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Altersvorsorge : Ohne private Vorsorge droht Altersarmut

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Wie die Rentner versorgt sind: Verhältnis der Rente zum letzten Brutto-Einkommen (Ersatzquote), in Prozent Bild: Union Asset Management Holding AG

Viele Deutsche dürften im Alter nur wenig Geld haben. Oft reicht auch Riester-Sparen nicht. Dies zeigt der erste deutsche „Vorsorgeatlas“, der die regionalen Unterschiede in der Altersvorsorge in Deutschland darstellt.

          Vielen Beschäftigten droht ohne zusätzliche private Vorsorge im Alter eine Einkommenslücke. Diese Aussage untermauert nun ein erstmals erstellter „Vorsorgeatlas“, der die regionalen Unterschiede in der Altersvorsorge in Deutschland darstellt. „74,7 Prozent der Rentenbezieher wären ohne eine zusätzliche Altersvorsorge unterversorgt“, sagte Hans Joachim Reinke, Vorstandsmitglied der Fondsgesellschaft Union Investment, die bei Professor Bernd Raffelhüschen und dem Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte. „Ziel war, den Altersvorsorgestatus der deutschen Bevölkerung zwischen 20 und 65 Jahren möglichst vollständig abzubilden“, sagte Reinke.

          Nur 56 Prozent der Beschäftigten könnten hoffen, im Alter mindestens 60 Prozent ihres letzten Bruttoeinkommens zu erhalten, obwohl sie mit Riester-Verträgen, betrieblicher Altersvorsorge und ähnlichen Angeboten eigene Anstrengungen unternähmen. Die Versorgung misst Raffelhüschen an der Ersatzquote, die sich aus dem Verhältnis zwischen der Rente und dem letzten Einkommen ergibt. Eine Unterversorgung liegt demnach vor, wenn die Ersatzquote unter 60 Prozent fällt, wie dies im überwiegenden Teil Deutschlands der Fall ist.

          Lebensstandard halten

          Im wirtschaftlich starken Südwesten allerdings ist die Ersatzquote deshalb auf einem niedrigen Niveau, weil hier die Arbeitseinkommen im Durchschnitt besonders hoch sind, so dass hier private Altersvorsorge weniger notwendig ist, um Altersarmut abzuwenden, sondern um den Lebensstandard auch im Alter zu halten.

          Regionale Unterschiede: Der monatliche Anspruch aus der gesetzlichen Rentenversicherung schwankt

          Vielen Bundesbürgern droht dennoch Altersarmut, wenn sie die zu erwartende Rente nicht über private Vorsorge aufstocken, lautet ein Fazit der Studie. Nur rund ein Viertel der Anspruchsberechtigten könne allein aus der gesetzlichen Rentenversicherung ein ausreichendes Versorgungsniveau im Alter halten. „Besonders die Jüngeren weisen hohe Unterversorgungsquoten auf“, heißt es in der Untersuchung. In der Altersgruppe 20 bis 34 Jahre mache die künftige Rente nur 39 Prozent des letzten Einkommens aus. Geringverdiener wiederum mit einem Einkommen von weniger als 900 Euro netto monatlich seien relativ gut versorgt.

          Private Vorsorge ist wichtig

          Vor allem mittlere Einkommensschichten müssten private Vorsorge treffen, um keine Einbußen zu erleiden. Bundesbürger mit einem Monatseinkommen von mehr als 1500 Euro hätten bei Betrachtung der gesetzlichen Ansprüche eine Unterversorgungsquote von 88 Prozent und unter Einbeziehung der schon abgeschlossenen Altersvorsorgeverträge eine Unterversorgungsquote von immerhin noch 59 Prozent. Regional ist besonders Ostdeutschland betroffen.

          Zwar seien die aktuellen Rentner dort besser versorgt als westdeutsche Rentenbezieher. Doch die heutigen Beitragszahler müssten größere eigene Anstrengungen unternehmen. „Viele haben gar nicht mehr das Geld, um private Vorsorge zu treffen“, sagt Reinke. „Dennoch werden wir an dieser Stelle nicht lockerlassen.“ Im Herbst will Union Investment eine Vertriebsoffensive für Riester-Verträge starten.

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