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Amerikanische Aktienmärkte : Schärferes Vorgehen gegen Hochfrequenzhändler

  • -Aktualisiert am

Fast schon Kunst: Datenanalyse für Hochfrequenzhändler Bild: Foto Unternehmen

Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman macht Fortschritte bei seiner Kampagne gegen superschnelle Computerhändler an der Wall Street. Andere Aufseher ziehen nach.

          Mehrere amerikanische Aufsichtsbehörden forcieren ihre Ermittlungen wegen möglicherweise unfairer Praktiken im millisekundenschnellen Wertpapierhandel. Die Terminbörsenaufsicht CFTC untersucht derzeit komplexe Absprachen zwischen sogenannten Hochfrequenzhändlern und den Terminbörsen CME und Intercontinental Exchange, die sich um Rabatte für die Ausführung von Wertpapieraufträgen drehen. Parallel untersucht die Börsenaufsicht SEC nach einem Bericht des „Wall Street Journal“, ob Börsen Hochfrequenzhändlern möglicherweise Vorteile gegenüber anderen Marktteilnehmern eingeräumt haben. Bei den Ermittlungen geht es um Softwareprogramme, die Aufträge der superschnellen Computerhändler möglicherweise bevorzugt behandeln.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Erst am Dienstag hatte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, Eric Schneiderman, eine schärfere Gangart gegen die Branche signalisiert. Schneiderman unterstellte amerikanischen Börsenkonzernen am Dienstag, dass sie die Hochfrequenzhändler auf Kosten von Privatanleger bevorteilten. „Anstelle die schlimmsten Bedrohungen durch Hochfrequenzhändler einzudämmen, richten sich unsere Märkte zu stark auf sie aus“, sagte Schneiderman. Der Generalstaatsanwalt kritisierte unter anderem, dass zahlungskräftige Hochfrequenzhändler ihre leistungsstarken Computer direkt in den Datenzentren der Börsen aufstellen dürfen, um die Zeit für die Datenübertragung zu minimieren. Die Börsenkonzerne ermöglichten diesen Wertpapierhäusern zudem direkten Zugang zu ihren Netzwerkrechnern mittels „ultraschneller“ Verbindungskabel.

          Die daraus resultierenden Zeitvorteile erlaubten Hochfrequenzhändlern, von Informationen zu profitieren, bevor der Rest des Marktes darauf reagieren könne, sagte Schneiderman. Er konzentriert sich bei seinen Ermittlungen auf die Dienstleistungen der Börsen an der Wall Street, die stark reguliert sind und auf die er starken Einfluss hat. Nach Schätzungen von Analysten sind Handelsmaschinen für rund 70 Prozent des Handelsvolumens an den amerikanischen Aktienmärkten verantwortlich. Befürworter des schnellen Computerhandels argumentieren, dass die Kosten für Wertpapiergeschäfte aufgrund des stärkeren Wettbewerbs auch für Kleinanleger gefallen sind. Ermittlungen von Staatsanwalt Schneiderman hatten zuletzt dazu geführt, dass Informationsdienste wie Thomson Reuters zahlenden Profianlegern keinen zeitlichen Vorsprung bei der Veröffentlichung von Finanzdaten mehr gewähren.

          800.000 Dollar in 100 Millisekunden

          Am Mittwoch gab Schneiderman bekannt, dass der kanadische Dienstleister Marketwired, der Presseerklärungen von Aktiengesellschaften verbreitet, diese Informationen nicht mehr direkt an Hochfrequenzhändler verkaufen wird. Marketwired teilte mit, das diese Entscheidung schon vor „jeglichen Diskussionen mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt“ gefallen sei. Schneiderman bezeichnet die Praktiken als „Insiderhandel 2.0“, also als fortgeschrittene Form illegaler Wertpapiergeschäfte auf Basis vertraulicher Informationen. „Mein Büro setzt sich dafür ein, einen fairen, stabilen und transparenten Markt zu gewährleisten“, sagte Schneiderman. Regulatorische Vorstöße von New Yorker Generalstaatsanwälten haben wie im Fall von Eliot Spitzer Anfang des vergangenen Jahrzehnts schon mehrfach zu Reformen an der Wall Street geführt.

          Im Februar hatte die Gesellschaft Business Wire, ein Konkurrent von Marketwired und eine Tochtergesellschaft des Konglomerats Berkshire Hathaway, ähnliche Praktiken unterbunden. Zu den Kunden von Business Wire gehören Nachrichtenagenturen, die die Presseerklärungen blitzschnell an ihre eigenen Abonnenten weiterverbreiten. Nachdem bekannt wurde, dass Hochfrequenzhändler diese Daten ohne Umwege über Agenturen beziehen konnten, schaltete sich Warren Buffett, der Vorstandsvorsitzende von Berkshire Hathaway ein, und stellte die Geschäfte nach Gesprächen mit Schneiderman ab. Computer von Hochfrequenzhändlern können Presseerklärungen verarbeiten und in Wertpapieraufträge umsetzen. Der Datenspezialist Nanex hatte berichtet, dass Hochfrequenzhändler in mindestens einem Fall die kurze Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung eines Quartalsberichts durch Business Wire und der weiteren Verbreitung durch die Nachrichtenagentur Bloomberg ausgenutzt haben. Die Zeitdifferenz belief sich auf knapp 100 Millisekunden. Das reichte nach Angaben von Nanex, um Aktien des Kosmetikeinzelhändlers Ulta im Wert von 800.000 Dollar zu handeln.

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