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Aktienstrategie : „Sell in May“? Es gibt Besseres

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Jetzt wird wieder die alte Börsenregel bemüht: „Sell in May and walk away“. Tatsächlich lohnt sich diese Strategie. Noch besser aber ist es, im Mai nicht ganz auszusteigen, sondern auf defensive Sektoren zu setzen, meint Sam Stovall von S&P.

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          Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) hat jüngst die 13.000er-Marke überschritten. Einige Investmentstrategen reden nunmehr davon, dass der S&P 500 seinen alten Höchststand von 1.527 Zählern in den kommenden zwei Monaten einstellen wird. Bei diesem Anstieg könnte der S&P 500, auf das volle Jahr gerechnet, ein Plus von 17 Prozent erreichen.

          Bei einem Plus von mehr als 13 Prozent im Jahr 2006 verwundert es nicht, dass die Investoren nun die alte Wall-Street-Weisheit „Sell in May and walk away“ in Betracht ziehen. Vielleicht wäre es tatsächlich klug von den Investoren, auf diese Weisheit zu hören - aber auf eine leicht veränderte Art.

          An der Wall-Street-Weisheit ist was dran

          Unserer Meinung nach ist an dieser alten Wall-Street-Weisheit tatsächlich etwas dran. Seit 1945 hat der S&P 500 eine durchschnittliche Steigerung von 7,1 Prozent von November bis April verbuchen können, gegenüber einem Anstieg von nur 1,6 Prozent in den Monaten Mai bis Oktober, was nahe legt, dass anderswo größere Gewinne gemacht werden konnten. Außerdem hat die Performance in den Monaten November bis April diejenige von Mai bis Oktober in 69 Prozent der Fälle übertroffen, so auch in den vergangenen zwölf Monaten. Für diese ausgesprochene saisonale Stärke oder Schwäche kann es unseres Erachtens mehrere Gründe geben.

          Aus der Perspektive der saisonalen Schwäche zeigt die Vergangenheit, dass der S&P 500 seine schlechteste durchschnittliche Drei-Monats-Performance im dritten Quartal verbucht hat, wenn die Investoren möglicherweise eher ihre Sonnenbräune als ihre Portfolios im Sinn haben. Außerdem neigen die Analysten möglicherweise eher im späten dritten Quartal als im ersten oder zweiten dazu, ihre Prognosen für die Gewinne des gesamten Jahres nach unten zu korrigieren, und tragen so dazu bei, den September zum Monat mit der schlechtesten Performance im Jahr zu machen.

          Finanzspritzen stützen den Markt

          Darüber hinaus ist der Oktober historisch gesehen ein Monat, in dem der Markt eine Talsohle entwickelt, also beginnt der S&P 500 den November auf einem Level, das im Vergleich zu anderen Monaten recht niedrig liegt. Dies verleiht der Zeit von November bis April den Vorteil, dass sie auf einem niedrigeren Level beginnt.

          Die überdurchschnittliche Stärke der Spanne November bis April wird möglicherweise durch große Finanzspritzen unterstützt, zum Beispiel von den Einzahlungen für die Pensionspläne und der Anlage von Prämienzahlungen und Steuerrückerstattungen. Zusätzlich liegt der November auch in der Zeit des Jahres, in der die Analysten beginnen, fünf Quartale vorauszuschauen, statt sich auf die letzen ein oder zwei zu konzentrieren.

          „Sell in May“ funktioniert gut vor den Wahlen

          Die Monate November bis April sind auch recht beständig darin, Kursgewinne zu verzeichnen, die über dem langfristigen Durchschnitt liegen. Seit 1945 hat der S&P nur in 41 Prozent der Zeit um 4,5 Prozent oder weniger (halb so viel wie sein langfristiger jährlicher Durchschnitt von 9 Prozent) zugelegt. Mit anderen Worten: er hat in 59 Prozent der Zeit einen Gewinn von 4,5 Prozent überschritten. In der Zeit Mai bis Oktober allerdings hat der S&P in 58 Prozent der Fälle weniger als 4,5 Prozent zugelegt.

          Zerlegt man diese Analyse in den vierjährigen Präsidentschaftszyklus, scheint es, dass die „Sell in May“-Weisheit in den Jahren vor den Präsidentschaftswahlen (etwa 2007) sehr gut funktioniert: In diesen Jahren legte der S&P nur in 13 Prozent der Monate November bis April weniger als 4,5 Prozent zu, während der Markt in den Monaten Mai bis Oktober in 60 Prozent der Fälle weniger als 4,5 Prozent hinzugewann. Vom 31. Oktober 2006 bis 27. April 2007 stieg der S&P 500 um 8,4 Prozent.

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