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Anlagestrategie : Rohstoffe: Langfrist-Rendite überzeugt nicht

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Rohstoffe als Renditebringer? Das mag kurzfristig gelten. Langfristig aber nicht, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Trotzdem haben Rohstoffinvestments ihre Berechtigung im Depot.

          2 Min.

          Wer im Jahr 2005 keine Rohstoffe im Portfolio hatte, musste auf eine ordentliche Rendite verzichten. Im vergangenen Jahr dagegen wäre mit dieser Anlageklasse unter dem Strich nicht viel zu holen gewesen. Und wer in diesem Jahr keine Rohstoff-Zertifikate im Depot hat, ist bislang wahrscheinlich froh darüber. Schließlich hat die Anlageklasse gemessen am Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) seit Jahresbeginn fast zehn Prozent an Wert eingebüßt.

          Privatanleger können mit immer mehr Derivaten an der Entwicklung der Rohstoffpreise teilhaben. Die Verkaufsargumente sind bekannt: Viele Rohstoffe seien knapp, das Angebot könne nicht mit der wachsenden Nachfrage aus China mithalten.

          Langfristig keine tolle Rendite

          Doch es gibt gute Gründe, die Renditeaussichten von Rohstoffinvestments kritisch zu hinterfragen. In den vergangenen Jahrzehnten wäre mit einem Wertpapier, das die Entwicklung des GSCI abbildet, auf lange Sicht nämlich nicht viel zu holen gewesen. Das zeigen Daten des amerikanischen Analysehauses Thechartstore.com, die FAZ.NET auszugsweise veröffentlicht. Warum sich dieser Trend in den kommenden Jahren ändern sollte, ist nicht abzusehen - der wirtschaftliche Aufstieg mancher Länder und die Knappheit einiger Ressourcen sind schließlich keine neuen Phänomene.

          Die FAZ.NET-Tabelle und die Charts zeigen ausschließlich die Rendite, die mit dem GSCI zu erwirtschaften gewesen wäre. Eine andere Rohstoffgewichtung hätte zu signifikant anderen Ergebnissen führen können. Doch der GSCI dürfte die langfristige Entwicklung der Rohstoffmärkte recht gut in seiner Breite abbilden.

          Hohe Volatilität bei kurzer Anlagedauer

          So ist die FAZ.NET-Tabelle zu lesen: In der ersten Spalte steht das Jahr, bis zu dessen Ende der Anleger das Rohstoffinvestment gehalten hat. In den daneben stehenden Spalten ist die jährliche Rendite abzulesen, die das Investment abhängig von der Haltedauer gebracht hätte - gemessen an der Wertentwicklung des GSCI.

          Bei der vergleichsweise kurzen Anlagedauer von einem Jahr (zweite Spalte) zeigt sich die hohe Volatilität der Anlageklasse: Wer bis Ende 2005 für ein Jahr investiert war, hat demnach ein Plus von fast 39 Prozent verzeichnet. 1999 legte der Index sogar um 46 Prozent zu. Im Jahr 2001 blieb dagegen ein Minus von mehr als 30 Prozent. 2006 schwankten die Rohstoffpreise zwar heftig, zum Jahresende stand der Index dagegen auf dem Niveau vom Jahresbeginn.

          Ein Minus auch nach 20 Jahren möglich

          Über die lange Anlagedauer von 20 Jahren (letzte Spalte) relativieren sich hohen Schwankungen. Wer über diesen Zeitraum im GSCI investiert war, hat unter dem Strich meist ein Plus erwirtschaftet, auch wenn die jährliche Rendite im Schnitt nur knapp ein Prozent betrug.

          Doch es finden sich auch einige 20jährige Anlagezeiträume, nach denen sich eine negative Rendite berechnet - vom Jahresende 1978 bis 1998 betrug diese minus 1,85 Prozent im Jahr.

          Geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen

          Nur unter Renditegesichtspunkten sollten Anleger also nicht langfristig in Rohstoffe investieren. Ihnen sollte klar sein, dass diese Anlageklasse auch über einen sehr langen Zeitraum Verluste bringen kann. Kurzfristig dagegen lässt sich mit Rohstoffen viel Geld verdienen - zum Spekulieren sind sie vorzüglich geeignet.

          Abgesehen davon haben auch langfristige Rohstoffinvestments ihre Berechtigung im Depot: Ihre Korrelation zum Aktien- und Anleihemarkt ist gering; sie dürften dabei helfen, die Wertschwankungen im Portfolio zu verringern.

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