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Anlagestrategien : Renditechancen im Zinstief

Bild: F.A.Z.

Auf Tagesgeldkonten gibt es im Durchschnitt noch einen Zins von einem Prozent, für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit gerade einmal zwei Prozent. Wer mehr Rendite will, muss höhere Risiken eingehen.

          Die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat dazu geführt, dass Tagesgeldkonten mit kaum mehr als einem Prozent verzinst werden. Anfang des Jahres 2009 lag die durchschnittliche Verzinsung auf Tagesgeldkonten bei der Anlage von 5000 Euro nach Angaben der FMH Finanzberatung noch bei mehr als 3 Prozent. Die Angst der Anleger vor dem Rückfall in eine Rezession führte zudem zu einer Flucht in als sicher geltende Bundesanleihen. Mit knapp mehr als 2 Prozent für Laufzeiten von zehn Jahren ist die Rendite so niedrig wie nie. Anfang des Jahres betrug sie noch 3,5 Prozent. Dieselbe Furcht lässt die Aktienmärkte unruhig schwanken. Der Hoffnungsträger China ist einer der schwächsten Aktienmärkte in diesem Jahr. Insgesamt kein leichtes Umfeld für Anleger.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          „Wir rechnen damit, dass die aktuell unruhige Phase an den Kapitalmärkten sich noch ein paar Wochen fortsetzt und sehen ein Abwärtspotenzial von weiteren fünf bis zehn Prozent an den Aktienmärkten“, sagt Stefan Keitel, globaler Chefanlagestratege der Credit Suisse. „Diese Schwäche sehen wir jedoch als ideale Kaufgelegenheit, weil wir fest davon überzeugt sind, dass sich die Märkte im vierten Quartal ziemlich massiv drehen.“ Gerade Geldanlagen in Schwellenländern hält Keitel für ratsam. „Gerade in China richten sich alle Blicke nur auf die Risiken, nicht aber auf die ungeheuren Chancen“, sagt Keitel. „Die dortigen Aktienmärkte haben sich im jüngsten Abschwung schon einigermaßen resistent gezeigt, das ist ein gutes Zeichen.“

          Aber auch zyklische Regionen wie den Euro-Raum und speziell Deutschland hält Keitel in den nächsten Wochen für kaufenswert. „Die Aktienmärkte sind derzeit sehr vorsichtig und die Wirtschaftsdaten aus Amerika bieten dafür auch genügend Anlass“, sagt der Anlagestratege. „Wir glauben jedoch, dass die Zukunft nicht so schwarz wird, wie sie einige derzeit malen und das dürfte sich gerade bei den Kursen der konjunkturabhängigen Aktien positiv bemerkbar machen.“

          An einen langfristigen Bullenmarkt glaubt Keitel jedoch nicht: „Dafür sind die strukturellen Probleme in vielen Volkswirtschaften einfach viel zu groß, so dass uns auch im nächsten Jahr sehr schwankungsintensive Märkte erhalten bleiben dürften.“ Gerade solche Marktphasen böten für den Anleger jedoch große Chancen.

          Die besten Chancen noch am Aktienmarkt

          Ebenfalls eine zunächst pessimistische Einschätzung der Aktienmärkte haben die Strategen der Unicredit. „Wir halten es für sehr riskant, bereits bei Beginn der Abschwächung zahlreicher Frühindikatoren schon auf einen positiven Ausgang der Sache zu setzen“, sagt Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Unicredit. „Wir raten daher zur Vorsicht und zum Untergewichten von Aktien bis die kommenden Wirtschaftsdaten größere Klarheit bringen, wohin die Reise geht.“

          Die Unicredit sieht daher an den Anleihemärkten für die Anleger eher Renditepotenzial. „Kurzfristige Anleihen aus Griechenland, sowie länger laufende Titel aus Spanien, Italien und Irland haben aus unserer Sicht ein gutes Chance-Risiko-Profil“, sagt Christian Weber, Anleihestratege der Unicredit. Ebenso böten Anleihen von Unternehmen schlechterer Bonität noch ansehnliche Renditechancen. „Hier sollten Anleger jedoch zur Risikostreuung am besten in Fonds für High-Yield-Anleihen investieren“, sagt Weber.

          Von Staatsanleihen wird eher abgeraten

          Ausgewählte Unternehmensanleihen hält auch Eberhard Weinberger, Anlagestratege von DJE Kapital für kaufenswert, wenn der Anleger von der Unternehmensführung überzeugt ist und die Zahlungsströme überschaubar sind. Ansonsten rät er wie fast alle Beobachter von Staatsanleihen aus Deutschland und Amerika eher ab. „Die Kurse wurden hier möglicherweise künstlich durch die Notenbankpolitik hochgetrieben. Die Rendite ist dadurch niedrig bei steigenden Risiken“, sagt Weinberger.

          Für ihn bieten sich am Aktienmarkt noch am ehesten Chancen. „Die Anleger müssen jedoch streng selektieren: Dividendenstarke Titel aus saturierten Branchen wie Pharma, Versorger und Telekom halten wir für interessant, ebenso wie dividendenstarke chinesische Werte, die von der Binnenkonjunktur in China profitieren.“ Auch sieht Weinberger für Gold ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis: „In einer Niedrigzinsphase entgehen dem Anleger hier kaum Zinsen und in den meisten Depots ist Gold als Geldanlage einfach noch völlig unterrepräsentiert.“

          Ungelöste Probleme in zahlreichen Volkswirtschaften

          Vermögensverwalter Georg Thilenius sieht die Aktienmärkte angesichts der ungelösten Probleme in zahlreichen Volkswirtschaften zwar nicht vor einem rasanten Anstieg, hat jedoch gleichwohl einige aus seiner Sicht attraktive Aktien ausgemacht. So seien die Kurse der RWE- und Eon-Titel zuletzt deutlich gefallen und die Dividendenrendite hoch.

          Ebenso hält er Total und Telefonica für attraktiv. „Die Telefonica macht den Großteil ihres Geschäfts in Südamerika und hat daher im Gegensatz zu einer Deutschen Telekom oder France Telecom nicht mit einem schrumpfenden Geschäft und Substanzverlusten zu kämpfen und bietet zudem eine Dividendenrendite von mehr als 9 Prozent“, sagt Thilenius. Für kaufenswert hält er zudem die Aktien von British American Tobacco und dem dänischen Weltmarktführer in der Insulinherstellung Novo Nordisk.

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