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Anlageberatung : Guter Rat ist billig

  • -Aktualisiert am

Geldanlage - auf wessen Rat kann man sich verlassen? Bild: ddp

Viele Menschen kommen gar nicht auf eine andere Idee, als sich von ihrer Hausbank beraten zu lassen. Das kann jedoch teuer werden. Wer umfassende Finanzberatung braucht, sollte zum Honorarberater gehen. Das spart Geld.

          3 Min.

          Angenommen, Sie wüssten, dass Ihr Steuerberater vom Finanzamt bezahlt wird. Würden Sie ihm dann noch glauben, dass er Ihre Steuerlast so weit wie möglich drückt? Blöde Frage, natürlich nicht. Wenn es aber um Finanzberater geht, stört es uns wenig, dass sie von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften üppig dafür bezahlt werden, uns bestimmte Produkte zu verkaufen. Noch schlimmer: Viele Menschen kommen gar nicht auf eine andere Idee, als sich von ihrer Hausbank beraten zu lassen.

          Da gebe es die Beratung schließlich unentgeltlich, heißt es oft. Genau das ist der Trugschluss. Denn die Beratung am Schalter bezahlt der Anleger oft damit, dass er am Ende überflüssige und überteuerte Produkte im Depot hat, für die im Hintergrund Provisionen fließen, von denen der Kunde gar nichts hat. Und oft nichts weiß.

          Kunden fühlen sich bei der Geldanlage oft schlecht beraten

          Verbraucherschützer klagen immer wieder, wie schlecht sich Kunden beraten fühlen, wenn es ums Geld geht. Banken bieten fast immer nur hauseigene Produkte an, an denen sie selbst mitverdienen. Auch die meisten Großvertriebe und Finanzberater handeln nach dem Prinzip: Hauptsache, die Provision stimmt. Dass der Kunde am Ende oft starre Fondsversicherungen im Depot hat, obwohl er einen flexiblen Fondssparplan wollte, ist das Ergebnis. "Provisionsberatung bedeutet immer einen Interessenkonflikt", regt sich Niels Nauhauser auf, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ein Berater könne nie Kunden- und eigene Provisionsinteressen gleichzeitig befriedigen. Deswegen ist der Verbraucherschützer "ein Fan der Honorarberatung".

          Die bedeutet im Idealfall, dass sich ein unabhängiger Berater anfangs zwei Stunden Zeit für den Kunden nimmt, ihm dafür etwa 300 Euro berechnet und dafür genau die Produkte ins Depot legt, die seinen Wünschen und seiner Risikoneigung entsprechen. Warum das dann andere sind als beim Provisionsberater? Weil sich ein echter Honorarberater für das Austüfteln der Strategie bezahlen lässt. Ausschließlich. Und nie für den Produktverkauf. Wenn er also einen Fonds oder ein Wertpapier wählt, dann, weil die Renditen gut und die Kosten niedrig sind. Da fallen komplizierte Fertigprodukte von Banken und Investmentgesellschaften mit ihren hohen Gebühren ganz oft durchs Raster.

          Der Kunde spart dabei eine Menge Geld: Wenn er in einen aktiv verwalteten Aktienfonds 50.000 Euro einzahlt, mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag und zwei Prozent Verwaltungskosten pro Jahr, legt er einmalig 2.500 Euro als Kaufprovision hin, weitere 1.000 Euro Managementgebühr im ersten Jahr und mehr als 1.000 Euro in jedem weiteren. Gute Berater dagegen stecken das Geld lieber in einen passiven Indexfonds ohne Verwaltungskosten und Ausgabeaufschlag - und verhelfen den Sparern über 30 Jahre mit Zins und Zinseszins zu 200.000 Euro mehr Vermögen.

          Umso erstaunlicher, wie wenige Menschen die Honorarberatung nutzen. Bisher waren es fast nur Anleger mit großem Vermögen. „Aber mit den neuen Gesetzen wird nun die gesamte Branche zusätzlichen Schub bekommen", hoffen die Verbraucherschützer. Zumal jetzt auch bekannte Namen wie die Quirin Bank ins Honorargeschäft eingestiegen sind. Allerdings mit happigen Gebühren.

