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Anlagestrategie & Krise : Aktien schuldenfreier Unternehmen bevorzugen

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Bild: Bloomberg

Die Finanzmärkte spielen verrückt. Die Kurse fallen immer weiter, obwohl die Bewertungen optisch günstig aussehen. Doch hinter den Gewinnschätzungen stehen viele Fragezeichen und es gibt Refinanzierungsprobleme. Das spricht für schuldenfreie Unternehmen.

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          Die Kreditkrise zieht weiterhin ihre Kreise. Die damit verbundene hohe Risikoaversion lässt die Aktienkurse weltweit immer tiefer fallen. Selbst von optisch inzwischen oftmals sehr tiefen Bewertungen lassen sich die Anleger bisher nicht aus der Reserve locken. So ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis der Dax-Vertreter nach Berechnungen der Commerzbank mittlerweile im Schnitt auf nur noch 1,1 gefallen.

          Doch die Anleger fragen sich, was ist eine tiefe Bewertung wert, wenn die Gewinne wegen der zu erwartenden Rezession vermutlich stark einbrechen werden. Gleichzieitig sorgt man sich um die Refinanzierungsmöglichkeiten der Unternehmen, nachdem sich die Banken selbst untereinander kaum noch Geld leihen. Weltweit sind viele Gesellschaften wegen der ausgetrockneten Kreditmärkte zuletzt in akute Refinanzierungsschwierigkeiten geraten.

          Eine starke Bilanz hilft in schwierigen Zeiten

          Dieses Umfeld spricht für eine auf „Value“ ausgerichtete Anlagestrategie. Diese bevorzugt Unternehmen mit einer nur geringen oder keiner Verschuldung und möglichst hohen Barmitteln. Auch Clariden Leu-Analyst Markus Bächtold rät aktuell dazu, „Unternehmen mit stabiler langfristiger Finanzierung und geringer Verschuldung zu bevorzugen.“ Weil zyklische Werte trotz tiefer Bewertung nach wie vor anfällig für schlechte Nachrichten seien, laute derzeit die Devise, defensiv zu bleiben und zyklische Sektoren zu reduzieren.

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          Allerdings wäre es fahrlässig zu glauben, eine starke Bilanz alleine würde im aktuellen Umfeld eine Aktie vor Kursverlusten schützen können (siehe Grafik zur Sektorperformance). So wurde in den turbulenten vergangenen Börsenwochen wahllos praktisch alles zu Ausverkaufspreisen auf den Markt geworfen. „Viele Unternehmen mit starker Bilanz, hoher Dividendenrendite, hohen Geldeinnahmen (Free Cash Flows) und traditionell geringerer Konjunkturabhängigkeit konnten sich der Abwärtsspirale nicht entziehen und verzeichneten zeitweise sogar größere Verluste als zyklische Werte mit hohem Fremdkapitalanteil“, erklärt Bächtold ein.

          Wie der Clariden Leu-Analyst weiter verrechnet, könnten sich einige der defensiven Qualitätswerte inzwischen mit dem operativen Cash Flow über die nächsten fünf bis sechs Jahre komplett von der Börse zurückkaufen. Unter diesen Werten befinden sich Namen aus der Pharma-, der Nahrungsmittel- und der Telekomindustrie. Sie sind dank starker Bilanz und stabilen Cash Flows zudem verhältnismäßig wenig von der Kreditkrise betroffen.

          Gewinnschätzungen dürften noch weiter sinken

          Anders als zyklische Werte dürften diese Titel auch weniger stark von der kommenden Konjunkturschwäche getroffen werden. Im Schnitt sind die Gewinnschätzungen (siehe Grafik zu den Gewinnaussichten) noch immer relativ hoch, zumal sich die Hinweise auf eine nachlassende konjunkturelle Dynamik mehren (siehe Grafik zur Kapazitätsauslastung). Hinzu kommt die Tatsache, dass die gestiegenen Refinanzierungskosten die Ergebnisausweise belasten.

          Das bedeutet vermutlich noch weiteren Korrekturbedarf nach unten. Solange jedoch die Gewinnschätzungen sinken, dürften es besonders zyklische Werte schwer haben an der Börse, da hier wahrscheinlich besonders hoher Anpassungsbedarf besteht. Diese Perspektive spricht für eine Übergewichtung defensiver Werte mit einer stabilen langfristigen Finanzierung und einer geringen Verschuldung (siehe Tabelle mit Unternehmen ohne Verschuldung).

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