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Anlagestrategie : Rat für volatile Zeiten - Intelligent diversifizieren

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Drahtseilakt: Risiko gegen Ertrag Bild:

Mit intelligentem Risikomanagement können sich Anleger langfristig viele Sorgen ersparen. Grundlegende Strategien bleiben auch in Zeiten turbulenter Märkte gültig, so Vanguard-Gründer Jack Bogle und Finanzprofessoer Zvi Bodie.

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          Nach Angaben der Haushaltsabteilung des amerikanischen Kongresses (CBO) haben Pensionspläne in den Vereinigten Staaten per 7. Oktober innerhalb von 15 Monaten rund zwei Billionen Dollar oder 20 Prozent ihres Wertes verloren. Viele Arbeitnehmer fragen sich angesichts dieser Entwicklung, wie sie ihren Lebensabend bestreiten sollen und ob sich all das, was sie über die Kapitalanlage zu wissen glaubten, in Luft aufgelöst hat.

          So galt etwa eine breite Diversifizierung in verschiedene Sektoren und Länder als probates Mittel zum Schutz des Portfolios. Zuletzt konnten sich allerdings nur wenige Marktbereiche dem Abwärtssog entziehen. Welche zukünftigen Erträge kann man von Aktien und Anleihen erwarten? Sind all unsere Investmentregeln für die Katz'?

          Wir befragten Jack Bogle (Gründer des Fondsriesen Vanguard Group und Vorreiter in Sachen Indexfonds) und Zvi Bodie (Professor für Finanzwirtschaft an der Boston University School of Management, Co-Autor des führenden Finanzlehrbuchs „Investments“ und Experte für soziale Sicherheit) zur aktuellen Situation von Sparern und Anlegern.

          Christopher Farrell wollte von den beiden alten Hasen wissen, ob die Diversifizierung in ihren Augen noch immer als Kernstrategie gelte.

          Jack Bogle: Ich glaube fest an die Diversifizierung. Bei Aktien setzt man auf Indexfonds, während der prozentuale Anteil von Anleihen dem eigenen Lebensalter entsprechen sollte. So gehe ich vor, und mit meinem beträchtlichen Bestand an amerikanischen Rentenpapieren bin ich bisher ganz gut weggekommen. Ich investiere zu 50 Prozent in Staatsanleihen und zu 50 Prozent in Unternehmensanleihen.

          Die am häufigsten genannte Diversifizierung ist die internationale Streuung des Portfolios. Das Problem dabei: Sobald die Menschen beginnen, darüber zu reden und daran zu glauben, sind internationale Aktien bereits überbewertet. Rund 80 Prozent der im vergangenen Jahr in Aktienfonds angelegten Gelder strömte in international investierende Fonds. Wenn da nicht die Alarmglocken läuten! Dabei zählen die Vereinigten Staaten derzeit zu jenen Weltmärkten, die sich einer besseren Wertentwicklung erfreuen. Seit dem Marktzenit im Jahr 2007 ist der amerikanische Standardwerteindex S&P-500 um 42,5 Prozent gesunken, während internationale Aktien [gemessen am MSCI EAFE Index, der sich aus ausländischen Titeln entwickelter Märkte in Europa, Australien und Hongkong zusammensetzt] 49,4 Prozent an Wert einbüßten und Titel aus Schwellenländern [gemessen am MSCI Emerging Markets Index] 55,8 Prozent verloren.

          In den vergangenen Jahren waren internationale Investments stärker mit dem amerikanischen Markt korreliert, als dies in früheren Zeiten üblich war. Wenn man international investiert, muss man Investments in ausländische Unternehmen als Ertragslieferanten, nicht als Diversifizierung betrachten. Möchte man international anlegen, sollte man sein Engagement schrittweise aufbauen, zunächst etwa mit einem Portfolio-Anteil von 20 Prozent, jeweils zur Hälfte in Industrie- und in Schwellenländern. Europa ist uns sehr ähnlich, weshalb es zumindest wahrscheinlich ist, in Schwellenländern bessere Erträge zu erzielen. Ich selbst investiere nicht in ausländische Aktien.

          Zvi Bodie: Zur Untermauerung Ihres Standpunkts möchte ich anfügen, dass Privatanleger in Märkten wie China nur in den geringen Bruchteil börsennotierter Aktien investieren können. Verglichen mit den nicht an der Börse gehandelten Titeln sind diese Aktien also massiv überbewertet. Eine erheblich bessere Art der Anlage ist der Kauf von Papieren amerikanischer Unternehmen, die mit ausländischen Direktinvestitionen in China engagiert sind.

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