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Anlagetrend ETF : Böses Spiel mit guten Fonds

Der Transparenz-Gedanke leidet

Wen wundert’s da, dass die ETF-Konstrukteure darauf vorbereitet sind, wenn sich die Anleger die richtige Auswahl selbst nicht zutrauen. Sie bieten dann sogenannte Multi-Faktor-ETF an. Diese geben vor, das optimale Mischverhältnis zwischen all den verschiedenen Anlagestilen zu kennen. Eine Wunderformel gewissermaßen. Was absurd ist: Denn wie sollten ausgerechnet die Fondsgesellschaften darauf gestoßen sein?

Leicht verständlich sind solche ETF jedenfalls nicht mehr. Das ist aber noch nicht alles. Auch der Transparenz-Gedanke leidet. Zwar ist den Anbietern zugutezuhalten, dass man sich auf ihren Internetseiten jederzeit ein Bild von der Wertentwicklung all ihrer schönen neuen Indizes machen kann. Aber der besondere Charme des ETF-Investments geht verloren: Wenn die Kurse an den Börsen steigen oder fallen, weiß man, anders als bei Dax und Dow, nicht sofort, woran man ist. Denn die Anleger müssen erst mühsam nachschauen, wie stark beispielsweise ihr „Mini Vola“-ETF auf die Kursveränderungen reagiert hat.

Dies ließe sich womöglich noch verschmerzen. Unangenehmer wird die Sache, wenn man die Gebühren der neuen ETF in den Blick nimmt. „Sie sind ein ganzes Stück höher als bei normalen ETF“, sagt Morningstar-Experte Masarwah. Gibt es Dax-ETF, für die nicht einmal 0,1 Prozent Gebühren anfallen, kosten die neuen Produkte schnell 0,3 Prozent oder gar 0,4 Prozent – also viermal so viel. Das ist zwar immer noch weniger als im Vergleich zu traditionellen Investmentfonds, aber trotzdem ein gehöriger Aufschlag.

Dass die Fondsgesellschaften mit diesen Experimenten den Ruf ihres Erfolgsproduktes so leichtfertig aufs Spiel setzen, hat einen einfachen Grund. Bei klassischen Dax-ETF herrscht ein harter Preiskampf zwischen den Anbietern. Selbst minimale Gebührenerhöhungen um wenige hundertstel Prozentpunkte sind dort nicht drin. Mit den neuen ETF lässt sich erheblich mehr verdienen – schon allein deswegen, weil niemand so genau deren Zusammensetzung kennt.

Nun ist der Wunsch nach höheren Einnahmen völlig legitim. Nur soll man es dann auch offen sagen. Das aber tun die Anbieter nicht unbedingt. „Wir wollen Anlegern eine Möglichkeit bieten, ihr Portfolio um einige sinnvolle Bausteine zu ergänzen“, heißt es beispielsweise bei db x-trackers. Vielfach sei dies der Wunsch der Kunden. Außerdem machten die Zuflüsse in die neuen Fonds bisher nur einen Bruchteil des gesamten ETF-Anlagevolumens aus. Was richtig ist. Aber natürlich liegt es im Interesse der Anbieter, dies zu ändern.

Anleger sollten sich darauf nicht einlassen. Besser fahren sie, wenn sie ihr Geld auf wenige klassische ETF aufteilen. So kann man sich für leicht zugängliche Barometer wie den Dax entscheiden (beispielsweise über den iShares Dax-ETF) oder für den Euro Stoxx 50, der die Wertentwicklung der 50 wichtigsten Aktiengesellschaften des Euroraums abbildet (über den db x-trackers Euro Stoxx 50).

Dass man als Anleger am Ende dann doch wieder bei jenen Fondsgesellschaften landet, die die „Smart Beta“-Idee in die Welt gesetzt haben, mag anmuten wie ein schlechter Witz, muss aber nicht stören. Gegen ihre klassisch konzipierten ETF lässt sich nichts einwenden. Nur von den neuen Zauberfonds sollte man tunlichst die Finger lassen.

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