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Anlagestrategie : Nachwirkungen der großen Rettungsaktion

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Bild: FAZ.NET

Zunächst sorgte der Rettungsplan der Regierung für die Banken an Wall Street für Entspannung. Doch gewichtige Fragen über die möglichen Nebenwirkungen dieser Strategie bleiben offen. Das schlug sich am Montag in heftigen Kursverlusten nieder.

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          Nach der wahrscheinlich turbulentesten Woche in der amerikanischen Finanzgeschichte zeigten sich die Märkte am vergangenen Freitag zunächst erleichtert, als die Regierung der Vereinigten Staaten einen umfassenden Plan zur Bekämpfung der Finanzkrise bekannt ab.

          Dieser Plan wird unter anderem einen vom Finanzministerium aufgelegten Rettungsfonds umfassen, der notleidende Kredite ankaufen und die Bilanzen der Finanzinstitutionen von „giftigen“ Kreditderivaten säubern soll. Die Einzelheiten des Fonds - in welcher Größenordnung der Ankauf von Vermögenswerten erfolgt und wie diese bewertet werden (um nur zwei Beispiele zu nennen) - müssen noch ausgearbeitet werden, was zahlreiche Fragen über die sich hieraus möglicherweise ergebenden negativen Nebenwirkungen aufwirft.

          Welche Kollateralschäden bringen die Interventionen mit sich?

          Flankiert wird der Rettungsfonds, der die amerikanischen Steuerzahler bis zu 500 Milliarden Dollar kosten könnte, durch die vor kurzem erfolgte Rettung des Versicherungsriesen American International Group mit einem von der Notenbank (Fed) gewährten Kredit über 85 Milliarden Dollar, durch eine vom Finanzministerium beabsichtigte Einlagensicherung für amerikanische Geldmarktfonds sowie durch das von der Börsenaufsichtsbehörde SEC vorübergehend verhängte Verbot von Leerverkäufen für 799 amerikanische Finanztitel.

          Oberste Priorität hatte, das Herz des Patienten wieder zum Schlagen zu bringen, mögliche Auswirkungen auf andere lebenswichtige Funktionen traten in den Hintergrund. Während das Überleben des Finanzsystems an erster Stelle steht, bleiben viele Fragen offen, die in den kommenden Wochen und Monaten beantwortet werden müssen - von Details über die Funktionsweise einiger Regierungsprogramme über mögliche Nebenwirkungen des Eingriffs auf die Funktion der Märkte bis hin zur längerfristigen Entwicklung der Wirtschaft.

          Hank Herrmann, Vorsitzender des Finanzdienstleisters Waddell & Reed in Overland Park (Kansas) sieht die vorrangige Aufgabe in der Bewertung der von diesem Superfonds anzukaufenden Vermögenswerte, die angesichts der bisherigen Schwierigkeiten des Marktes bei der Wertbestimmung infolge des weitverbreiteten Käuferstreiks weder einfach noch schnell von der Hand gehen dürfte. „Die Frage der Bewertung [der strukturierten Wertpapiere] ist intensiv erörtert worden“, bislang allerdings ohne Ergebnis, so Herrmann. „Wer wird diese Bewertung vornehmen? Externe Fachleute?“

          Mehr Positives als Negatives?

          Herrmann fragt sich außerdem, wie sich diese Bewertungen auf amerikanische Eigenheimbesitzer auswirken würden, wenn der Wert der zwangsvollstreckten Häuser ihrer Nachbarn auf andere Weise taxiert werde und inwieweit dies gerecht gegenüber jenen Kreditnehmern ist, die ihre Hypothekenzahlungen weiterhin ordnungsgemäß geleistet haben. „Es ist deutlich besser als die derzeit zu beobachtende, sich selbst verstärkende Abwärtsspirale, weshalb ich denke, dass man dafür in den sauren Apfel beißen muss“, folgert er.

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