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Anlagestrategie : Die Misere des Value-Investors

  • -Aktualisiert am

Value-Fonds-Manager haben eine Selbsthilfegruppe notwendig, witzelte Bill Miller, Chef der Legg Mason Capital Development, in einem Rundschreiben an seine Anleger Bild: Reuters

Der Value-Investor Bill Miller war lange ein Star an der Wall Street. Nun ist der legendäre Legg-Mason-Fondsmanager in ein Erfolgstief gestürzt und bringt das gesamte Konzept in Bedrängnis. „Das ist ein Bill-Miller-Problem, kein Value-Problem“, sagen die Verteidiger der Value-Strategie.

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          Als Value-Investor hat man es derzeit nicht leicht. Die wertorientierte Anlagephilosophie zielt darauf ab, die Performance des Aktienmarktes zu schlagen, indem in unterbewertete Unternehmen investiert wird, die häufig mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt werden.

          Dieser Anlagestil wurde von Benjamin Graham entwickelt und von Berkshire-Hathaway-Chef Warren Buffett meisterlich zelebriert, doch eine den größten Erfolgsgeschichten war - zumindest bis vor wenigen Jahren - der Investmentfondsmanager Bill Miller.

          Zwischen 1990 und 2005 überflügelte der von Miller verwaltete Legg Mason Value Trust Fund den breiten Markt 15 Mal in Folge, sammelte Anlagegelder in Milliardenhöhe ein und bescherte den Fondsanlegern hohe Erträge.

          Warren Buffett ist der große Star unter den Value-Investoren. Die Hauptversammlung seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway lockt Tausende Anleger

          Doch die Zeiten haben sich geändert. Millers Fonds hat im bisherigen Jahresverlauf 29,3 Prozent und in den vergangenen 12 Monaten 33,1 Prozent an Wert eingebüßt. Nachdem er im Jahr 2005 nur haarscharf über dem marktbreiten Aktienindex S&P-500 lag, blieb er 2006 um 10 Prozent, 2007 um 12 Prozent und in den ersten sieben Monaten dieses Jahres um 16,6 Prozent hinter dem Markt zurück.

          Millers Vorzeigefonds liegt weit zurück

          Nach Angaben des Fondsanalysehauses Morningstar ist Legg Masons Flagschiff-Fonds - einst einer der besten Fonds der Welt - in seiner Kategorie mittlerweile der Fonds mit der schlechtesten Wertentwicklung.

          In einem Rundschreiben an die Fondsanleger witzelte Miller, dass er und andere Vertreter dieses Anlagestils eine Selbsthilfegruppe für Value-Investoren nötig hätten. „Es scheint, dass wir ein 12-Stufen-Programm benötigen, das uns von unserer Abhängigkeit kuriert, gebeutelte Aktien zu Kursen zu kaufen, die nach unserer Einschätzung weit unterhalb ihres inneren Wertes liegen“, schrieb Miller.

          Miller klagte, dass die heutige Aktienmarktentwicklung nicht auf Fundamentaldaten basiere, sondern von Schlagzeilen getrieben werde. „Bewertung scheint keine Rolle zu spielen“, schrieb Miller weiter. „Alles dreht sich um Momentum und Trend“.

          Anleger ziehen Milliarden-Beträge ab

          Während Miller harsche Kritik von Wall-Street-Kommentatoren und Bloggern einstecken musste, zogen Anleger Milliardensummen aus seinem Fonds ab. Zu seinen besten Zeiten verwaltete Miller rund 23 Milliarden Dollar, gegenwärtig beläuft sich das Fondsvolumen auf 9,7 Milliarden Dollar.

          In einer am 31. Juli veröffentlichten Studie fasste Morningstar-Analyst Greg Carlson einige von Millers Investmentfehlern zusammen: Er unterschätzte die Auswirkungen der Kreditmarktturbulenzen auf die Finanzunternehmen. Mit seinen Prognosen über das Ausmaß der Abschwächung auf dem Häusermarkt lag er völlig daneben und so kaufte er Aktien von Bauträgergesellschaften nach ihrem ersten Einbruch im Jahr 2005. Miller ignorierte Papiere von Energieunternehmen, die in den zurückliegenden Jahren zu den wenigen Lichtblicken des Marktes zählten.

          Riskante Wetten

          Carlson zufolge würden Millers Probleme noch dadurch verschärft, dass er im Rahmen seines Anlagestils riskante Wetten mit starker Konzentration eingehe: Mit der vergleichsweise geringen Anzahl von Einzeltiteln in seinem Portfolio kann bereits ein einziges verlustreiches Investment - etwa das Papier von Freddie Mac, das in den vergangenen 12 Monaten um 86 Prozent einbrach - immensen Schaden verursachen.

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