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Anlagebetrüger : Madoffs kleine Brüder

  • -Aktualisiert am

Ein Deutscher ist unter den Angeklagten, die in Amerika 1400 Anleger in sogenannten „Boiler-Room“-Geschäften um ihr Geld gebracht haben sollen. Die Klage wirft ein Licht auf den Kampf der SEC gegen eine häufige Form von Anlagebetrug.

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          Citi Wealth Asset Management. Dieser Name klingt renommiert und - mal abgesehen von den Auswirkungen der jüngsten Finanzkrise - grundsolide. Er suggeriert eine Beziehung zur Citigroup, einer der größten Banken der Vereinigten Staaten. Und er klingt nach reichen Privatkunden und gewieften Profianlegern, die große Vermögen an der Wall Street verwalten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Doch weit gefehlt. Citi Wealth Asset Management ist einer von 67 Namen auf einer Liste, mit der die amerikanische Börsenaufsicht SEC auf ihrer Internetseite vor Anlagebetrügern warnt. Aufgeführt sind dort die Namen von Organisationen, die Anlegern fälschlicherweise vorgaukeln, in den Vereinigten Staaten bei der Börsenaufsicht registriert zu sein. Damit sollen potentielle Investoren in Sicherheit gewiegt werden, wenn ihnen am Telefon oder über das Internet Aktien angedient werden. Bei den Aktien handelt es sich in der Regel um sogenannte Penny Stocks, Papiere mit extrem geringen Börsenwert, die nur im Freiverkehr außerhalb der regulären Börsen gehandelt werden. Diese Aktien sind seit langem ein Magnet für Betrüger.

          Dubiose Verkäufe im „Boiler Room“

          Die SEC will mit der erstmals im April des vergangenen Jahres veröffentlichten Liste einer Form von Anlagebetrug entgegenwirken, die nach Einschätzung der Behörde in den vergangenen Jahren die meisten Beschwerden von Anlegern hervorgerufen hat. Im Jargon der Wall Street heißen diese häufig kriminellen Vertriebsorganisationen „Boiler Room“ (Heizungsraum). Oft auf engem Raum sitzen dort Telefonverkäufer zusammen, die mit Hochdruck Aktien am Telefon feilbieten. Häufig genug haben die Telefonvertreter damit Erfolg.

          Erst in der vergangenen Woche hat die SEC in Chicago eine Klage gegen mehrere Anlageberater eingereicht, die 1400 Anleger in Deutschland, Großbritannien und anderen europäischen Ländern betrogen haben sollen. Einer der in der Klageschrift genannten Personen ist der 42 Jahre alte Deutsche Stefan B., der im vergangenen September auch die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Die Angeklagten sollen den Anlegern - darunter ältere und wenig erfahrene Personen - mit dubiosen Methoden und falschen Angaben am Telefon Aktien verkauft haben.

          Skrupellose Methoden

          Dabei handelte es sich um Papiere, die in den Vereinigten Staaten nicht registriert sind. Diese sogenannten Regulation-S-Aktien dürfen daher nur an ausländische Investoren verkauft werden. Zu den Aktiengesellschaften gehörten obskure Titel wie China Voice Holding, World Energy Solutions oder Essential Innovations Technology.

          Dafür kassierten die Angeklagten nach Angaben der SEC Transaktionsgebühren von rund 60 Prozent. Den Kunden wurde das natürlich nicht gesagt. Im Gegenteil. Die Telefonvertreter haben ihren Opfern fälschlicherweise erzählt, dass sie nur etwas verdienen, wenn auch der Anleger verdient. Die Methoden sind skrupellos. In einem Fall drohten die Vertreter zweifelnden Anlegern mit einer Klage, falls sie nicht die zuerst vereinbarte Zahl von Aktien ordern würden.

          30.000 Dollar pro Opfer ergaunert

          Der Umfang dieses Schwindels erscheint im Vergleich zum Milliardenbetrug des Börsenmaklers Bernard Madoff, der seine Anleger um insgesamt 50 Milliarden Dollar geprellt haben soll, gering. Die mutmaßlichen Betrüger aus Chicago haben seit März 2007 rund 44 Millionen Dollar von ihren Opfern eingenommen. Aber auch das sind immerhin noch 30.000 Dollar pro Opfer.

          Boiler-Room-Betreiber haben in der Regel eine geheime Beziehung zu den Unternehmen, deren Aktien empfohlen werden. In vielen Fällen investieren die Betrüger selbst in die zunächst illiquiden Aktien, für die kein Markt besteht. Nachdem die Kurse durch die Käufe der gewonnenen Anleger in die Höhe getrieben wurden, trennen sie sich wieder von ihren Anteilen. Vorsicht bei offiziell klingenden Namen ist jedenfalls geboten. Das ebenfalls nicht bei der SEC registrierte vermeintliche Wertpapierhaus Coleman Brothers behauptete gegenüber potentiellen Anlegern, von einer Securities Compliance Agency zugelassen zu sein. Bei der SEC, der Securities and Exchange Commission, ist eine solche Behörde allerdings nicht bekannt. Der knappe Kommentar der SEC: „Diese Gesellschaft gilt als erfunden.“

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