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Anlageidee Schwarmfinanzierung : Viele kleine Business Angels

Potentielle Geldgeber für Start-Ups Bild: AP

Private Anleger können ihr Geld jetzt in vielversprechende Startups stecken. Crowdinvesting heißt der neue Trend im Internet.

          Ronny Dentel ist ein Engel. Flügel hat er keine, aber dafür Geld, mit dem er einem kleinen Startup zum Fliegen verhelfen will. Dabei ist er erst 29 Jahre alt. Aber vor einigen Wochen hat der Betriebswirt aus Montabaur 500 Euro investiert: in Cosmopol, einen Onlineshop, der seinen Kunden Souvenirs aus 70 Reiseländern nach Hause liefert.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Noch vor einigen Monaten hätte Dentel sein Geld behalten müssen. In aufstrebende Jungunternehmen zu investieren blieb jahrelang Risikokapitalfonds oder Business Angels vorbehalten, also finanzstarken Privatleuten, die Gründer auch beim Aufbau ihrer Unternehmen beraten. Sie mussten mindestens fünfstellige Summen in die Hand nehmen. Heute können auch Privatanleger kleine Beträge direkt in ein Startup stecken und selbst zum Business Angel werden. Sogenannte "Crowdinvesting"-Plattformen im Internet vermitteln zwischen Firmen auf Kapitalsuche und vielen kleinen Investoren, der Crowd.

          Viele Anleger, viel Sammler

          Die Idee stammt aus der Szene der Kreativen und Kulturschaffenden. Auf amerikanischen Crowdfunding-Plattformen wie Kickstarter und Indiegogo sammeln sie schon seit ein paar Jahren fleißig Spenden von Internetnutzern - für Dokumentarfilme, Fotoausstellungen, Musikalben oder alternative Stadtmagazine.

          Als Gegenleistung erhalten die Unterstützer handsignierte CDs, eine exklusive Einladung zur Filmpremiere oder ein Band-T-Shirt gratis. In Amerika kamen 2010 rund 80 Millionen Dollar zusammen. Auch in Deutschland haben sich in den vergangenen zwei Jahren solche Plattformen etabliert: Sie heißen Startnext, Mysherpas oder Inkubato.

          Was der Kultur Geld einbringt, muss doch auch kommerzielle Geschäftsideen finanzieren und der Masse echte Rendite bescheren können, dachten sich findige Internet-Pioniere. Schon war das "Crowdinvesting" geboren. Hier kaufen die Kleininvestoren Anteile an Firmen und profitieren langfristig von deren Entwicklung, über eine Beteiligung an Gewinnausschüttungen und am Unternehmenswert.

          Investitionsvolumina mit fünf Stellen

          Im Ausland vermitteln Venture Bonsai aus Finnland, Crowdcube aus England oder C-Crowd aus der Schweiz schon länger zwischen Startups und Investoren. Die erste Plattform in Deutschland heißt Seedmatch und kommt aus Dresden. Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer und sein Team sammeln bis zu 100.000 Euro für ein Projekt ein. 1800 Nutzer sind schon registriert. Seit die Plattform im August an den Start ging, konnte sie zwei Jungunternehmen erfolgreich finanzieren: Neuronation, eine Online-Plattform für Gedächtnistraining, und eben Cosmopol, die Firma, die Ronny Dentel unterstützt.

          Die Cosmopol-Gründer stellten ein Video und einen Einnahmen-Ausgaben-Plan auf die Website und überzeugten mehr als 160 Investoren von sich. So nahmen sie nicht die avisierten 80.000 Euro ein, sondern mehr als 93.000 Euro. Investor Dentel wiederum, der selbst mal ein Unternehmen gegründet hat, kann über die Crowdinvesting-Plattform direkt mit Cosmopol in Kontakt treten - wenn er etwa Fragen zum Businessplan oder Quartalsreport hat. Da Dentel als Social-Media-Referent arbeitet, kann er den Gründern sogar Vorschläge machen, wie sie ihre Produkte besser bewerben.

          Unternehmens-Casting

          Zuvor hatte Dentel sein Geld klassisch angelegt. Er hatte ein paar Aktien, einen Fondssparplan, auch physisches Gold. Das Crowdinvesting soll nun ein neuer Baustein in seiner Anlagestrategie werden. "Es reizt mich, in einer frühen Phase in eine Geschäftsidee zu investieren", sagt Dentel. "So kann ich sie noch selbst beeinflussen und ganz nah dran sein." Bei seiner Investitionsentscheidung hat ihn das Gründerteam überzeugt: "Die Jungs waren mir sympathisch, ihr Konzept überzeugt mich. Sie wissen genau, was sie erreichen wollen."

          Nicht jedes Startup kann sich auf der Plattform präsentieren. Das Team von Seedmatch wählt aus Dutzenden Bewerbern geeignete Kandidaten aus. Sie prüfen, ob die Produktidee einen Markt hat, der Business- und Finanzplan realistisch sind und ob das Gründerteam Potential hat. Gemeinsam mit externen Experten, die Erfahrung als Business Angels mitbringen, legt Seedmatch dann den Wert des Unternehmens fest.

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