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Altersvorsorge : Kündigung der Riester-Rente kann teuer werden

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Riester-Rente bringt nicht nur Vorteile Bild: dpa

Bei vorzeitiger Kündigung der Riester-Rente können Anleger einer Studie zufolge viel Geld verlieren.

          Die Riester-Rente kann bei einem vorzeitigen Ausstieg teuer werden. Nach einer am Mittwoch im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistung (iff) vorgelegten Studie setzten die Verbraucher bei vorzeitiger Kündigung bis zu 3.000 Euro in den Sand. Zudem seien Riester-Produkte für verschuldete Haushalte ungeeignet. Statt der staatlich geförderten Rentenversicherung empfiehlt die Stiftung Banksparpläne oder Investmentfonds.

          Rentenversicherungen verursachen der Studie zufolge von allen untersuchten Altersvorsorgeformen die höchsten Kosten bei einem früheren Ausstieg. „Für Verbraucher, die vorzeitig einen Vertrag abbrechen müssen, sind Rentenversicherungen ungeeignet. Trotzdem machen sie 95 Prozent der verkauften Riester-Produkte aus“, erklärte der Rentenexperte der Bertelsmann-Stiftung, Johannes Leinert. „Deshalb sollte sich jeder Verbraucher vor Auswahl des Vorsorgeprodukts fragen, ob er bis zum Ende des Vertrags durchhalten kann.“ Verbrauchern, die dies nicht können, empfiehlt Udo Reifner vom iff einen Banksparplan und auf mittlere Sicht einen Investmentfonds.

          Unflexible Riester-Produkte

          Die Studie betont, dass die Einkommen von Haushalten im Verlauf des Lebens zunehmend stark schwanken. Für immer mehr Bürger sei eine gleichbleibende oder sich ständig verbessernde finanzielle Situation durch Arbeitslosigkeit, Wechsel in die Selbstständigkeit, Kindererziehung oder Scheidung nicht mehr der Standard. Die Bertelsmann-Stiftung bemängelt vor diesem Hintergrund die unflexiblen Riester-Produkte, die etwa nachträgliche Zahlungen von Beiträgen zur Sicherung der Förderung nicht möglich machten.

          Für Verbraucher mit Schulden sei die Riester-Rente eine schlechte Vorsorgevariante. „In Deutschland sind ein Drittel der Haushalte mit Konsumkrediten verschuldet, sechs Prozent sind überschuldet“, erklärte Leinert. Trotzdem würden Schuldner von Banken und Versicherern gedrängt, Altersvorsorgeverträge abzuschließen. Vielmehr sei es für diese Haushalte ratsamer, zunächst ihre Schulden abzutragen.

          Widerspruch aus dem Arbeitsministerium

          Aus dem Arbeitsministerium wurden die Angaben als „unverantwortliche Verkürzung der Tatsachen“ zurückgewiesen. Die Empfehlung an Geringverdiener, nicht in Riester-Produkte einzusteigen, sei „grottenfalsch“, sagte Ministeriumssprecher Klaus Vater. „Gerade sie profitieren aufgrund der Zulagen proportional am höchsten von der Riester-Förderung. Als Brücke für viele Geringverdiener ist ein sehr geringer Eigenbetrag in die Rentenversicherung eingebaut.“ Die Aussage, die Riester-Rente sei zu unflexibel, wenn finanzielle Schwierigkeiten auftreten, sei zudem falsch. Die Riester-Rente sehe gerade vor, dass der Vertrag in solchen Fällen ruhen könne.

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