https://www.faz.net/-gv6-7o1ek

Deutsche Landesbanken : Altmodisch als Erfolgsmodell

Beliebte Aussichtsplattform in Frankfurt: Der Helaba-Turm Bild: dpa

Trotz aller Unterschiede verdienen LBBW und Helaba wieder Geld. Sie sind inzwischen die beiden Landesbanken in Deutschland mit dem höchsten Gewinn.

          Die Landesbanken gelten seit Jahren als wunde Stelle im deutschen Bankenmarkt. Die Bundesländer und die regionalen Sparkassen mussten sie in der Finanzkrise als Eigentümer mit Milliardenbeträgen stützen. Im Fall der größten Landesbank war dies vergeblich: Die WestLB ging unter. Jedoch berichteten am Donnerstag zwei Landesbanken über ihre Geschäfte im vergangenen Jahr, die eine gesunde Entwicklung belegen: die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Bei den anderen Landesbanken sieht es weniger gut aus: HSH Nordbank und NordLB kämpfen mit Schiffskrediten, die Bayern LB musste ihrem Ungarn-Engagement Tribut zollen.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Ohne Kapitalhilfen ihrer Eigentümer hat die Helaba die Finanzkrise überstanden. Sie ist nun die ertragstärkste Landesbank, obwohl die Helaba vor der Krise noch als altmodisch belächelt worden war. Dem hält Vorstandsvorsitzender Hans-Dieter Brenner nun entgegen: „Die nachhaltige Ertragsstärke der Helaba ist weder zufällig noch selbstverständlich.“ Sie sei Resultat einer langfristig und systematisch angelegten Entwicklung. Das bedeutet keine komplexen Wertpapiere, wie sie der WestLB zum Verhängnis wurden, sondern konsequente Ausrichtung an den Kunden, enge Einbindung in die Sparkassen und konservatives Risikoprofil.

          Verwurzelung im Privatkundengeschäft

          Die Zahlen für 2013 geben Brenner Recht: Das Ergebnis vor Steuern blieb mit 510 Millionen Euro nur um 2 Millionen unter dem Rekordgewinn des Jahres 2012. Die LBBW verbesserte ihr Ergebnis vor Steuern um 18 Prozent, liegt aber mit 471 Millionen Euro hinter der Helaba zurück. Die Anteilseigner, neben den Sparkassen das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart, erhalten noch in dieser Woche eine Milliarde Euro zurück. Sie mussten die LBBW in der Finanzkrise mit 5 Milliarden Euro stützen. Mit weiteren Rückzahlungen können sie aber nicht rechnen. Das Beihilfeverfahren der EU sei abgeschlossen und die Verpflichtung, eine Milliarde Euro zurückzuzahlen, sei erfüllt, sagte der Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter. „Der Bescheid kann im Internet abgerufen werden“, antwortete er, als Zweifel aufkamen, ob die Eigentümer von dieser Haltung gewusst hätten. In früheren Jahren war immer die Rede davon gewesen, das Geld werde von diesem Jahr an schrittweise zurückgezahlt. Zur Begründung, warum nur ein Fünftel des Geldes zurückgezahlt wird, sagte Vetter, die Anforderungen an die Ausstattung mit Eigenkapital seien gestiegen.

          Was beide Landesbanken eint, ist die Verwurzelung im Privatkundengeschäft. Die Helaba ist an ihrem Standort mit der Frankfurter Sparkasse im klassischen Filialgeschäft vertreten, während die LBBW diesen Bereich mit ihrer Tochtergesellschaft BW-Bank abdeckt. Diese hat im vergangenen Jahr 100 Millionen Euro Vorsteuer-Ergebnis erwirtschaftet: „Das Geschäft ist stabil und risikoarm, das ist für die Bank schon ein Wert an sich“, sagte der LBBW-Vorstandsvorsitzende Hans-Jörg Vetter. Auch für die Helaba stellt die Frankfurter Sparkasse eine wichtige Ertragssäule dar. Zum Zinsüberschuss von 1,2 Milliarden Euro trug sie abermals ein Viertel bei. Doch musste die Frankfurter Sparkasse ihre indirekte Beteiligung an der Landesbank Berlin, die sich zur Berliner Sparkasse wandelt, abschreiben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kommt heute nach Berlin: Boris Johnson

          Johnson besucht Berlin : Warten auf ein erstes Blinzeln

          Der britische Premierminister Boris Johnson droht der EU mit einem harten Brexit und lockt mit vagen Zugeständnissen – doch in Brüssel und Berlin wächst nur das Unverständnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.