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Anlagen : Vorsicht bei Indexfonds

Die Deutsche Bank vollzieht bei ihren ETF eine Kehrtwende Bild: REUTERS

Einfach den Index kaufen: So funktionieren Indexfonds, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Doch in vielen Fonds ist nicht drin, was draufsteht.

          Dass die Finanzbranche die Anleger zuletzt mit großartigen Innovationen beglückt habe, lässt sich nicht unbedingt behaupten: Verbriefungen, Kreditausfallversicherungen, Hypothekenpapiere – alles, was sich die Banker so einfallen ließen, machte die Dauerkrise der vergangenen Jahre am Ende nur noch schlimmer. Mit einer Ausnahme: Durch die Entwicklung von Indexfonds (ETF) haben die Banken Anlegern tatsächlich einen Dienst erwiesen. Denn jeder ETF folgt einem leicht verständlichen Prinzip: Der Fonds bildet schlicht die Wertentwicklung eines Aktienindex wie des Dax nach. Legt der Dax um drei Prozent zu, gewinnt auch der ETF drei Prozent. Gibt der Dax dagegen um drei Prozent nach, verliert der ETF ebenfalls drei Prozent.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ein genial einfaches Konzept, das den Nerv vieler Anleger trifft: Allein in Europa sind nach Angaben der Deutschen Bank derzeit fast 290 Milliarden Euro in Indexfonds investiert – dies sind rund 80 Milliarden Euro mehr als noch zwei Jahre zuvor. Und nach dem Willen der Banken und Fondsgesellschaften soll es 2014 noch einmal deutlich mehr werden. Denn nun, so tönt es allenthalben aus den Bankentürmen, werde das an sich schon simple Konzept noch einmal vereinfacht. Bislang nämlich hatten immer noch einige Anbieter (allen voran die Deutsche Bank) den Anlegern lediglich zugesagt, dass sich der Wert ihres ETF genauso entwickelt wie beispielsweise der Dax. Das bedeutete aber nicht unbedingt, dass die Investmenthäuser tatsächlich Dax-Aktien kauften, um den gleichen Zuwachs wie der Index zu erzielen. Stattdessen machten sie komplexe Gegengeschäfte mit anderen Banken (sogenannte Swap-Geschäfte), durch die sie sich quasi die Wertentwicklung des Dax einkauften.

          Ist wirklich drin, was draufsteht?

          Ein Ansatz, der vielen Anlegern suspekt erscheint, seitdem Europa sich vor immer neuen Bankenkrisen fürchtet. Die Investoren entscheiden sich lieber für ETF, bei denen der Anbieter die Aktien tatsächlich kauft – ein Grund, warum nun auch die Deutsche Bank zum Jahresanfang eine Kehrtwende vollzieht. Die großen Investmenthäuser (iShares hat dies schon immer so gemacht) folgen bei ihren ETF jetzt dem Motto: Wir investieren genau in die Aktien, die zu einem Index gehören. Mit einem Satz: Was draufsteht, ist auch drin.

          Doch so gut dies auch klingt: Der Satz ist falsch. Und auch risikoloser als vorher sind diese Indexfonds (in der Fachsprache als „physisch replizierend“ bezeichnet) keineswegs. Um das zu verstehen, muss man sich ein wenig mit den Bauplänen beschäftigen, nach denen die Investmenthäuser die ETF zusammenzimmern. Eine wichtige Rolle dabei spielt das sogenannte „Sampling“. Damit ist gemeint: In vielen Fällen kaufen die Gesellschaften gerade nicht alle Aktien, die in einem Index notieren. Stattdessen stellen sie ein Portfolio zusammen, das einen Börsenindex „repräsentieren“ soll, wie sie dies nennen. Im Klartext: Gerade bei Indizes mit Hunderten von Werten wie dem Weltaktienbarometer MSCI World oder dem amerikanischen S&P500 investieren die Anbieter nur in eine bestimmte Auswahl gut handelbarer Aktien, schwerer handelbare Titel bleiben außen vor. Dies können durchaus bis zu hundert Werte sein.

          Die Idee dabei: „Die Banken versuchen mit statistischen Verfahren jene Aktien zu bestimmen, die sich möglichst genauso wie der gesamte Index entwickeln“, sagt Ali Masarwah vom Analysehaus Morningstar. „So setzt sich der Investor am Ende aber wieder dem Risiko aus, dass er durch den ETF eigentlich umgehen wollte – er macht sich von einer Vorauswahl des Anbieters abhängig.“

          Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein

          Zwar ist es den Fondsgesellschaften bislang meist gelungen, die Abweichungen gering zu halten. Aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Auch vor einer anderen Unsicherheit sind die Käufer dieser ETF-Variante keineswegs gefeit. Das „Kontrahentenrisiko“ (also die Sorge, beim Ausfall einer anderen Bank ebenfalls Geld zu verlieren), existiert nämlich nicht nur bei Swap-ETF. Denn Fonds, die die Aktien tatsächlich kaufen, lassen die Papiere danach nicht einfach im Portfolio ruhen. Stattdessen verleihen sie die Aktien für kurze Zeit an andere Marktteilnehmer weiter – zum Beispiel an Hedgefonds, die damit auf fallende Kurse spekulieren. Die verkaufen die geliehenen Aktien, hoffen auf einen sinkenden Kurs und kaufen die Papiere dann zurück. An den ETF-Anbieter überweisen sie zudem eine Leihgebühr und hinterlegen andere Wertpapiere als Sicherheit.

          Wenn alles gutgeht, ist das ein hübsches Zusatzgeschäft für die Gesellschaften. Verspekuliert sich ein Hedgefonds aber so stark, dass er in Schieflage gerät, kann dies am Ende auch den ETF treffen. Denn es ist keineswegs unüblich, bis zu zehn Prozent der Aktien aus einem ETF-Portfolio zu verleihen.

          Also nun Finger weg von allen Indexfonds? Natürlich nicht. Aber Anleger sollten bei der Auswahl eben nicht allein die Gebühren in den Blick nehmen, sondern sich der zusätzlichen Risiken bewusst sein und auf den Internetseiten der Anbieter nachschauen. Nur so erfahren sie, ob sich im ETF tatsächlich das befindet, was draufsteht.

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