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Anlagestrategie : Kreditkrise und kein Ende?

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Die Kreditkrise bewegt die Kurse Bild: dpa

Die Kreditkrise und die dadurch ausgelöste Unsicherheit bei den Anlegern scheint kein Ende zu finden. Was könnte die Misere aufhalten? Eine Zinssenkung der Fed um einen vollen Prozentpunkt, meint ein Experte.

          Seit vergangenem Sommer, als Verluste mit zweitrangigen Hypothekenkrediten zu Turbulenzen an den Kreditmärkten und zu Talfahrten der Aktienkurse führten, beschäftigt die Suprime-Krise die Anleger. Zu Herbstbeginn „dachten viele Menschen, dass das Schlimmste nun mehr oder weniger überstanden wäre“, sagt John Merrill von Tanglewood Capital Management. Doch dann wurde „Runde zwei“ eingeläutet.

          In den zurückliegenden drei Wochen sind die maßgeblichen amerikanischen Aktienindizes wieder in die Knie gegangen. Der marktbreite S&P-500 hat im bisherigen Monatsverlauf fast sechs Prozent verloren und damit nahezu alle in diesem Jahr erzielten Gewinne wieder abgegeben. Und zu den Verlieren zählen nicht nur Finanzaktien: Der technologielastige Nasdaq-Index, der in den vergangenen Monaten einen starken Anstieg verzeichnete, büßte im November knapp acht Prozent ein.

          „Die Angst vor riskanten Vermögenswerten ist groß“

          Ausgelöst wurden die neuerlichen Einbrüche von Meldungen über Milliardenabschreibungen großer Finanzkonzerne wie Merrill Lynch und Citigroup. Seitdem hat sich am Markt düstere Stimmung breit gemacht. Nachdem sich die Bedingungen an den Kreditmärkten weiter verschlechtert haben, sind die im Oktober berichteten gewaltigen Verluste mit Kreditderivaten zwischenzeitlich wahrscheinlich sogar noch höher.

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          Die Furcht der Anleger vor riskanten Vermögenswerten ist so groß, dass sie ihre Gelder haufenweise in sichere amerikanische Staatsanleihen umschichten. Angesichts des enormen Volumens dieser Mittelzuflüsse rentieren zweijährige Staatspapiere mittlerweile nur noch mit rund drei Prozent und können damit kaum mit der Inflation Schritt halten. „Die Angst ist groß“, sagt Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Avalon Partners. Sie habe derartige Ausmaße angenommen, dass der Markt an den Punkt gelangen werde, an dem er unweigerlich feststellen müsse, dass „das Ende der Welt nicht eingetreten ist“, so Cardillo.

          Das Problem: Um einen Umschwung der Marktstimmung auszulösen, bedarf es guter Nachrichten. „Im Moment sehe ich keine neuen Auslöser, die diesen Umschwung herbeiführen würden“, so Cardillo.

          Weihnachtssaison als Stimmungsaufheller?

          Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Subprime-Krise haben sich zerschlagen. „Besonders deprimierend ist die Tatsache, dass wir zu keinem Zeitpunkt das genaue Ausmaß der Subprime-Probleme beziffern konnten“, meint Georges Yared von Yared Investment Research. Ihm zufolge werden die schlechten Nachrichten wahrscheinlich bis ins Jahr 2008 hinein weiterhin nach und nach eintrudeln.

          Was könnte die Talfahrt der Aktienmärkte stoppen? Es gibt einige Auslöser, die zur Stimmungsaufhellung der Anlegergemeinde führen könnten, allerdings allesamt ohne Gewähr auf Erfolg.

          Da wären zunächst die Weihnachtseinkäufer, die positive Signale für die Wall Street aussenden könnten - sofern sie sich spendierfreudig zeigen. Richard Sparks von Schaeffer's Investment Research zufolge dürfte ein guter Start in die Weihnachtssaison „für einen Seufzer der Erleichterung an den Märkten sorgen“. Doch nach Ansicht von Sparks könnte diese für Einzelhändler alles entscheidende Saison unter den Sorgen der Verbraucher über sinkende Eigenheimpreise oder steigende Lebensmittel- und Energiepreise leiden.

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