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Analyse : Teures Öl bremst die Transportunternehmen aus

  • Aktualisiert am

Bild: RMT, CIBCWM

Die teure Energie schlägt bei vielen Transportunternehmen negativ durch. FedEx verbucht im vierten Quartal einen Verlust und reduziert die Gewinnprognose deutlich. Hohe Transportkosten verändern die regionale Wettbewerbsfähigkeit.

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          Neben der durch die Kreditkrise ausgelösten Konjunkturschwäche hinterlassen hohe Energie- und Rohstoffkosten inzwischen in der Wirtschaft ihre Spuren. Am Mittwoch zeigen sie sich in Form eines überraschenden Verlustes beim amerikanischen Logistik- und Transportunternehmen FedEx.

          Bei einem Umsatzzuwachs von 7,3 Prozent auf 9,15 Milliarden Dollar erzielte das Unternehmen einen operativen Verlust von 163 Millionen Dollar und einen Nettoverlust von 241 Millionen Dollar oder von 78 Cents je Aktie. Die durchschnittliche Anzahl von transportierten Gütern legte gerade einmal ein Prozent zu, da die Schwäche des Amerikageschäfts das bisherige Wachstum im internationalen Bereich negativ ausgleicht.

          Hohe Energiepreise schlagen durch ...

          Im gesamten, Ende Mai abgeschlossenen Geschäftsjahr lag der Umsatzzuwachs bei knapp acht Prozent auf 38 Milliarden Dollar, der Nettogewinn fiel dagegen um 44 Prozent auf 1,13 Milliarden Dollar oder auf 3,60 Dollar je Aktie. Für den Rückgang im Gesamtjahr beziehungsweise den Verlust im vierten Quartal sind einerseits Sonderabschreibungen verantwortlich, andererseits spielen nach Unternehmensangaben die hohen Energiepreise eine negative Rolle.

          Das Unternehmen geht aufgrund der amerikanischen Wirtschaftsschwäche und des hohen Ölpreises von einem schwierigen Jahr aus und prognostiziert einen Gewinn je Aktie zwischen 4,75 und 5,25 Dollar. Das ist deutlich weniger als die sechs Dollar, die der Markt bisher erwartet hatte. Das dürfte die Aktie bei Anlegern nicht gerade beliebter machen, nachdem sie schon auf Sicht eines Jahres 23 Prozent ihres Wertes verloren hat.

          An diesem Beispiel wird deutlich, wie stark die Energiepreise den Welthandel beeinflussen können. Sind die Transportkosten in den vergangenen Jahrzehnten aufgrund von Rationalisierungsmöglichkeiten sehr tief gewesen, so werden sie inzwischen maßgeblich beeinflusst von den hohen Kosten für Brennstoffe. Eine Studie der Canadian Imperial Bank of Commerce (CIBC) zeigt, dass der Treibstoff bei einem Ölpreis von 150 Dollar je Barrel für etwa die Hälfte der dann anfallenden Transportkosten verantwortlich ist.

          ... und führen zur Veränderung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit

          Kostet heute der Transport eines Standard-Containers von China nach Nordamerika rund 8.000 Dollar, so ist das mehr als das Doppelte dessen, was noch im Jahr 2000 dafür bezahlt werden musste. Sollte der Ölpreis gar auf 200 Dollar steigen, so würde alleine der Transport des Containers von Schanghai an die amerikanische Ostküste dann rund 15.000 Dollar kosten. Auf diese Weise verschöbe sich alleine über die Transportkosten die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Regionen.

          Mexiko könnte zum bevorzugten Standort für Unternehmen werden, die ihre Waren und Dienstleistungen in die Vereinigten Staaten verkaufen. Mittel- und Osteuropa hätten Vorteile im Verhältnis zu Asien, wenn es um die Belieferung der europäischen Märkte geht. In einer Welt, in der das Öl 100 Dollar und mehr kostet, ist nicht nur Zeit Geld, sondern auch die Distanz spielt eine größere Rolle als in der Vergangenheit.

          Auf diese Weise könnten viele Entwicklungen revidiert werden, die in den vergangenen Jahren den Welthandel beflügelt haben. Konnte er bisher von den globalen Unterschieden in den Arbeitslösen profitieren, so kommen nun die Transportkosten als zusätzlicher Faktor ins Spiel. Die traditionellen Logistikketten dürften das ebenso spüren, wie entfernte Wirtschaftsregionen, die bisher vor allem auf den Export gesetzt hatten. Das Exportwachstum dürfte abnehmen.

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          Unser Autor: Martin Benninghoff

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