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Amerikanischer Leitzins : „Wette nicht gegen die Fed!"

Fed-Vorsitzender Ben Bernake Bild: ASSOCIATED PRESS

Die Fed berät am Dienstag die Lage. Die Märkte zweifeln nicht an einer Zinssenkung und träumen schon von einer Jahresendrally, die dem Dax sogar seinen historischen Höchststand bringen könnte. Nur leise Stimmen fürchten Kursrückgänge.

          Senkt die Fed am kommenden Dienstag ihren Leitzins um 25 oder um 50 Basispunkte? Das ist die wichtigste Frage, mit der die Teilnehmer an den internationalen Finanzmärkten die neue Woche beginnen. Denn dass die Fed ihren Leitzins von derzeit 4,5 Prozent weiter zurücknehmen wird, gilt an den Märkten angesichts der immer noch nicht überwundenen Bankenkrise und der Furcht vor einem Einbruch des Wirtschaftswachstums in den Vereinigten Staaten als völlig gewiss.

          Die Entwicklung der amerikanischen Geldmarktzinsen deutet darauf, dass der Markt eine Rücknahme um 25 Basispunkte für die wahrscheinlichere Option hält. Fast noch wichtiger als die eigentliche Entscheidung werden die Stellungnahmen der Führung sein. Die Märkte sähen es gerne, wenn der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke schon eine weitere Zinssenkung in Aussicht stellen würde.

          Erwartung von Zinssenkung lässt Dax steigen

          Über die Gefahren für die Preisstabilität wird am Donnerstag und Freitag die Veröffentlichung von Novemberdaten für die amerikanischen Erzeuger- und die Verbraucherpreise Aufschluss geben. Die Bayern LB erwartet eine Inflationsrate bei den Verbrauchsgütern von 4,1 Prozent, was der höchste Wert seit Juli 2006 wäre. Ein großer Teil dieses Zuwachses ergäbe sich aus der Verteuerung von Benzin und Nahrungsmitteln.

          Was die Erwartung von Leitzinssenkungen an den Aktienmärkten zu bewirken vermag, ließ sich in den vergangenen Tagen beobachten: In Deutschland etwa überschritt der Dax am Freitag vorübergehend wieder die Marke von 8000 Punkten, und selbst technische Analysten, die vor vier Wochen noch unausweichlich eine große Baisse hatten kommen sehen, prognostizieren nun fröhlich eine Fortdauer der Hausse.

          Vorsichtige Stimmen fürchten Kursrückgänge

          Eine „Jahresendrally“, die vielleicht sogar noch einen historischen Höchststand des Dax - der bisherige wurde mit 8151 Punkten im Juli 2007 erreicht - bringen könnte, wird in immer mehr Banken für möglich gehalten. „Unsere Prognose für das Jahresende liegt bei 8200 Punkten“, heißt es beispielsweise in der Helaba. Die Stärke des Marktes verdeutlicht auch die Erholung des M-Dax, der mittelgroße Unternehmen vereinigt, und der zuvor sehr viel stärker zurückgegangen war als der die Standardwerte umfassende Dax. In Amerika ist es fast schon üblich, dass die Aktienkurse in der Woche vor Weihnachten und in den ersten Tagen des neuen Jahres zulegen.

          Nur wenige vorsichtige Stimmen sind zu hören, die fragen, ob denn eine Leitzinssenkung der Fed nicht längst in den aktuellen Aktienkursen eingepreist sei und daher statt zu steigenden Kursen zu Gewinnmitnahmen und Kursrückgängen führen könnte. So schreiben die Analysten der West LB: „Wir gehen davon aus, dass die Zinsentscheidung Enttäuschungspotential für die Aktienmärkte bereithalten sollte, und rechnen eher damit, dass sich die Vorzeichen für eine Jahresendrally zum Negativen verändern.“ Aber solche Stellungnahmen sind eher Ausnahmen.

          Fed scheut radikale Maßnahmen nicht

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