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Anlagestrategie : Die Darvas-Methode - tänzerisch zum Anlageerfolg

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Mit Kursgewinnen von mehr als 400 Prozent in gerade einmal 18 Monaten verblüffte der ungarische Tänzer Nicolas Darvas in den 50-Jahren die Finanzwelt. Die verblüffend einfache Grundidee in Kurzfassung bei FAZ.NET.

          Der ungarische Tänzer Nicolas Darvas verblüffte Ende der 50er Jahre mit einer völlig neuen Anlagestrategie die Wall Street. Innerhalb von gerade einmal 18 Monate machte er aus 36.000 Dollar über zwei Millionen Dollar und wurde daraufhin von verschiedenen ungläubigen Börsenexperten und Neidern als Scharlatan bezeichnet.

          Durch zahlreiche Verleumdungen neidischer Börsianer wurde gar die New Yorker Staatsanwaltschaft auf Darvas aufmerksam und leitete Ermittlungen gegen ihn ein. Allerdings vergeblich, denn alles war mit rechten Dingen zugegangen. In seinem erstmals 1960 erschienenen Bestseller „How I Made 2,000,000 In The Stock Market“ beschreibt der Ungar auf packende Art und Weise seine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte.

          Verblüffend einfache Grundidee

          Die Grundidee seiner Anlagestrategie war verblüffend einfach. Denn Aktien, die er sich ins Depot legte, mussten lediglich bestimmte technische Kriterien erfüllen.

          Erstens sind nur solche Aktien Kaufkandidaten, die neue Höchstkurse verzeichnen. Bevorzugt werden dabei vor allem Papiere, die ein neues Allzeithoch vorweisen können. Die Begründung ist einleuchtend. Denn markiert eine Aktie neue Hochs, so existieren keine charttechnischen Widerstandslinien. Damit kommt auch kein Verkaufsdruck von Anlegern, die steigende Kurse zum Glattstellen ihrer Verlustposition nutzen wollen.

          Zweites werden nur Aktien gekauft, die hohe Börsenumsätze haben, denn nur liquide Werte geben dem Anleger ein hohes Maß an Sicherheit, beim Kauf und Verkauf jederzeit faire Kurse zu erhalten.

          Drittens muß ein Kaufkandidat einen starken Kursanstieg in den vergangenen Monaten vorweisen können, der darüber hinaus auch ohne große Zwischenkorrekturen vom jeweiligen Zwischenhoch vonstatten ging.

          Viertens gibt es keinen Grund eine steigende Aktie zu verkaufen, da die ausgewählten Aktien oft in ungeahnte Kursregionen vorstoßen. Die damit erzielten Kursgewinne können mehrere kleinere Verluste mit weniger erfolgreichen - also ausgestoppten - Aktien mehr als ausgleichen.

          Fünftens ist es nicht plausibel, Aktien zu halten, die ihren Zenit bereits überschritten hat. Durch gezielt gesetzte Stop-Loss-Aufträge werden derartige Aktien automatisch aus dem Depot befördert. Denn fällt eine Aktie unter ein bestimmtes Niveau, dann wird die Chance immer geringer, dass das Papier kurzfristig wieder neue Höchststände markieren wird.

          Sechstens zählt eine Position, die nach vier Wochen noch keinen Gewinn abgeworfen hat, zu den Fehlinvestitionen. Die wird es immer wieder geben. Viele Anleger gehen an dieser Sache zugrunde, weil sie zu früh an ihrer Strategie zweifeln.

          Als siebte Regel gilt: Man muß nicht immer investiert sein. Als guter Indikator für die Marktverfassung kann das Verhältnis zwischen der Anzahl von Aktien, die ein neues Hoch markieren und denen, die ein neues Tief verzeichnen, gelten. ATH/ATL, ist eine gute Möglichkeit, um zu ermitteln wie die Verfassung des Gesamtmarktes. Je geringer der Quotient ist, um so schlechter ist es um den Gesamtmarkt bestellt und umso weniger Grund gibt es investiert zu sein. Dieser Indikator ist jedoch nachrangig. Das heißt, wenn wirklich eine Aktie die erforderlichen Kriterien mustergültig erfüllt, kann trotzdem zugegriffen werden. Schließlich sind kurzfristige Bewegungen des Gesamtmarktes trotz aller technischer Hilfsmittel kaum zu prognostizieren.

          Die Grundregeln dürften natürlich nur die Eckpfeiler einer Strategie sein können. Darüber hinaus ist sehr wahrscheinlich noch ein bestimmtes Feintuning erforderlich, für das es aber keine eindeutigen Regeln geben kann. Hier dürrfte jeder Anleger seine eigenen Erfahrungen sammeln müssen. Auf der Suche nach Aktien, die den Kriterien entsprechen, dürfte es hilfreich sein, die Aktienmärkte anhand von Datenbanken regelmäßig und systematisch zu durchsuchen. Beispielsweise auf der Suche nach Aktien mit einem 52-Wochenhoch.

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