          Dietmar Vogelsang müht sich die Idee schon seit 20 Jahren anzuschieben. Er ist vereidigter Sachverständiger, selbst Honorarberater und wollte einen Branchenverband gründen. Bei Verbraucherschützern rannte er damit offene Türen ein. Bei Kunden und Kollegen allerdings nicht: „Deshalb haben wir es wieder aufgegeben. Es gab viele, die es schon versucht haben, und noch mehr, die gescheitert sind."

          Das Hauptproblem: Deutsche Anleger haben eine ausgeprägte Abneigung, für die Beratung zu bezahlen. „Erstens haben die Banken uns jahrelang gelehrt, dass die nichts kostet. Zweitens sind wir einfach nicht für Zinseszinsrechnung geboren", sagt Martin Weber, Professor für Finanzwirtschaft, „wir überblicken nicht, dass 1,5 Prozentpunkte Gebühren über 30 Jahre 40 Prozent vom Ertrag ausmachen." Daran dürfte auch ein Urteil des Bundesgerichtshofs wenig ändern. Es verlangt, dass die Anbieter die versteckten Zahlungen offenlegen müssen. Auch die Abschlusskosten von Versicherungen müssen bald auf den Euro genau beziffert werden. Doch die Wirkung könnte verpuffen.

          Vorsicht: Begriff Honorarberater ist nicht geschützt

          Die Anleger haben kein Gefühl für die Kosten der Bankberatung, und kein Gefühl für den Nutzen der Honorarberatung. „Zudem", sagt Ökonom Weber, „haben Anleger ein Vertrauensproblem: Woher sollen sie wissen, ob ein freier Berater gut ist?"

          Mit der Einschätzung tun sich selbst Experten schwer. Kein Wunder, der Begriff Honorarberater ist nicht geschützt, jeder darf sich so nennen. Es gibt keine regulierte Ausbildung und viele dubiose Anbieter am Markt. Und es gibt keinen offiziellen Verband, der die Guten von den Schlechten trennen würde. Einen Anhaltspunkt bietet höchstens das Portal www.berater-lotse.de., das Vogelsang ins Leben gerufen hat. Es bündelt alle, die sich zu den Grundsätzen der Honorarberatung bekennen. Streng kontrolliert werden sie aber nicht.

          Zudem sind rund 1.000 Berater vom "Verbund der Honorarberater" gelistet. Doch anders als der Name suggeriert und die meisten Leute denken, ist die GmbH kein Branchenverband, sondern ein Privatunternehmen, das selbst vom Verkauf seiner Abrechnungssysteme für Berater lebt. Daher sind die Einträge mit Vorsicht zu genießen.

          Zumal ein Großteil der hier gelisteten Honorarberater zweigleisig unterwegs ist: Die wenigsten können von der Honorarberatung leben und bieten daher zusätzlich Beratung auf Provisionsbasis an. Für die Kunden ist das kein Vorteil, findet Nauhauser: „Jemand, der normalerweise auf der Provisionsseite steht, hat eine ganz andere Denke."

          Gewusst wie Einen guten Honorarberater finden

          1. Zertifizierte Finanzplaner in der Nähe findet man über die Website www.fpsb.de. Vorsicht: Rund die Hälfte von ihnen arbeitet für Unternehmen. Auch www.berater-lotse.de führt eine Liste. Verbraucherzentralen kooperieren zudem mit Beratern.

          2. Manche Berater berechnen nur die Beratungszeit. Normal sind dabei 80 bis 150 Euro pro Stunde. Bei Verbraucherzentralen kosten zwei Stunden 150 Euro. Manche Berater erheben noch 0,75 bis ein Prozent vom Vermögen als Verwaltungsgebühr. Zwei Prozent sind dagegen zu viel.

          3. Interessenten sollten fragen, ob der Berater aktive oder passive Fonds bevorzugt. Richtige Antwort: passive. Die sind deutlich günstiger.

          4. Der Berater sollte rein auf Honorarbasis informieren und keine Provisionen einbehalten. Fallen Provisionen an, muss er die direkt an den Kunden weitergeben.

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