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Anlagestile : 2007: Ein Jahr für Substanz- oder Wachstumswerte?

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Bild: FAZ.NET

Während Substanzwerte in der jüngeren Vergangenheit den Ton angaben, könnten in diesem Jahr auf Wachstumswerte setzende Fonds zu neuen Ehren kommen. Auch Large-Caps sollte man nicht aus den Augen verlieren, meint S&P.

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          Anleger, die im vergangenen Jahr aus einem angesagten neuen Trend Kapital zu schlagen hofften, könnten sich am Ende vielleicht ein wenig wie Modeopfer gefühlt haben. Trotz gegenteiliger Prognosen überflügelte die Wertentwicklung von Substanzaktien auch 2006 jene der Wachstumsaktien, wie seit dem Platzen der Technologieblase vor sechs Jahren üblich. Nebenwerte konnten indes ihren Vorsprung gegenüber Standardwerten ausbauen.

          Das Jahr 2007 könnte aber aus der Reihe tanzen, weil andere Anlagestrategien womöglich eine Renaissance erfahren. Wachstumswerte könnten in diesem Jahr zu neuen Ehren kommen, sagen einige Analysten mit Blick auf deren Bewertung, während Standardwerte gegenüber Nebenwerten punkten könnten. Internationale Aktien, die 2006 am besten abschnitten, könnten Marktexperten zufolge auch im vor uns liegenden Jahr den Tross anführen.

          Nach Angaben des Finanzdienstleisters Lipper verzeichneten Investmentfonds mit Fokus auf amerikanischen Substanzwerten im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Gesamtrendite von 17,2 Prozent. Auf amerikanische Wachstumsaktien spezialisierte Fonds folgten deutlich abgeschlagen mit einer durchschnittlichen Gesamtrendite von 8,5 Prozent. Als beste Fondskategorie glänzten indes internationale Nebenwerte mit einer durchschnittlichen Rendite von 25,3 Prozent.

          Rückenwind für Wachstumswerte

          Der in den Vereinigten Staaten gegenwärtig von Substanzwerten angeführte Zyklus kommt aber allmählich in die Jahre, meint Joe Battipaglia, leitender Anlagestratege im Investmenthaus Ryan Beck. „Die durchschnittliche Dauer eines Value-Zyklus' beträgt nur zweieinhalb Jahre“, so Battipaglia. „Da der aktuelle Zyklus der Wertaktien bereits sechs Jahre anhält, wäre eine Trendwende also durchaus denkbar.“

          Doch der Zeitfaktor ist nicht alles. Eine Überbewertung der Wachstumsaktien, steigende Ölpreise und ein sinkendes Zinsniveau hatten zur Dominanz der Substanzwerte beigetragen, merkt Battipaglia an. Zuletzt gingen aber die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der Wachstumswerte jedoch zurück, während die der Substanzwerte stiegen, was den Wachstumsaktien nach Battipaglias Ansicht Rückenwind verleihen könnte.

          Andere Analysten sind nicht so überzeugt und empfehlen für dieses Jahr eine neutrale Haltung in der Frage „Substanz oder Wachstum“. Auch die vergangenen zwei Jahre waren für Anleger die einem bestimmten Investmentstil folgen eine heikle Sache, und 2007 dürfte sich nach Meinung dieser Analysten ähnlich gebärden. Als Joker fungierte der Energiesektor, die zweitgrößte Komponente auf der Seite der Substanzwerte.

          Abkühlung auf dem Energiemarkt?

          „Die Wertentwicklung von Substanzaktien hängt davon ab, welche Richtung die Ölpreise einschlagen“, meint Brian Gendreau, Anlagestratege von ING Investment Management. „Der Energiesektor zeigte sich zu Jahresbeginn sehr stark, dümpelte im Sommer vor sich hin und meldet sich plötzlich wieder mit überdurchschnittlicher Wertentwicklung zurück. Momentan halten wir die Argumente für und wider das Engagement in Wert- oder Wachstumsaktien daher für nicht zwingend.“

          Einige Marktbeobachter rechnen nach einem heißen Jahr 2006 mit einer Abkühlung des Energiesektors. Ashwani Kaul, leitender Research-Analyst bei Reuters Estimates, prognostiziert für 2007 in diesem Sektor ein Ertragswachstum von fünf Prozent nach stolzen 21 Prozent im Vorjahr. Ungeachtet der hohen Nachfrage aus China und Indien könnte das inoffizielle Ölpreisziel der OPEC von 60 Dollar pro Barrel die Gewinne der ölverarbeitenden Industrie zurechtstutzen, schreibt Kaul in einem Bericht.

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