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Alternative Investments : Hedge-Fonds lassen die Krise hinter sich

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Hedge-Fonds weisen wieder Renditen aus, als hätte es die Krise nie gegeben. Luxemburg will sich gezielt als Standort für alternative Investments in Europa positionieren - und steht dabei vor allem im Wettbewerb mit Dublin.

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          Hedge-Fonds weisen wieder höhere Renditen aus als vor der Finanzkrise. Renditen von durchschnittlich 18,8 Prozent erreichte die Branche bisher in diesem Jahr, geht aus den jüngsten Daten des Analysehauses Hedge Fund Research in Chicago hervor. Dies sei die höchste Rendite seit mehr als zehn Jahren, hieß es weiter. Damit ist Hedge-Fonds eine Wende gelungen, wie sie viele nicht erwartet hatten.

          Hedge-Fonds kamen vor genau 60 Jahren auf den Markt und hatten ursprünglich das Ziel, unabhängig vom Auf und Ab der Finanzmärkte einen hohen Ertrag abzuwerfen. Das Wort „hedge“ bedeutet im Englischen „absichern“. Dazu setzen sie auch Terminmarktinstrumente und Strategien ein, die staatlich reglementierten Fonds nicht erlaubt sind. So verkaufte der erste Hedge-Fonds der Welt, der des amerikanischen Verlegers Alfred Winslow Jones, Aktien auf Termin, ohne diese zu besitzen – in der Hoffnung, sich bis zum Lieferungstermin günstiger an der Börse einzudecken. Mit solchen – marktneutral genannten – Strategien wie dieser können Hedge-Fonds theoretisch auch bei fallenden Kursen Gewinne erzielen.

          Beliebte Arbitrage-Strategien

          Heute verfolgen Hedge-Fonds eine Vielzahl unterschiedlicher Strategien. Beliebt sind Arbitrage-Strategien, bei denen Kursunterschiede für dasselbe Wertpapier an verschiedenen Handelsplätzen ausgenutzt werden. Bei Global-Macro-Strategien versucht der Hedge-Fonds-Manager gesamtwirtschaftliche Trends früh zu erkennen und gewinnbringend auszunutzen.

          Obwohl der Begriff Hedge-Fonds eine defensive, „absichernde“ Anlagepolitik nahelegt, treten tatsächlich viele sehr aggressiv auf. Viele der angewandten Strategien sind riskanter als die regulierter Fonds, die nur in sehr begrenztem Umfang Terminkontrakte oder Optionen einsetzen dürfen. Dabei nutzen Hedge-Fonds häufig auch gezielt eine hohe Verschuldung, um die Rendite zu steigern. Dies erwies sich in der Finanzkrise als besonders riskant. Viele Hedge-Fonds haben denn auch in der Finanzkrise nicht ihr Versprechen gehalten und sind genauso abgestürzt wie die übrigen Finanzmärkte auch. Insgesamt 1471 Hedge-Fonds wurden 2008 aufgelöst. Dies entsprach rund 15 Prozent des gesamten Hedge-Fonds-Marktes. 2008 war somit eines der schlechtesten Jahre in der Geschichte der Hedge-Fonds.

          Höchste Rendite bei mehr als 130 Prozent

          Der Hedge-Fonds mit der höchsten Rendite in diesem Jahr sei der 40 Millionen Dollar schwere Fonds Turnberry Capital International, der per Ende Oktober ein Plus von mehr als 130 Prozent präsentierte, teilte Hedge Funds Research mit. Der Fonds investiert in notleidende Kredite, in der Hoffnung darauf, dass diese doch noch bedient werden.

          Politiker haben in den vergangenen Monaten eine stärkere Regulierung von Hedge-Fonds gefordert, die sich bisher staatlicher Kontrolle weitgehend entzogen. Hedge-Fonds sind in der Regel an Standorten wie den Cayman-Inseln oder den Britischen Jungferninseln domiziliert und zum Beispiel in Deutschland nicht zum öffentlichen Vertrieb zugelassen. Einige Hedge-Fonds-Gesellschaften haben deshalb begonnen, zumindest einen Teil ihrer Produkte den Anforderungen der europäischen Richtlinie Ucits III anzupassen und diese somit einer Kontrolle staatlicher Finanzaufsichtsbehörden wie der deutschen Bafin unterworfen.

          Luxemburg konkurriert mit Dublin

          Gleichzeitig arbeitet die Europäische Kommission an einer Richtlinie, die sämtliche bisher nicht von der Ucits-Richtlinie erfassten Fonds reglementieren soll. Dies betrifft nicht nur Hedge-Fonds, sondern auch Immobilienfonds und Beteiligungskapitalfonds (Private Equity). „Es wird ohne Zweifel zu einer Regulierung von Hedge-Fonds in der EU kommen“, sagte Charles Muller, stellvertretender Generaldirektor des Luxemburger Fondsbranchenverbands Alfi, im Gespräch mit dieser Zeitung. Davon will Luxemburg als Fondsstandort profitieren. „Wir sehen eine realistische Chance, dass Fonds aus dem Bereich der alternativen Investments verstärkt nach Luxemburg kommen“, sagte Muller weiter.

          Im Wettbewerb um Hedge-Fonds steht Luxemburg vor allem mit Dublin. Luxemburg sei vor allem eine Drehscheibe zur Auflage und zum Vertrieb internationaler Investmentfonds für Fondsgesellschaften aus Kontinentaleuropa, während Dublin seine Stärke vor allem aus der Präsenz amerikanischer und britischer Fondsgesellschaften ziehe.

          Muller geht davon aus, dass Hedge-Fonds künftig eine Depotbank benennen müssen, um eine Vertriebszulassung in Europa zu erhalten. Diese führen das Vermögen eines Fonds, so dass es dem direkten Zugriff des Fondsmanagements entzogen ist, was den Anleger gegen Veruntreuung oder im Insolvenzfall besser schützt. „Wir befürworten, wenn die Depotbankpflicht in der EU ohne Ausnahme auf alle Fonds mit EU-Pass ausgedehnt wird“, sagte Muller. „Wenn dann etwas mit dem Fonds schiefgeht, haben die Anleger jemanden, den sie zur Haftung heranziehen können.“

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