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Allianz-Tochtergesellschaft : Fondsriese Pimco steckt in der Krise

  • -Aktualisiert am

Überraschender Abschied: Mohammed El-Erian räumt seinen Platz bei Pimco Bild: Jonas Wresch

Nach einem schlimmen Jahr für Pimco gibt Mohamed El-Erian die Führung der Allianz-Tochtergesellschaft nach sechs Jahren überraschend auf. Über die Gründe kann nur spekuliert werden.

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          An der Spitze der großen kalifornischen Fondsgesellschaft Pimco gibt es einen überraschenden Wechsel. Mohamed El-Erian, seit sechs Jahren in Personalunion Vorstandsvorsitzender und Ko-Chef-Anleger von Pimco, wird diese Posten Mitte März ohne Angabe von Gründen aufgeben. Der 55 Jahre alte El-Erian galt bislang als designierter Nachfolger für den 69 Jahre alten Gründer Bill Gross. Neben Gross war El-Erian das Gesicht Pimcos in der Öffentlichkeit und ein einflussreicher und gefragter Kommentator. Pimco litt im vergangenen Jahr allerdings unter starken Mittelabflüssen. Der größte Fonds der erfolgsgewohnten Gesellschaft, der von Gross gemanagte Pimco Total Return, hatte im vergangenen Jahr wegen Fehlspekulationen einen Verlust verbucht.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          In einer E-Mail an seine Kollegen bei Pimco schrieb El-Erian, dass sein Rücktritt „keine einfache“ Entscheidung gewesen sei. Pläne für die Zukunft habe er „bis jetzt“ keine. Wie Pimco in einer Presseerklärung nach Börsenschluss in New York am Dienstag mitteilte, wird El-Erian aber seinen Sitz im erweiterten, internationalen Vorstand des Münchner Versicherers Allianz behalten. Die Allianz ist die Muttergesellschaft von Pimco. Dazu werde El-Erian den Vorstand der Allianz in wirtschaftlichen und politischen Fragen beraten, hieß es.

          Höchster Verlust seit 1994

          Nachfolger El-Erians als Vorstandsvorsitzender wird Douglas Hodge, der seit 24 Jahren für Pimco tätig ist und zuletzt das operative Tagesgeschäft leitete. Die Verantwortung für die Anlagen von Pimco übernimmt Starinvestor Bill Gross, an der Wall Street als „Anleihekönig“ bekannt, wieder allein. Damit wird Pimco die geschäftliche Führung und die Verantwortung für die Anlagestrategie künftig klar trennen.

          Gross bekommt jedoch zwei Stellvertreter: Andrew Balls und Daniel Ivascyn. Balls, ein ehemaliger Journalist der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times, verantwortete zuletzt von London aus die europäischen Fonds von Pimco. Ivascyn ist für alternative Anlagen verantwortlich und wurde wegen seiner guten Leistungen vom Fondsinformationsdienst Morningstar als bester Rentenfondsmanager des Jahres 2013 ausgezeichnet.

          Insgesamt hat Pimco aber ein schwieriges Jahr hinter sich. Der Pimco Total Return, der größte Anleihefonds der Welt und das Vorzeigeobjekt der Gesellschaft, verlor 1,9 Prozent an Wert – der höchste Verlust seit 1994. Zwar haben Anleihefonds im vergangenen Jahr generell unter den steigenden Marktzinsen gelitten, die zu Kursverlusten festverzinslicher Papiere geführt haben. Aber rund zwei Drittel der Konkurrenten waren besser als Gross – eine bittere Pille für einen Mann, der nie einen Hehl aus seinem Siegeswillen gemacht hat. Längerfristig zählt der Total Return immer noch zu den besten Fonds der Branche.

          Expansion „offensichtlich schwieriger als erwartet“

          Im Jahr 2013 schätzte Gross aber unter anderem den Zeitpunkt und die Auswirkungen der geldpolitischen Wende der amerikanischen Notenbank Fed falsch ein. Der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke hatte im Mai erstmals eine Drosselung der aktuellen Anleihenkäufe in Aussicht gestellte, was zu deutlich steigenden Renditen länger laufender Staatsanleihen führte. Gross hatte allerdings auf niedrige Zinsen gewettet und sich deswegen mit Staatsanleihen eingedeckt. Die Anteilseigner wurden zunehmend nervös und zogen schließlich mehr als 41 Milliarden Dollar aus dem Pimco Total Return ab, der am Ende des Jahres noch 237 Milliarden Dollar verwaltete. Aber auch El-Erian agierte in seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender nicht immer erfolgreich.

          Pimco versuchte angesichts der schwieriger werdenden Marktlage für Anleihen in den Aktienbereich zu expandieren. Dafür wurde im Jahr 2009 Neel Kashkari angeheuert, der für die amerikanische Regierung während der Finanzkrise das Bankenrettungsprogramm verantwortete. Kashkari verließ Pimco im vergangenen Jahr aber wieder, weil er sich um das Amt des Gouverneurs von Kalifornien bewerben will. Der Vorstandsvorsitzende der Allianz, Michael Diekmann, hatte die Expansion in den Aktienbereich im Oktober als „offensichtlich schwieriger als erwartet“ bezeichnet. Auf die Aktienfonds von Pimco entfällt weniger als ein Prozent des gesamten Anlagevolumens.

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