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Anlagestrategie : Microcaps im Aufwind

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Bild: FAZ.NET

An der Wall Street ist klein wieder fein. Der Markt erlebt ein Comeback der Nebenwerte, insbesondere jener mit sehr niedriger Marktkapitalisierung. Eine solche Kehrtwende kommt zwar überraschend, ist aber kein einmaliges Phänomen.

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          An der Wall Street ist klein wieder fein. In dem von Konjunkturabschwächung, Kreditkrise und Rohstoffhausse geprägten zurückliegenden Jahr haben Aktienanleger Papiere kleinerer Unternehmen vernachlässigt und stattdessen auf größere und bekanntere Namen gesetzt. Doch in der ersten Julihälfte drehte die Marktstimmung. Plötzlich strömte Kapital in Nebenwerte, insbesondere in solche mit sehr niedriger Marktkapitalisierung, den sogenannten „Microcaps“.

          Im Zwölfmonatszeitraum bis Ende Juni sank der amerikanische Standardwerteindex Russell 1000 um 12,36 Prozent, während der auf Nebenwerte spezialisierte Russell 2000 Index um 16,2 Prozent nachgab und der Russell Microcap Index 25,47 Prozent an Wert verlor. Vom 1. Juli bis zum 6. August legte der Russell 1000 lediglich 0,36 Prozent zu. Der Russell 2000 stieg dagegen um 5,37 Prozent und der Russell Microcap stellte mit einem Zuwachs von 6,04 Prozent alle anderen Marktsegmente in den Schatten.

          Eine solche Kehrtwende kommt zwar überraschend, ist in einem für seine starke Volatilität bekannten Marktbereich aber natürlich kein einmaliges Phänomen. Amerikanische Nebenwerte weisen in der Regel eine Marktkapitalisierung von weniger als zwei Milliarden Dollar auf. Für die im Russell Microcap Index notierten Firmen reicht die Marktkapitalisierung von 24 Millionen bis 750 Millionen Dollar, wobei das durchschnittliche Microcap-Unternehmen 287 Millionen Dollar schwer ist. Alle im Microcap-Index enthaltenen Unternehmen machen zusammen nicht einmal drei Prozent des gesamten amerikanischen Aktienmarktes aus.

          Microcaps von der Kreditkrise besonders stark getroffen

          Marktbeobachtern zufolge hatten Microcaps in den vergangenen zwölf Monaten unter mehreren Faktoren zu leiden. Kleinere Unternehmen werden vor allem mit höheren Risiken assoziiert, häufig zu Recht, da sie in der Regel jünger, weniger stark etabliert und weniger diversifiziert sind - der Großteil ihrer Gewinne hängt häufiger von einem einzelnen Produkt oder einem einzelnen Kunden ab. In unsicheren Zeiten neigen Anleger dazu, diese Aktien zu Gunsten größerer und stabilerer Unternehmen abzustoßen oder sich komplett aus Aktien zurückzuziehen und ihr Geld in Anleihen oder Rohstoffe umzuschichten.
          Im zurückliegenden Zwölfmonatszeitraum hatten risikoscheue Anleger natürlich noch weitere triftige Gründe, größere Unternehmen zu bevorzugen. So gibt es beispielsweise viele kleine Finanzgesellschaften, meistens winzige Regionalbanken, aber vergleichsweise wenige kleine Energieunternehmen. Und während Energieunternehmen infolge des starken Ölpreisanstiegs in den vergangenen Monaten in die Höhe schossen, litten Bankaktien unter der anhaltenden Kreditkrise. „Die Unterschiede in der Kursentwicklung von Finanz- und Energietiteln waren wirklich dramatisch“, sagt Christian Anderson, Portfoliomanager bei Russell Investments.

          Zudem wirkte sich die Dollarschwäche positiv auf amerikanische Unternehmen mit starken Auslandsgeschäften aus. „Die Erlöse der meisten kleinkapitalisierten Unternehmen werden größtenteils in den Vereinigten Staaten generiert“, sagt Steven Rogé, Portfoliomanager des Rogé Partners Fund. „Viele Anleger bevorzugten Investments in Großunternehmen mit globalen Aktivitäten.“

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