere und erfahrenere Anleger Berater aufsuchten. Finanzberatung richte sich in diesem Sinne nur bedingt an unerfahrene und deshalb besonders schützenswerte Anleger.

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