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Anlagetrend : Private Altersvorsorge findet vor allem in Fonds statt

Die Anreize für die private Altersvorsorge seien zu gering, so BVI-Hauptgeschäftsführer Richter Bild: picture-alliance / Eibner-Presse

Die Fondsbranche profitiert von der Altersvorsorge und erlebt dabei ein Rekordjahr. BVI-Hauptgeschäftsführer Richter kritisiert jedoch die Rentenpolitik der Bundesregierung und fordert Verbesserungen bei der Riester-Rente.

          Die Fondsbranche profitiert von der wachsenden privaten Altersvorsorge der Deutschen. Wie der Fondsverband BVI am Donnerstag mitteilte, verwaltet die Branche mit 2,1 Billionen Euro so viel Geld wie nie zuvor. Vor einem Jahr waren es rund 2 Billionen Euro gewesen. Rekordzuflüsse gab es abermals von institutionellen Großanlegern. Diese legten 77 Milliarden Euro mehr in Fonds an. Die größten Kundengruppe der Fondsgesellschaften sind dabei die Versicherer. Alleine aus diesem Bereich gab es Nettomittelzuflüsse von 36 Milliarden Euro.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          „Wir gehen von einem weiteren Wachstum der Fondsbranche aus, da wir durch die verstärkte private Altersvorsorge regelmäßige Zuflüsse verzeichnen“, sagte Holger Naumann, Präsident des BVI und Mitglied der Geschäftsführung von Deutsche Asset und Wealth Management auf der Pressekonferenz in Frankfurt. Neben den Versicherern, die ein Drittel ihrer Kapitalanlagen in Fonds tätigen, zählen vor allem Altersvorsorgeeinrichtungen wie Pensionskassen und Versorgungswerke zu den großen Kunden der Fondsgesellschaften.

          Weiter Vorbehalte gegenüber der Geldanlage in Aktien

          Fonds haben sich aus mehreren Gründen als Anlaufstelle für die langfristige Geldanlagen und damit für die Altersvorsorge etabliert. Sie sind seit jeher streng reguliert und beaufsichtigt. Die Vermögenswerte des Kunden nehmen die Fondsgesellschaften nicht in ihre eigenen Bücher. Wird eine Fondsgesellschaft zahlungsunfähig, sind die Vermögenswerte des Kunden damit als Sondervermögen noch erhalten und nicht Teil der Insolvenzmasse. Außerdem bieten insbesondere Aktienfonds für die langfristige Geldanlage hohe Renditen. Je länger dabei der Anlagezeitraum ist, desto wahrscheinlicher ist eine gute Rendite. So erbrachten Aktienfonds-Sparpläne mit 20 Jahren Laufzeit seit dem Jahr 1993 jährliche Renditen zwischen 1 und 13 Prozent. Bei 30 Jahren sind es zwischen 4 und 11 Prozent.

          Gleichwohl zeigt die jüngste Fondsstatistik weiterhin starke Vorbehalte gegenüber der Geldanlage in Aktien. Sowohl die großen institutionellen Anleger wie Versicherer als auch die Privatanleger bevorzugen Fonds, die schwerpunktmäßig in Anleihen anlegen (Rentenfonds). Wegen der niedrigen Renditen vieler Staatsanleihen ist zwar eine Bewegung hin zu Unternehmensanleihen und Dollar-Anleihen zu beobachten. Insgesamt werden Anleihen aber weiterhin Aktien als Anlageinstrument vorgezogen. Als klarer Trend zeichnet sich unter Privatanlegern jedoch das vermehrte Engagement in Mischfonds ab. Mit Nettomittelzuflüssen von 18 Milliarden Euro übertrafen sie im Jahr 2013 die Rentenfonds (9 Milliarden Euro) deutlich, während aus Aktienfonds unter dem Strich Mittel abgeflossen sind - vor allem von einigen großen Anlegern aus dem Dax-Indexfonds von db X-Trackers.

          Anlagetrend Mischfond

          Mischfonds legen sowohl in Aktien wie auch in Anleihen an. Das Mischungsverhältnis variiert mitunter von Fonds zu Fonds stark. Im Durchschnitt geht der BVI jedoch von einer ungefähren Gleichgewichtung der beiden Anlageformen aus. BVI-Präsident Naumann rechnet mit einer Fortsetzung dieser Anlagetrends: „Der Aktienmarkt scheint weiterhin interessant, doch die Anleger investieren lieber mit etwas Abfederung in Form von Mischfonds in Aktien. Zudem bleiben höher verzinste Anleihen und auch Immobilien gefragt.“ Die zwischenzeitlich wegen der Schließung einiger offener Immobilienfonds schon totgesagte Anlageklasse hat sich deutlich erholt. Sowohl die großen institutionellen Anleger wie auch Privatanleger investieren wieder viel Geld in offene Immobilienfonds und glauben damit an die Zukunftsfähigkeit einer mittlerweile strenger regulierten Anlageklasse.

          BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter kritisierte die Rentenpolitik der Bundesregierung insbesondere wegen fehlender Impulse für eine verstärkte private Altersvorsorge. So sei die maximale Förderung der Riester-Rente auf dem Niveau von 2001 verblieben und nicht mit der Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung gestiegen. Hier sei eine automatische Anpassung nötig, wie sie auch in der betrieblichen Altersvorsorge üblich sei. Die Riester-Förderung sollte dabei auch Selbständigen zugute kommen, da ohne staatliche Anreize insbesondere viele Kleinunternehmer bislang nur unzureichend für das Alter vorsorgen. Eine Anrechnung der Riester-Rente auf eine eventuelle spätere Grundsicherung solle unterbleiben.

          „Warum sollte jemand privat für das Alter vorsorgen, wenn er womöglich mit seiner Rente nicht über die Grundsicherung kommt und ihm dann die Riester-Rente davon abgezogen wird“, sagt Richter. „Hier müssen die Anreize für die weniger gut Verdienenden verbessert werden.“ In der betrieblichen Altersvorsorge schlägt der BVI vor, jeden Mitarbeiter automatisch in die betriebliche Altersvorsorge aufzunehmen, wenn er nicht ausdrücklich widerspricht.

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