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Anlagestrategie : Sechs Tipps für ratlose Anleger

Bild: F.A.Z.

Anleger, die noch liquides Geld auf der hohen Kante haben, stehen vor einem Probleme: Die Zinsen sind auf Rekordtief, für Aktien ist es womöglich schon zu spät. Wohin also mit dem Geld?

          3 Min.

          Geld Anlegen war im Frühjahr noch lukrativ: Wer sich nicht von der Weltuntergangsstimmung anstecken ließ und mutig Geld anlegte, konnte kaum etwas falsch machen, egal in was er investierte. Ob Unternehmens- oder Staatsanleihen, Gold oder Dax - alles hat kräftig zugelegt.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch jetzt sind die Zeiten härter geworden und die Kurse gestiegen. Viele der guten Anlageideen vom Jahresanfang sind unattraktiv oder zumindest viel riskanter geworden. Firmenanleihen bieten zu wenig Rendite für das Risiko, dass die Anleger eingehen. Und Staatsanleihen könnten vor allem in langen Laufzeiten sogar Verluste einfahren. Für den Dax fürchten viele eine Korrektur nach dem langen Anstieg. Doch ein paar interessante Anlageideen bleiben - auch wenn sie nicht mehr die großen Traumrenditen bieten.

          Anleihen

          Für den Teil des Depots, der möglichst sicher angelegt sein soll, wird es zunehmend schwieriger, rentierliche Anlagen zu finden. Euro-Staatsanleihen mit mehr als 4 Prozent Rendite gibt es nur von Krisenländern wie Griechenland und Irland. Das bedeutet deutlich höhere Risiken als mit Bundesanleihen und eine Anlagedauer von mindestens sieben Jahren.

          Da ist es besser, man legt das Geld als Festgeld zu vier Prozent bei einer Bank an, etwa bei der BMW Bank oder der Cronbank. Dafür muss das Geld zehn Jahre angelegt werden, es ist dann aber auch sicherer als im Ausland. Tagesgeld wirft derzeit bestenfalls 2,50 Prozent ab, was aber immer noch viel besser ist als eine Bundesanleihe mit ein oder zwei Jahren Restlaufzeit. Allerdings kann der Zins für Tagesgeld täglich fallen.

          Eine Alternative könnten Pfandbriefe sein. Seitdem die Europäische Zentralbank Pfandbriefe aufkauft, ist der Markt liquider geworden. Damit haben auch Privatanleger wieder eine Chance, an diese Papiere zu kommen, die während der Finanzkrise keiner haben wollte - obwohl sie fast so sicher sind wie Staatsanleihen. Deutsche Pfandbriefe bieten etwa 0,5 Prozentpunkte mehr als Bundesanleihen, französische sogar 0,7 bis 0,8 Prozentpunkte. Ein zweijähriger Pfandbrief des Nachbarlandes wirft also etwa zwei Prozent ab, ein fünfjähriger knapp 3,2 Prozent. Doch auch da ist Festgeld attraktiver.

          Fremdwährungsanleihen

          Attraktive Renditen bieten Anleihen aus Ländern, die nicht zum Euro-Raum gehören. Hier ist allerdings auch das Risiko höher, denn es können Verluste durch die Umrechnung der fremden Währung in Euro entstehen. Umgekehrt aber auch Gewinne, die dann die Rendite aus der Anleihe erhöhen. Die Experten der Commerzbank erwarten das etwa für Staatsanleihen in der jeweiligen Landeswährung aus Polen und Brasilien. „Der Zloty dürften in den kommenden zwölf Monaten um gut 10 Prozent zum Euro aufwerten“, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Leiter des Investmentteams für Privatkunden der Commerzbank. Schon ohne diese Gewinne werfen Zloty-Anleihen mit zwei Jahren Laufzeit fast sieben Prozent ab. „Wir favorisieren Anleihen mit einem bis drei Jahren Laufzeit.“

          Aktien

          Die Meinungen über die Aktienmärkte gehen weit auseinander (vgl. auch Umfrage: Aktienprofis erwarten Dax auf neuen Höhen). Viele erwarten bald eine Korrektur zwischen 10 und 20 Prozent nach dem kräftigen Anstieg seit März. Andere sehen noch einen Anstieg bis Frühjahr 2010. Dafür werde der große Anlagebedarf institutioneller Investoren sorgen, die sich bisher zurückgehalten haben, nun aber langsam wieder investieren müssen.

          „Solange an der Erholung der Wirtschaft keine ernsten Zweifel aufkommen, werden sie investieren und die Kurse nach oben auf neue Jahreshöchststände treiben“, sagt Kai Franke, Leiter des Anlageteams der BHF-Bank. Mitte 2010 könnten dann aber die Diskussion über die Zinswende und weniger positive Unternehmenszahlen die Kurse belasten.

          Dauerhaft erfolgreicher seien Anleger, wenn sie jetzt ihre Aktienanlage so verändern, dass sie mehr vom Aufschwung in den Schwellenländern in den Folgejahren profitieren. Das geht mit Aktien exportstarker europäischer Firmen oder über Schwellenländerfonds. Dabei wird den entwickeltsten Schwellenländern Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC) etwas mehr zugetraut als den Übrigen.

          Rohstoffe

          Vom Aufschwung in den Schwellenländern profitieren auch die Rohstoffe. Bis zum Ende des ersten Halbjahres 2010 sieht die Commerzbank den Ölpreis von heute knapp 80 auf 110 Dollar steigen. Gold soll von 1100 auf 1300 Dollar zulegen (siehe Infografik). „Vor allem langfristig für die kommenden acht bis zehn Jahre werden Rohstoffe sehr attraktiv sein. Anleger sollten lieber direkt in Rohstoffe als in Rohstoffaktien investieren“, empfiehlt Commerzbank-Stratege Schickentanz.

          Der Dollar

          Im kommenden Jahr dürfte der Dollar für einige Monate deutlich an Stärke gewinnen. „Er könnte bis Jahresende 2010 von heute 1,50 bis auf 1,30 Dollar je Euro fallen. Sobald der Markt Zinserhöhungen der Fed einzupreisen beginnt, wird der Dollar stärker“, sagt Schickentanz. Anleger profitieren davon, indem sie zum Beispiel einen Geldmarktfonds kaufen, der in Dollar-Papiere investiert.

          Zertifikate

          Zertifikate könnten in den nächsten Monaten interessanter werden. Die zunehmende Unsicherheit über eine Zinswende wird die Schwankungsanfälligkeit der Märkte (Volatilität) erhöhen. Je größer dabei die Schwankungen, desto billiger werden Zertifikate. Mit Bonus- oder Discount-Zertifikaten können Anleger auch ohne große Kurssprünge am Aktienmarkt gut verdienen und haben dabei noch einen Sicherheitspuffer, falls die Kurse fallen.

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