https://www.faz.net/-gv6-qzm7

Anlegerschutz : Amerikanische Börsenaufsicht kämpft gegen verdrehte Berichte

  • Aktualisiert am

Zahlen allein geben Aktionären keinen umfassenden Einblick in ein Unternehmen. Ein paar Erläuterungen tun gut. Doch allzu oft werden dabei die Dinge etwas verdreht. Dagegen geht die amerikanische Börsenaufsicht derzeit verstärkt vor.

          5 Min.

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat am 23. August 2005 gegen zwei ehemalige Top-Manager der Kmart Group schwere Anschuldigungen erhoben. Die Kommission fordert Strafzahlungen in noch nicht festgelegter Höhe sowie den generellen Ausschluß der beiden Manager von Führungspositionen in börsennotierten Unternehmen. Nicht wegen gefälschter Zahlen - sondern wegen irreführender Erläuterungen.

          Geschäftsführer Charles C. Conaway und der damalige Leiter der Finanzabteilung John T. McDonald sollen in den Quartalsberichten 2001 die Finanzlage des Einzelhandelskonzernswerden irreführende erläutert haben. Die Anwälte von Conaway und McDonald weisen im Namen ihrer Klienten allerdings die Anschuldigungen zurück.

          Probleme im Vorfeld des Konkurses verschleiert

          Die Zivilklage der SEC gegen Conaway und McDonald belegt, daß die Börsenaufsicht strikt die Absicht verfolgt, dem im Abschnitt „Management's discussion and analysis“ (MD&A) in Quartals- und Jahresberichten gerne praktizierten Schönreden von Tatsachen endlich einen Riegel vorzuschieben. Mehrere hundert Unternehmen haben bereits Mahnbriefe erhalten, dort nichts als die ungeschminkte Wahrheit zu berichten. Die Unternehmensberichte seien schließlich dazu da, all die Aspekte zur Diskussion zu stellen, die sich hinter den reinen Zahlen verbergen.

          Außerdem sollten vor allem die Faktoren dargestellt werden, die die Finanzlage des Unternehmens erheblich beeinflussen könnten. Leider, so die Überzeugung der SEC, präsentierten immer noch zu viele Unternehmen ihren Aktionären ein viel zu knappes und verzerrtes Bild der aktuellen Geschäftslage.

          Im Fall von Kmart begründeten die damaligen Manager einen hohen Lagerüberschuß mit „saisonalen Schwankungen“. Tatsächlich verschleierten sie damit massive ungenehmigte Käufe einer Top-Führungskraft, so die SEC. Außerdem moniert die Börsenaufsicht, Conaway und McDonald hätten nicht wahrheitsgemäß darüber berichtet, warum die Zahlungen an Lieferanten verzögert wurden. Genausowenig hätten sie offengelegt, welchen Einfluß diese Liquiditätskrise letztlich auf die Beziehungen zu den Zulieferern gehabt habe.

          Dies wird im Zusammenhang mit dem Konkurs angemeldet, den Kmart im Jahr 2002 erklären mußte. Nach Sanierungsmaßnahmen und der Übernahme von Sears, Roebuck & Co. im vergangenen März firmiert das Unternehmen heute als Sears Holding.

          Die Fälle Coca-Cola & Global Crossing

          Irreführende Aussagen im Abschnitt MD&A der Unternehmensberichte standen auch im Zentrum der Klagen, die die SEC im vergangenen April gegen Coca-Cola und Global Crossing erhoben hat. Ohne damit Schuld einzugestehen oder abzustreiten, hat Coca-Cola daraufhin Strafzahlungen geleistet. Anlaß war die Beschuldigung der SEC, daß Coca-Cola nicht über die zwischen 1997 und 1999 erfolgten Lieferungen überschüssiger Getränkekonzentrate an japanische Abfüllfirmen berichtet habe.

          Coca-Cola hatte damals auf diese Art den Gewinn beeinflußt, um den Gewinnerwartungen entsprechen zu können. An sich ist dieses Vorgehen nicht illegal, aber die SEC warf Coca-Cola vor, die Anleger darüber im Dunkeln gelassen zu haben, wie sich das Ganze auf die Finanzen des Unternehmens auswirkt.

          Global Crossing und drei frühere Manager des Unternehmens wurden von der SEC beschuldigt, im Jahr 2001 den Austausch von Glasfaserkapazitäten zwischen verschiedenen Telekommunikationsanbietern nicht ausreichend dargestellt zu haben. Auch Global Crossing sowie die drei belasteten Führungskräfte kamen den Forderungen der SEC nach, ohne zuvor ihre Schuld zuzugeben oder zu bestreiten. Jeder der drei zahlte eine Strafe in Höhe von 100.000 Dollar.

          Bitte verständliches Englisch!

          Anwälte und andere Experten gehen davon aus, daß sich in der Pipeline der SEC noch mehr solcher Fälle befinden. Nachdem nun die meisten Gesellschaften ihre Unternehmensberichte an die Kriterien des sogenannten Sarbanes-Oxley Act angepaßt haben, sind jetzt die Risikobewertungen und -offenlegungen in den Fokus gerückt, meint Scott S. Cohen, Redakteur und Herausgeber des Newsletters Compliance Week. „Jeder, angefangen bei der Regulierungsbehörde bis hin zu den institutionellen Anlegern, hat die Unternehmen aufgefordert, klarere und transparentere MD&As zu veröffentlichen, die auch einen Blick in die Zukunft zulassen und vor allem in einem verständlichen Englisch geschrieben sind“, so Cohen weiter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die Intensivstation der Universitätsklinik Frankfurt mit Coronapatienten im April 2020

          Anhaltend hohe Todeszahlen : Wer jetzt noch an Corona stirbt

          Noch verzeichnet Deutschland jede Woche mehr als tausend Covid-Todesfälle. Viele sterben weder im Altenheim noch auf der Intensivstation. Doch wo dann? Die Suche nach der Antwort ist kompliziert.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.