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Probleme mit Griechen-Anleihen : Der NordIX-Fonds ist wieder geöffnet

Schlechte Erfahrungen mit Griechenland hat der NordIX-Fonds gemacht Bild: dpa

Der NordIX-Rentenfonds ist seit Mitte Januar geschlossen gewesen. Grund war vor allem sein Exposure in Griechenland. Seither hat sich einiges geändert.

          3 Min.

          Fast vier Monate haben Anleger ausharren und vielleicht auch Nerven bewahren müssen, bis ihr Rentenfonds nun offiziell wieder handelbar ist. Es geht um den NordIX Renten Plus (Isin DE000A0YAEJ1) des Hamburger Vermögensverwalters NordIX. Hier war die Rücknahme und Ausgabe der Fondsanteile Mitte Januar plötzlich bis auf weiteres ausgesetzt worden. Am Dienstag gab NordIX bekannt, dass der Fonds seit Montag wieder geöffnet und die Aussetzung der Anteilscheinrücknahme aufgehoben sei.

          Kerstin Papon
          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die Verwaltungsgesellschaft, die BNY Mellon Service Kapitalanlage-Gesellschaft, begründete die Aussetzung damals damit, dass das Fondsvolumen abgenommen habe, weil Anteilscheine zurückgegeben worden seien. Das Fondsvermögen umfasse auch Positionen, die vergleichsweise wenig liquide und in angespannten Marktphasen nur eingeschränkt handelbar seien.

          Aufgelaufen in Griechenland

          Im Detail ging es um die Ende Januar stattfindende Wahl in Griechenland, die laut NordIX Marktverwerfungen und Kursbewegungen auslösen könnte, die auch den Anteilspreis des Fonds beeinflussen würden. Auf Platz zehn der größten Fondspositionen befand sich damals ein griechischer Schuldschein (Portfolioanteil: 8,7 Prozent). BNY Mellon verwies generell auf Positionen, die der Fonds möglicherweise nicht oder zu nicht marktgerechten Preisen abbauen könne.

          Doch inzwischen hat sich einiges getan. Angesichts der aktuellen Ereignisse und unabhängig davon, ob Griechenland zahlungsfähig bleiben werde, habe man die Entscheidung getroffen, die im Fonds befindlichen Titel Griechenlands zu veräußern, heißt es nun von NordIX. Der Schuldschein habe im Kurs nachgegeben, als sich die Aussichten des Landes verschlechterten. „Wir halten es gleichwohl für richtig, einen überschaubaren Verlust auf einer einzelnen Position zu realisieren, wenn damit gleichzeitig das Risiko eines künftigen Zahlungsausfalls vermieden und auch das Liquiditätsprofil des Portfolios verbessert werden kann“, sagt Moritz Schildt, Vorstand von NordIX.

          Die Folgen auf den Anteilspreis seien Ende April in einem Preis von 111,66 Euro vollständig enthalten gewesen. Als Mitte Januar die Schließung des Fonds bekanntwurde, betrug der Anteilspreis noch etwa 119 Euro. In den Monaten März und April seien zudem umfangreich wenig liquide Titel veräußert worden, und es sei eine höhere Diversifikation des Portfolios erreicht worden, sagt Schildt. Die meisten der zehn größten Positionen hätten nun einen Anteil von 2 bis 3 Prozent am Fonds. Am stärksten gewichtet ist derzeit eine Staatsanleihe aus Zypern (5,6 Prozent) und eine nachrangige Anleihe des Versicherers Aegon (3,2).

          Auch künftig wolle man das Konzept beibehalten, renditestarke günstige Gelegenheiten im Rentenmarkt zu suchen, heißt es von NordIX. Zugleich würde die Liquidität der Titel und die Höhe der Einzelengagements sehr aktiv überwacht.

          Und wie haben die Anleger die Fondsschließung aufgenommen? „Unsere Investoren haben fast ausnahmslos verständnisvoll auf die vorübergehende Aussetzung reagiert“, sagt Schildt. „In dem Fonds sind überwiegend erfahrene Anleger investiert, die langfristig denken und verstanden haben, dass es letztlich im Interesse aller Anleger ist, wenn das Fondsmanagement in angespannten Marktphasen ohne akuten Handlungsdruck agieren kann und die Schließung zum Schutz des Fondsvermögens erfolgt ist.“

          Welche Reaktion erwartet er nun? „Wir gehen davon aus, dass der eine oder andere Investor seine Anteile zurückgeben wird, haben aber keine Anhaltspunkte und sehen auch keinen Grund für große Mittelabflüsse“, sagt Schildt. Man halte derzeit eine erhöhte Bargeldquote von fast 30 Prozent des Fondsvolumens und sei zuversichtlich, alle Rückgabewünsche ohne Schwierigkeiten erfüllen zu können.

          Im August 2014 führte der NordIX Renten Plus die Rangliste der besten Rentenfonds Europa, die das Analysehaus Lipper für die F.A.Z. erstellt, mit einem Wertzuwachs binnen drei Jahren von gut 40 Prozent an. Zuletzt lag der Fonds mit rund 25 Prozent im Plus. Das Fondsvolumen beläuft sich aktuell auf etwa 28 Millionen Euro, im August waren es noch 46 Millionen Euro.

          Seit Montag können die Fondsanteile direkt über BNY Mellon zum Nettoinventarwert (NAV) wieder zurückgenommen oder erworben werden. In der Zwischenzeit konnten Anleger ihre Anteile an den Börsen in Berlin, Hamburg, Hannover, München und Stuttgart handeln. Der preisfeststellende Makler sei von der geltenden Liquiditäts- und Ausführungsgarantie befreit, schrieben die Börsen Hamburg und Hannover auf ihrer Internetseite. Die Preisfeststellung erfolge je nach Orderlage und orientiere sich am NAV, könne aber darunter liegen. Im Tief wurden zum Beispiel in Hamburg Preise von 98 Euro gestellt.

          Zudem gab es laut NordIX Mitte April ein Kaufangebot für die Fondsanteile von Jus Auctoris, einer dem Vermögensverwalter unbekannten Gesellschaft, das einige Anleger verunsichert habe. Sie habe angeboten, Fondsanteile für 32,50 Euro zu kaufen. Dies sei weniger als ein Drittel des aktuellen Wertes je Anteilschein. Dieses Angebot sei von NordIX weder initiiert noch werde es unterstützt. In Anlegerforen wurde schon viel über diese Gesellschaft diskutiert. Ein Geschäftsmodell scheint es demnach zu sein, Wertpapiere weit unter Wert aufzukaufen.

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