https://www.faz.net/-gv6-11wu8

Anlagemodelle : Strategien von Stiftungen divergieren

Der Stiftungsfonds der Yale-Universität verdiente Geld mit Hedge-Fonds Bild: AP

Amerikanische und deutsche Stiftungen unterscheiden sich erheblich in der Art der Kapitalanlage: In Amerika müssen hohe Ausschüttungen generiert werden. Deutsche Stiftungen hingegen sind vor allem dem Kapitalerhalt verpflichtet.

          2 Min.

          Die 40 amerikanischen Milliardäre, die einen erheblichen Teil ihrer Mittel spenden wollen, haben zwar nicht detailliert mitgeteilt, wie sie ihr Vermögen zu verwenden gedenken. Aber es steht zu erwarten, dass nicht wenige entweder Stiftungen gründen werden oder das Geld bestehenden Stiftungen zukommen lassen. Die Gründung gemeinnütziger Stiftungen durch vermögende Privatpersonen ist in Amerika wie in Deutschland populär. Allerdings unterscheiden sich amerikanische und deutsche Stiftungen erheblich in der Art der Kapitalanlage.

          Der Stiftungsfonds der amerikanischen Ostküstenuniversität Yale kann sogar für sich beanspruchen, ein weit über Stiftungen hinaus populäres Anlagemodell erfunden zu haben. Als viele amerikanische Großanleger in ihren Portfolios überwiegend Standardaktien und Anleihen großer Emittenten hielten, beschloss der Yale-Vermögensmanager David Swenson, einen wachsenden Teil des Stiftungsvermögens in Hedge-Fonds, in Fonds für Wagniskapital (Venture Capital) und Beteiligungskapital (Private Equity) sowie in Wälder zu investieren.

          Gemeinnützige Stiftungen gewinnen an Bedeutung

          Weil Yale mit diesem Modell über viele Jahre eine Rendite von mehr als 15 Prozent im Jahr erzielte, wurde es vor allem in den Jahren 1998 bis 2008 vielerorts kopiert. Mittlerweile sind an dieser Strategie aber Zweifel entstanden, weil sich der Yale-Fonds in den vergangenen Jahren als ebenso wenig krisenfest erwiesen hat wie die meisten anderen Anlageformen.

          Immerhin sorgte das Yale-Modell dafür, dass viele amerikanische Stiftungen über ihre Kapitalanlage nachdachten. Bis dahin war diese oft wenig professionell gewesen, zum Beispiel durch eine Konzentration auf wenige Aktienwerte. Die Emory University in Atlanta erhielt unter Spöttern den Beinamen „Coke University“, weil ihr Stiftungsfonds sehr stark in Aktien von Coca-Cola investiert war.

          Diese amerikanischen Stiftungen („Private Foundations“) sind durch Vorschriften gehalten, mindestens 5 Prozent des Stiftungsvermögens sowie einen Teil der erzielten Kapitalgewinne jährlich auszuschütten. Diese straffen Vorgaben begünstigen eine aggressive Anlagepolitik unter Inkaufnahme hoher Risiken. Denn die verlangten Ausschüttungen wären zum Beispiel alleine mit soliden Staatsanleihen nur möglich, wenn auf das Stiftungskapital zugegriffen wird. Rund ein Drittel der Ausgaben der Yale University werden durch den Stiftungsfonds finanziert, dessen Größe innerhalb von 25 Jahren von einer auf 16 Milliarden Dollar gestiegen ist.

          In Deutschland gewinnen gemeinnützige Stiftungen ebenfalls an Bedeutung. Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat Ende 2009 immerhin 17.372 Stiftungen gezählt, davon alleine 914 Neugründungen im Jahr 2009. Es sind nicht zuletzt ältere Unternehmer ohne direkte Nachkommen, die Stiftungen gründen. In amerikanischen Stiftungen sind umgerechnet rund 350 Milliarden Euro angelegt, in Deutschland mit rund 17 Milliarden Euro deutlich weniger.

          Kapital mündelsicher anlegen

          Es gibt aber auch in Deutschland Stiftungen mit einem Kapital jenseits der Milliardengrenze. Für Ende 2008 wird für die Robert Bosch Stiftung ein Kapital von 5,2 Milliarden Euro genannt. Für die Dietmar-Hopp-Stiftung waren es 2,9 Milliarden Euro und für die Volkswagen-Stiftung 2,4 Milliarden Euro. Die meisten deutschen Stiftungen sind aber sehr viel kleiner und besitzen ein Kapital von weniger als einer Million Euro.

          Dieses Kapital ist mehrheitlich in sicheren Zinspapieren wie Bundesanleihen und Pfandbriefen angelegt, bei den größeren gerne auch in Immobilien, aber schon sehr viel weniger in Aktien. Hierfür sind zum einen die gesetzlichen Regeln verantwortlich, die von den deutschen Stiftungen in allererster Linie den Erhalt des Stiftungskapitals fordern. Außerdem erinnern sich viele ältere Leiter von Stiftungen an den bis in die neunziger Jahre existierenden Zwang, das Kapital ausschließlich mündelsicher anzulegen. Dies begünstigt sehr konservative Anlagen.

          Das Yale-Modell ist wegen der gesetzlichen Regelungen und der Furcht vieler Stiftungsleitungen vor einer etwas riskanteren Anlagepolitik nie populär geworden. Die Versuche von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften, von deutschen Stiftungen Mittel einzuwerben, waren selbst in den guten Jahren vor der Krise nicht sehr erfolgreich. Viele kleine Stiftungen können ihr Vermögen ohnehin nicht breit streuen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Individuelle Mobilität : Ein Lob auf das Auto

          Einst galt das Auto als des Deutschen liebstes Kind, jetzt tut mancher so, als trage es die alleinige Schuld am Weltuntergang. Die überwältigende Mehrheit der Bürger aber will und kann nicht auf das Auto verzichten.
          Kohle-Renaissance in China: Aus den Kühltürmen eines Kohlekraftwerks in Zhangjiakou steigt Wasserdampf auf.

          China, die EU und Amerika : Gegensätzlicher könnte Klimapolitik kaum sein

          Während die Europäer auf Klimaneutralität drängen, erlebt die Kohle in China eine Renaissance. In Amerika macht zumindest eine Entwicklung – etwas – mehr Hoffnung. Unsere Korrespondenten berichten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.