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Amerika : Die Inflation meldet sich zurück

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Bild: FAZ.NET

Die wichtigen amerikanischen Preismesser setzen zu einem Höhenflug über die kommenden Monaten an. Dies könnte die Fed veranlassen, ihre jüngsten Zinssenkungen noch einmal zu überdenken.

          Die jüngste Folge unausgegorener Inflationsberichte geht ihrem Ende zu. Der letzte wichtige Inflationsindikator für August, der Kettenpreisindex für private Konsumausgaben (PCE), der am 28. September veröffentlicht werden soll, wird das Ende der Reihe positiver Inflationskennzahlen für die Vereinigten Staaten markieren, die seit Beginn des freien Falls der Rohstoffpreise im August 2006 quasi eine Auszeit genommen hatten.

          Kurs gesagt, werden alle maßgeblichen amerikanischen Inflationskennzahlen im Laufe der kommenden drei Monate nach oben ausschlagen, da sie im Jahresvergleich nicht durch die Auswirkungen eines Hurrikan Katrina verzerrt werden und da die Rohstoffpreise vor kurzem kräftig zugelegt haben.

          Daten zum Vormerken: 12. Oktober, 17. Oktober

          Was die Kennzahlen der amerikanischen Binnenwirtschaft anbelangt, wird der erste wichtige Ausschlag der Inflation in dem für den 12. Oktober erwarteten Bericht zum Erzeugerpreisindex (PPI) zur Sprache kommen. Hier wird die Inflationsrate im Vorjahresvergleich von einem Tiefstand von 2,2 Prozent im August auf 4,1 Prozent im September klettern und bis Oktober die Marke von 6,0 Prozent erreichen.

          Mit dem so genannten „Katrina-Peak“ bei 6,9 Prozent erreichte diese Kennzahl 2005 ihren höchsten Stand, als der durch den Hurrikan verursachte Zusammenbruch der Infrastruktur der Ölindustrie im Raum New Orleans und Houston - der durch den Hurrikan Rita noch weiter verschärft wurde - bei den meisten Energie- und energieabhängigen Preisen für kräftige Zuwächse sorgte. Es dürfte wohl so manchen überraschen, wenn sich das im Jahresvergleich betrachtete Inflationstempo für die Erzeugerpreise mit rasanten Schritten auf den Katrina-Peak zubewegt, ohne durch einen Hurrikan oder eine andere Katastrophe begünstigt worden zu sein.

          Der Verbraucherpreisindex (CPI) wird dem gleichen Muster folgen. So wird der Bericht vom 17. Oktober im Jahresvergleich voraussichtlich einen Anstieg von 2,0 Prozent im August auf 2,8 Prozent im September verzeichnen. Im Oktober wird der Index in den Bereich von 3,6 Prozent vorstoßen und sich im November bei 3,9 Prozent ansiedeln. Der für diese Kennzahl zu erwartende Höhepunkt müsste sich unterhalb des durch Hurrikan Katrina bedingten Wertes von 4,7 Prozent einstellen, sofern es nicht zu einem weiteren nennenswerten Anstieg der Energiepreise kommt.

          Schleichende Inflation wird offensichtlich

          Nachdem der jährliche Kettenpreisindex PCE für August aller Voraussicht nach auf 1,9 Prozent sinken wird - was auf eine zu erwartende Abschwächung der Kerninflationsrate auf 1,8 Prozent (ausgenommen Nahrungsmittel- und Energiepreise) zurückzuführen wäre - wird diese Kennzahl bis November ebenfalls auf Drei-Monats-Basis einen Anstieg verzeichnen. Die Teuerungsrate wird dann bei 3,2 Prozent liegen. Im Vergleich hierzu betrug der durch Hurrikan Katrina bedingte Spitzenwert 3,9 Prozent.

          Auch für diesen neuen Höchstwert bedarf es nicht etwa besonderer Versorgungsengpässe wie im Falle Katrina, sondern ist lediglich eine Folge der saftigen Preisanstiege in den Vereinigten Staaten im Lauf der vergangenen acht bis zehn Monate, die sich mit geballter Wucht bemerkbar machen. Den monatlichen Berichten zufolge scheinen diese Anstiege nicht allzu dramatisch ausgefallen zu sein, da sie im Vergleich zu den Vorjahreszahlen betrachtet wurden, die ganz im Zeichen von Katrina standen.

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