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Anlagestrategien : Reiche werden reicher - und ihre Anlagen defensiver

  • Aktualisiert am

Bild: Capgemini/Merrill Lynch World Wealth Report

Inventur der Millionäre: Der jährliche „World Wealth Report" berichtet, wie Wohlhabende ihr Geld anlegen. Die Finanzkrise ließ auch Superreiche umdenken: Immobilien sind out, sichere Investments wie Bargeld und Wertpapiere in.

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          Roman Abramowitsch gehört zu einer Minderheit. Und das nicht, weil er reich ist, sondern weil er sein Geld in den englischen Fußballklub Chelsea London angelegt hat. Dabei sind Sportinvestments unter den Superreichen eher selten. Nach Angaben des „World Wealth Report“ legen sie nur 5 Prozent ihres Geldes in Sportvereinen und Rennpferden an.

          Der jährliche Bericht der Investmentbank Merrill Lynch und der Unternehmensberatung Capgemini Consulting ist eine Art weltweite Millionärsinventur, er zählt die Reichen und Superreichen dieser Welt und wirft einen Blick auf deren Vermögen und Vermögensdispositionen. Der jetzt veröffentlichte Bericht für 2007 dürfte zufriedene Gesichter bei den Vermögensberatern erzeugen, denen Ölscheichs, Geldadel und Neureiche als Kunden lieber sind als die Sparschwein-Kunden des trostlosen Filialgeschäfts: Das vergangene Jahr hat die Reichen und Superreichen dieser Welt noch reicher - will heißen: noch lukrativer als Kunden - gemacht.

          Jährlich vier Millionen Dollar pro Nase

          Das Nettofinanzvermögen der wohlhabenden Privatpersonen - „High net worth individuals“ ruft sie die Branche - stieg im vergangenen Jahr um 9,7 Prozent auf 40,7 Billionen Dollar. Das macht ein durchschnittliches Privatvermögen von mehr als 4 Millionen Dollar pro Person. Die Zahl der Reichen - definiert als Personen mit einem Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar - stieg dabei um sechs Prozent auf 10 Millionen Personen. In Deutschland stieg die Zahl der Vermögensmillionäre um 3,5 Prozent auf 826.000. Die Zahl der besonders Reichen, jenen „Ultra high net worth individuals“, die über ein Finanzvermögen von mehr als 30 Millionen Dollar verfügen, stieg sogar um 8,8 Prozent auf 103 000 Personen.

          Der Mittlere Osten, Osteuropa und Lateinamerika waren dabei die Regionen mit dem höchsten Millionärswachstum. Zwischen 12 und 15 Prozent mehr Millionäre zählt der World Wealth Report hier, wobei Indien und China sich als die millionärswachstumsfreundlichsten Länder erwiesen. Als Triebfeder für das Millionärswachstum im vergangenen Jahr macht der Bericht das weltweite Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen Anstieg der Marktkapitalisierung der Börsen aus. Vor allem die Schwellenländer waren maßgeblich hierfür verantwortlich.

          Die Finankrise lässt auch Superreiche umdenken

          Aber auch die Millionäre spüren den Atem der Finanzkrise im Nacken und neigen zunehmend zur Vorsicht: So ist dem Bericht zufolge in den Millionärsportfolios der Anteil sicherer Investments - also Bargeld und festverzinsliche Wertpapiere - um 9 Prozentpunkte auf 44 Prozent des Vermögens gestiegen. Zudem haben offenbar immer mehr Reiche ihre Gelder aus dem Ausland, vor allem aus Nordamerika, abgezogen und dort angelegt, wo man sich wohl und sicher fühlt: nämlich zu Hause. Auch Immobilien haben für die Reichen dieser Welt an Attraktivität eingebüßt: Der Anteil dieser Vermögensklasse in den Depots der Reichen ist von 24 auf 14 Prozent gefallen.

          Doch wer wirklich reich ist, der muss sich nicht auf so spröde Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien beschränken, ihm steht die ganze bunte Welt der sogenannten Liebhaberinvestments offen: Luxus-Sammelobjekte wie Autos oder Jachten (sie machen 16 Prozent aller Liebhaberinvestments aus), Kunstsammlungen (16 Prozent), Juwelen (14 Prozent) oder Luxusreisen (14 Prozent), um nur einige Beispiele zu nennen. Die Investition in den eigenen Körper verbucht der Report unter der Rubrik „Wellness“ und stellt fest, dass etwa 10 Prozent der Liebhaberinvestments darauf entfallen. Offenbar liefert der eigene Körper nur mäßige Renditen.

          Wer Geld hat, spricht nicht darüber

          So einfach sich die Idee anhört, die Reichen der Welt und deren Vermögen zu inventarisieren, so schwierig ist es in der Praxis: Die Reichen und Superreichen dieser Welt sprechen nur ungern über den Wert ihrer Aktien, die Zahl ihrer Rennpferde und ihren Wellness-Urlaub. Aus der ganzen Welt fragmentarische oder inkompatible Zahlen zusammenzutragen erweist sich daher schnell als eine statistische Sisyphusarbeit.

          Und je nachdem, zu welchem Wechselkurs man die Millionen der Millionäre in Dollar umrechnet, schwankt auch die Zahl der Dollar-Millionäre. Nicht zuletzt sorgt die Inflation dafür, dass die Zahl der Millionäre beständig steigen wird. All diese Schwierigkeiten sorgen dafür, dass wir nur wenig über die Reichen dieser Welt wissen - gerade das macht den World Wealth Report so interessant für die Branche.

          Für den Kleinsparer, der solchen Zahlen staunend gegenübersteht, bleibt der Trost, dass Geld alleine nicht glücklich macht. Es gehören auch Aktien, Gold und Rennpferde dazu.

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