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Anlagestrategie : Wie werden die „Geier“ die Finanzkrise nutzen?

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Wilbur Ross in seinem Haus in Palm Beach Bild: AP

Wilbur Ross ist einer von vielen Geier-Investoren an der Wall Street, die nach notleidenden Vermögenswerten Ausschau halten. Die Krise werde sich an der Wall Street weiterhin negativ auf die Banken auswirken und 1.000 davon Pleite gehen lassen.

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          Der lange und schmerzliche Prozess der Notverkäufe von Vermögenswerten durch Fannie Mae, Freddie Mac, Lehman Brothers und AIG hat zwar gerade erst begonnen, doch schon jetzt versuchen Marktbeobachter herauszufinden, worauf die von Notlagen dieser Art üblicherweise angelockten Finanzgeier auf der Suche nach fetter Beute ihre Augen geheftet haben.

          Geier-Investoren mit Interesse an notleidenden Vermögenswerten wüssten aus Erfahrung, dass man besser erst dann zuschlagen sollte, wenn der Zyklus noch etwas weiter vorangeschritten ist, sagt Jeffrey R. Manning, Managing Director von Trenwith Securities, einem auf die Beratung von Unternehmen in Insolvenz spezialisierten Investmentdienstleister.

          „Der Schwächste in der Herde muss bereits in der frühen Zyklusphase dran glauben, während in der mittleren Phase nach und nach auch relativ starke Unternehmen zur Insolvenzanmeldung gezwungen sind“, so Manning. Viele noch vergleichsweise gesunde Unternehmen entscheiden sich für den Insolvenzantrag, um gegenüber ihren bereits in Insolvenz befindlichen Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben, da diese über eine günstigere Kostenstruktur verfügen. „Hier sind die besseren Werte anzutreffen.“

          Zeit zum Abbau von Risikopositionen

          Das beste Geschäft für Geier-Investoren ergebe sich, wenn der Wert der Zielunternehmen über einen längeren Zeitraum erodieren konnte - im Unterschied zu den im Finanzsektor beobachteten plötzlichen Zusammenbrüchen, sagt David Astorino, Leiter der Due-Diligence-Abteilung bei der Beratungsgesellschaft RHR International. Bei einem langsam fortschreitenden Wertverfall haben Private-Equity-Unternehmen mehr Zeit, um sich mit Due-Diligence-Prüfungen ein besseres Bild des Kaufobjekts zu machen und die erforderlichen Gelder für Transaktionen zu beschaffen, so Manning.

          Da sich das gesamte Finanzsystem im Schockzustand befinde und die Unternehmen Mittel und Wege zur Sanierung ihrer Bilanzen finden müssten, könne es Manning zufolge zwischen 30 Tage und 12 Monate oder länger dauern, bis der notwendige Abbau von Risikopositionen abgeschlossen sei.

          Nach Ansicht von Wilbur L. Ross Jr., dem milliardenschweren Vorstandschef der Investmentgesellschaft WL Ross & Co. mit langjähriger Erfahrung bei Wetten auf notleidende Unternehmen, werde sich die Krise an der Wall Street weiterhin sehr negativ auf die Banken auswirken, wodurch sich gewaltige Chancen für Geier-Investoren eröffnen würden. Als zu Beginn des Jahres die Branche der Anleiheversicherer infolge von Engagements in Subprime-Hypotheken unter Druck geriet, investierte Ross 250 Millionen Dollar in den Anleiheversicherer Assured Guaranty und spekulierte darauf, dass der Versicherer gut aufgestellt sein würde, um einige der schwächeren Akteure aufzukaufen, die im Zuge riskanter Kreditinvestments ins Straucheln geraten könnten.

          1.000 Bankpleiten möglich

          Ross' jüngstes Engagement bei der Krisenbewältigung im Bankenbereich fand in Japan statt, er verweist jedoch auf seine Erfahrung bei der Restrukturierung amerikanischer Kreditinstitute während der Bankenkrise der späten 1990er, als er einen Private-Equity-Fonds der LCF Rothschild-Gruppe leitete. „Wir haben Vertrauen in Banken und betreiben ein Gemeinschaftsunternehmen mit John Kanas, der die North Fork Bank mit einem Einlagevolumen von mickrigen 20 Millionen Dollar zu einem Institut mit 60 Milliarden Dollar aufbaute, bevor er die Bank während der Hochphase des Marktes verkaufte“, so Ross. „Wir denken also, dass wir für unser Geschäft mit Banken die richtigen Leute an der Hand haben.“

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